Revi­si­ons­rück­nah­me – durch den Ange­klag­ten per­sön­lich

Für die Wirk­sam­keit der Revi­si­ons­rück­nah­me (§ 302 Abs. 1 Satz 1 StPO) ist ohne Bedeu­tung, dass das Rechts­mit­tel vom Ver­tei­di­ger ein­ge­legt wur­de, die Rück­nah­me indes der Ange­klag­te selbst erklärt hat (vgl. § 297 StPO; BGH, Beschlüs­se vom 11.10.2007 – 3 StR 368/​07; vom 20.05.2014 – 5 StR 531/​13 jeweils mwN).

Revi­si­ons­rück­nah­me – durch den Ange­klag­ten per­sön­lich

Die Rück­nah­me­er­klä­rung wahrt die hier­für erfor­der­li­che Form 1, wenn sie inhalt­lich ein­deu­tig und zwei­fels­frei auf eine Been­di­gung des Revi­si­ons­ver­fah­rens und damit den Ein­tritt der Rechts­kraft des land­ge­richt­li­chen Urteils gerich­tet ist.

Ein Ange­klag­ter muss bei Abga­be einer Rechts­mit­tel­rück­nah­me­er­klä­rung in der Lage sein, sei­ne Inter­es­sen ver­nünf­tig wahr­zu­neh­men und bei hin­rei­chen­der Frei­heit der Wil­lens­ent­schlie­ßung und Wil­lens­be­tä­ti­gung die Bedeu­tung sei­ner Erklä­rung zu erken­nen 2. Dies wird – wie etwa § 415 Abs. 1 und 3 StPO für das Siche­rungs­ver­fah­ren gegen einen Schuld­un­fä­hi­gen belegt – allein durch eine Geschäfts- oder Schuld­un­fä­hig­keit des Ange­klag­ten nicht not­wen­dig aus­ge­schlos­sen 3. Viel­mehr ist von einer Unwirk­sam­keit der Rück­nah­me­er­klä­rung – wie aus­ge­führt – erst aus­zu­ge­hen, wenn hin­rei­chen­de Anhalts­punk­te dafür vor­lie­gen, dass der Rechts­mit­tel­füh­rer nicht dazu in der Lage war, die Bedeu­tung der von ihm abge­ge­be­nen Erklä­rung zu erfas­sen 4. Ver­blei­ben Zwei­fel an sei­ner pro­zes­sua­len Hand­lungs­fä­hig­keit, geht dies zu sei­nen Las­ten 5.

Eine Anfech­tung der Rück­nah­me wegen Moti­virr­tums ist aus Rechts­grün­den aus­ge­schlos­sen; die Rück­nah­me­er­klä­rung ist nach ihrem Ein­gang bei Gericht unwi­der­ruf­lich und unan­fecht­bar 6.

Da der Ver­tei­di­ger des Ange­klag­ten die Wirk­sam­keit der Revi­si­ons­rück­nah­me in Zwei­fel gezo­gen hat, stellt der Bun­des­ge­richts­hof die ein­ge­tre­te­ne Rechts­fol­ge durch dekla­ra­to­ri­schen Beschluss fest 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. Dezem­ber 2015 – 4 StR 491/​15

  1. vgl. Mey­er-Goß­ner, StPO, 58. Aufl., § 302 Rn. 7 mwN[]
  2. vgl. Mey­er-Goß­ner, aaO, Einl. Rn. 97, § 302 Rn. 8a[]
  3. Mey­er-Goß­ner, aaO, § 302 Rn. 8a mwN[]
  4. BGH, Beschluss vom 11.10.2007 – 3 StR 368/​07[]
  5. BGH, Beschlüs­se vom 28.07.2004 – 2 StR 199/​04, NStZ-RR 2004, 341; vom 11.10.2007 – 3 StR 368/​07 mwN[]
  6. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 28.07.2004 – 2 StR 199/​04, NStZ-RR 2004, 341; vom 29.07.2014 – 5 StR 314/​14; vom 08.10.2015 – 2 StR 103/​15 jeweils mwN[]
  7. vgl. Mey­er-Goß­ner, aaO, § 302 Rn. 11a mwN[]