Rich­ter­li­che Über­zeu­gung

Vor­aus­set­zung für die Über­zeu­gung des Tatrich­ters von einem bestimm­ten Sach­ver­halt ist nicht eine abso­lu­te, das Gegen­teil den­knot­wen­dig aus­schlie­ßen­de Gewiss­heit. Viel­mehr genügt ein nach der Lebens­er­fah­rung aus­rei­chen­des Maß an Sicher­heit, das ver­nünf­ti­ge Zwei­fel nicht auf­kom­men lässt.

Rich­ter­li­che Über­zeu­gung

Dabei haben sol­che Zwei­fel außer Betracht zu blei­ben, die rea­ler Anknüp­fungs­punk­te ent­beh­ren und sich ledig­lich auf die Annah­me einer theo­re­ti­schen Mög­lich­keit grün­den 1.

Es ist daher rechts­feh­ler­haft, wenn eine nach den Fest­stel­lun­gen nahe­lie­gen­de Schluss­fol­ge­rung nicht gezo­gen ist, ohne dass kon­kre­te Grün­de ange­führt sind, die die­ses Ergeb­nis stüt­zen könn­ten. Alter­na­ti­ve, für den Ange­klag­ten güns­ti­ge Gesche­hens­ab­läu­fe sind erst dann bedeut­sam, wenn für ihr Vor­lie­gen kon­kre­te Anhalts­punk­te erbracht sind und sie des­halb nach den gesam­ten Umstän­den als mög­lich in Betracht kom­men 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 29. April 2015 – 2 StR 14/​15

  1. BGH, Urteil vom 01.09.1993 – 2 StR 361/​93, BGHR StPO § 261 Über­zeu­gungs­bil­dung 22; BGH, Urteil vom 11.04.2002 – 4 StR 585/​01, NStZ-RR 2002, 243[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 08.09.1989 – 2 StR 392/​89, BGHR StGB § 213 Beweis­wür­di­gung 1; BGH, Urteil vom 11.01.2005 – 1 StR 478/​04, NStZ-RR 2005, 147[]