Rezen­si­on: Matt /​Ren­zi­kow­ski, Straf­ge­setz­buch

Der ein­bän­di­ge StGB-Kom­men­tar "Matt /​Ren­zi­kow­ski" konn­te bereits 2013 mit sei­ner ers­ten Aus­ga­be 2013 über­zeu­gen. Nun hat der Ver­lag Vah­len für Sep­tem­ber eine aktu­el­le, zwei­te Auf­la­ge ange­kün­digt.

Rezen­si­on: Matt /​Ren­zi­kow­ski, Straf­ge­setz­buch

Die bei­den Her­aus­ge­ber, Prof. Dr. Hol­ger Matt, Rechts­an­walt und Fach­an­walt für Straf­recht in Frank­furt am Main, und Prof. Dr. Joa­chim Ren­zi­kow­ski, Inha­ber des Lehr­stuhls für Straf­recht, Rechts­phi­lo­so­phie und Rechts­theo­rie an der Mar­tin-Luther-Uni­ver­si­tät Hal­le-Wit­ten­berg, leg­ten bereits mit der ers­ten Auf­la­ge vor sechs Jah­ren einen Kom­men­tar zum Straf­ge­setz­buch vor, der für vie­le Straf­ver­tei­di­ger unent­behr­lich wur­de. Ent­hielt er doch in nur einem Band auf 2747 Sei­ten eine kom­pak­te Kom­men­tie­rung, in der Recht­spre­chung und Lite­ra­tur umfas­send aus­ge­wer­tet wur­den, und gab gleich­zei­tig genü­gend Anre­gun­gen und Argu­men­ta­ti­ons­hil­fen für den prak­ti­schen Fall.

Und noch etwas hob die ers­te Auf­la­ge des Matt /​Ren­zi­kow­ski aus ande­ren StGB-Kom­men­ta­ren her­vor: So bot er zwar eine Kom­men­tie­rung des gesam­ten Straf­ge­setz­bu­ches, hat­te aber einen beson­de­ren Schwer­punkt im Bereich der Wirt­schafts­de­lik­te. Ins­be­son­de­re die Kom­men­tie­rung zum Betrug ist eine umfas­sen­de Dar­stel­lung, die auch vor aktu­el­len Erschei­nungs­for­men – wie etwa dem Sozi­al­leis­tungs­be­trug, dem immer wie­der aktu­el­len Sport­wet­ten­be­trug, dem betrü­ge­ri­schen Han­del mit Waren­ter­min­kon­trak­ten und -opti­on, den Abofal­len
– nicht Halt macht. Aber auch die Kom­men­tie­run­gen etwa zur Untreue und zu den Urkunds­de­lik­ten las­sen kei­ne Fra­gen offen.

Mit der jetzt ange­kün­dig­ten zwei­ten Auf­la­ge wird der Matt /​Ren­zi­kow­ski auf den aktu­el­len Stand von Gesetz­ge­bung, höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung und Straf­rechts­dog­ma­tik gebracht. Und auch die Wirt­schafts­de­lik­te sol­len nach der Vor­anzei­ge des Ver­lags Franz Vah­len GmbH auch in der zwei­ten Auf­la­ge wie­der einen Schwer­punkt bil­den.

Die jetzt ange­kün­dig­te 2. Auf­la­ge ent­hält unter ande­rem bereits umfas­sen­de Kom­men­tie­run­gen zum neu­en Sexu­al­straf­recht, zum Gesetz zur Bekämp­fung des Men­schen­han­dels, zu den gesetz­li­chen Ände­run­gen hin­sicht­lich der Infor­ma­ti­on über einen Schwan­ger­schafts­ab­bruch sowie zur Straf­bar­keit nicht geneh­mig­ter Kraft­fahr­zeug­ren­nen im Stra­ßen­ver­kehr. Dar­über hin­aus sind die Kom­men­tie­run­gen zum Sport­wet­ten­be­trug und zum Woh­nungs­ein­bruchs­dieb­stahl im Hin­blick auf die zwi­schen­zeit­li­chen Ände­run­gen fort­ge­schrie­ben wor­den.

Alles in allem ist auch die zwei­te Auf­la­ge des Kom­men­tars zum Straf­ge­setz­buch von Hol­ger Matt und Joa­chim Ren­zi­kow­ski wie­der eine kla­re Emp­feh­lung für jedem mit dem Straf­recht befass­ten Juris­ten. Vor­be­stel­lun­gen sind etwa hier mög­lich: Kom­men­tar zum Straf­ge­setz­buch bei sack.de.

Und jen­seits aller fach­li­chen Qua­li­tä­ten gibt es noch etwas, was uns bei der ers­ten Auf­la­ge gut gefiel und von dem wir hof­fen, dass es auch in der kom­men­den zwei­ten Auf­la­ge bei­be­hal­ten wird:

  • die kur­zen Über­sich­ten vor den jewei­li­gen Nor­men, die eine schnel­le Ori­en­tie­rung ermög­li­chen;
  • die ein­heit­li­che Dar­stel­lungs­form für die ein­zel­nen Kom­men­tie­run­gen (denn auch Leser sind Gewohn­heits­tie­re) und
  • die opti­sche Her­vor­he­bung von wich­ti­gen Schlag­wor­ten, die den Leser schnell die rich­ti­ge Stel­le fin­den las­sen, wenn man Infor­ma­tio­nen nur zu einem ein­zel­nen Pro­blem sucht, ohne den Lese­fluss aller derer zu stö­ren, die sich ein­ge­hen­der in die Kom­men­tie­rung ver­tie­fen wol­len.

Und schließ­lich: auch die Aus­füh­run­gen von Ren­zi­kow­ski zur Zurech­nung sind lesens­wert – auch wenn sie (und gera­de weil sie) gegen die immer noch herr­schen­de Mei­nung der objek­ti­ven Zurech­nung argu­men­tiert…