Rück­tritt vom Ver­such – und die Erfolgs­ver­hin­de­rung

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kommt ein Rück­tritt vom Ver­such gemäß § 24 Abs. 1 Satz 1 Alt. 2 StGB schon dann in Betracht, wenn der Täter unter meh­re­ren Mög­lich­kei­ten der Erfolgs­ver­hin­de­rung nicht die sichers­te oder "opti­ma­le" gewählt hat, sofern sich das auf Erfolgs­ab­wen­dung gerich­te­te Ver­hal­ten des Ver­suchstä­ters als erfolg­reich und für die Ver­hin­de­rung der Tat­voll­endung als ursäch­lich erweist.

Rück­tritt vom Ver­such – und die Erfolgs­ver­hin­de­rung

Es kommt nicht dar­auf an, ob dem Täter schnel­le­re oder siche­re­re Mög­lich­kei­ten der Erfolgs­ab­wen­dung zur Ver­fü­gung gestan­den hät­ten; das Erfor­der­nis eines "ernst­haf­ten Bemü­hens" gemäß § 24 Abs. 1 Satz 2 StGB gilt für die­sen Fall nicht 1. Erfor­der­lich ist aber stets, dass der Täter eine neue Kau­sal­ket­te in Gang gesetzt hat, die für die Nicht­voll­endung der Tat ursäch­lich oder jeden­falls mit­ur­säch­lich gewor­den ist 2. Ohne Belang ist dabei, ob der Täter noch mehr hät­te tun kön­nen, sofern er nur die ihm bekann­ten und zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­tel benutzt hat, die aus sei­ner Sicht den Erfolg ver­hin­dern konn­ten 3.

Wird der Tat­er­folg durch Drit­te ver­hin­dert, setzt ein straf­be­frei­en­der Rück­tritt vor­aus, dass der Täter alles tut, was in sei­nen Kräf­ten steht und nach sei­ner Über­zeu­gung zur Erfolgs­ab­wen­dung erfor­der­lich ist, und dass er die aus sei­ner Sicht aus­rei­chen­den Ver­tei­di­gungs­mög­lich­kei­ten aus­schöpft, wobei er sich auch der Hil­fe Drit­ter bedie­nen kann 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. Juli 2018 – 1 StR 201/​18

  1. BGH, Beschluss vom 20.12 2002 – 2 StR 251/​02, BGHSt 48, 147, 149 f.; zum Mei­nungs­stand in der Lite­ra­tur vgl. die Nach­wei­se bei Fischer, StGB, 65. Aufl., § 24, Rn. 32 ff.[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 22.08.1985 – 4 StR 326/​85, BGHSt 33, 295, 301; vom 13.03.2008 – 4 StR 610/​07, NStZ 2008, 508, 509; Beschluss vom 20.05.2010 – 3 StR 78/​10, NStZ-RR 2010, 276, 277[]
  3. vgl. BGH aaO, BGHSt 33, 295, 301 mwN[]
  4. vgl. BGH, Urtei­le vom 22.08.1985 – 4 StR 326/​85, BGHSt 33, 295, 301 f.; vom 13.03.2008 – 4 StR 610/​07, NStZ 2008, 508, 509; Beschluss vom 20.05.2010 – 3 StR 78/​10, NStZ-RR 2010, 276, 277[]