Rechts­staats­wid­ri­ge Ver­fah­rens­ver­zö­ge­run­gen – und ihre Kom­pen­sa­ti­on

Zwar hat der Tatrich­ter Art und Aus­maß der Ver­zö­ge­rung sowie ihre Ursa­chen zu ermit­teln und im Urteil kon­kret fest­zu­stel­len [1]. Der sach­lich­recht­lich zu for­dern­de Erör­te­rungs­be­darf darf aber mit Rück­sicht auf die vie­len denk­ba­ren Ver­fah­rens­vor­gän­ge, die für die Ent­schei­dung eine Rol­le spie­len kön­nen, nicht über­spannt wer­den.

Rechts­staats­wid­ri­ge Ver­fah­rens­ver­zö­ge­run­gen – und ihre Kom­pen­sa­ti­on

Es reicht des­halb aus, wenn das Revi­si­ons­ge­richt anhand der Aus­füh­run­gen im Urteil im Sin­ne einer Schlüs­sig­keits­prü­fung nach­voll­zie­hen kann, ob die fest­ge­stell­ten Umstän­de die Annah­me einer rechts­staats­wid­ri­gen Ver­zö­ge­rung im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 Satz 1 EMRK tra­gen und sich die Kom­pen­sa­ti­ons­ent­schei­dung inner­halb des dem Tatrich­ter inso­weit ein­ge­räum­ten Bewer­tungs­spiel­raums hält [2].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 1. Juni 2015 – 4 StR 21/​15

  1. BGH, Beschluss vom 17.01.2008 – GSSt 1/​07, BGHSt 52, 124, 146[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 12.02.2014 – 2 StR 308/​13[]