Rücktritt vom Versuch – und die jugendstrafrechtliche Beurteilung der Schuldschwere

Im Fall eines freiwilligen Rücktritts vom Versuch – wie hier vom versuchten besonders schweren Raub – ist die schulderhöhende Berücksichtigung des zunächst gegebenen Vollendungsvorsatzes im Rahmen der Prüfung der Schwere der Schuld jedenfalls dann rechtsfehlerhaft, wenn nicht der Umstand der freiwilligen Abkehr von diesem Vorsatz gleichermaßen in den Blick genommen wird.

Rücktritt vom Versuch - und die jugendstrafrechtliche Beurteilung der Schuldschwere

Erst beide Gesichtspunkte gemeinsam ergeben das Tatbild, das in der spezifisch jugendstrafrechtlichen Beurteilung der Schuldschwere zu bewerten ist1. Gleiches muss für die Bestimmung der Höhe der Jugendstrafe gelten.

Im hier entschiedenen Fall bedeutete das: Während die Entscheidung, überhaupt Jugendstrafe zu verhängen, nicht auf der Annahme der Schuldschwere beruht, weil die Jugendkammer zugleich rechtsfehlerfrei schädliche Neigungen im Sinne von § 17 Abs. 2 Alternative 1 JGG bejaht hat, lies sich für den Bundesgerichtshof nicht ausschließen, dass sie auf eine geringere Jugendstrafe erkannt hätte, wenn sie den Angeklagten der Sache nach nicht einseitig als Wiederholungstäter unter dem Gesichtspunkt eines Raubdelikts betrachtet hätte, sondern das freiwillige Abstandnehmen von der weiteren Tatausführung ebenfalls berücksichtigt hätte.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 26. Juli 2018 – 3 StR 189/18

  1. vgl. BGH, Urteil vom 20.04.2016 – 2 StR 320/15, BGHSt 61, 188 []