Rechts­staats­wid­ri­ge Ver­fah­rens­ver­zö­ge­run­gen – und die Aus­re­den eines Land­ge­richts

Der Bun­des­ge­richts­hof hat sich in einer aktu­el­len Ent­schei­dung in deut­li­chen Wor­ten mit eini­gen "Begrün­dun­gen" befasst, war­um eine über 2jährige Untä­tig­keit kei­ne rechts­staats­wid­ri­ge Ver­fah­rens­ver­zö­ge­rung (mit der Fol­ge einer ent­spre­chen­den Kom­pen­sa­ti­ons­pflicht) dar­stel­len soll:

Rechts­staats­wid­ri­ge Ver­fah­rens­ver­zö­ge­run­gen – und die Aus­re­den eines Land­ge­richts

1. Aus­re­de: Das waren nicht wir, das hat ein ande­res Gericht zu ver­ant­wor­ten

Wie sich im hier ent­schie­de­nen Fall den land­ge­richt­li­chen Urteils­grün­den ent­neh­men lässt, ist es nach der Ver­wei­sung der Sache an das Land­ge­richt durch das Amts­ge­richt Frank­furt am Main im Novem­ber 2011 bis zur end­gül­ti­gen Vor­la­ge an das Land­ge­richt im Sep­tem­ber 2012 zu einer ers­ten rechts­staats­wid­ri­gen Ver­fah­rens­ver­zö­ge­rung gekom­men. Dass die Akte beim Amts­ge­richt offen­bar zeit­wei­se in "Abraum" gera­ten ist, wie das Land­ge­richt fest­stellt, ist ein allein in die Sphä­re der Jus­tiz fal­len­der Umstand, der – so der Bun­des­ge­richts­hof aus­drück­lich – nicht zu Las­ten des Ange­klag­ten gehen darf.

2. Aus­re­de: Der Ange­klag­te war doch nicht in Unter­su­chungs­haft

Dass sich der Ange­klag­te nicht in Haft befun­den hat, recht­fer­tigt es nicht, eine beim Land­ge­richt anhän­gi­ge Straf­sa­che eine solch lan­ge Zeit unbe­ar­bei­tet zu las­sen.

3. Aus­re­de: Arbeits­über­las­tung mit vor­ran­gig zu bear­bei­ten­den Haft­sa­chen

Dar­über hin­aus ist die Sache fast zwei Jah­re beim Land­ge­richt nicht bear­bei­tet wor­den, weil die zustän­di­ge Schwur­ge­richts­kam­mer auf­grund der hohen Belas­tung mit vor­ran­gig zu behan­deln­den Haft­sa­chen nicht frü­her ver­han­deln konn­te. Dies begrün­det – ent­ge­gen der Ansicht des Land­ge­richts – schon mit Blick auf die lan­ge Zeit der Untä­tig­keit das Vor­lie­gen einer rechts­staats­wid­ri­gen Ver­fah­rens­ver­zö­ge­rung, die im Wege der Voll­stre­ckungs­lö­sung aus­zu­glei­chen ist.

Soll­te vor dem Ablauf von zwei Jah­ren für die zustän­di­ge Straf­kam­mer kei­ne Mög­lich­keit bestan­den haben, die Sache zu ver­han­deln, hät­te dies dem Prä­si­di­um des Land­ge­richts mit­ge­teilt wer­den müs­sen, damit die­ses zur Beach­tung des Beschleu­ni­gungs­ge­bots Abhil­fe schafft.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 18. Febru­ar 2015 – 2 StR 523/​14