Der zunächst fehl­ge­schla­ge­ne Ver­such – und die Kor­rek­tur des Rück­tritts­ho­ri­zonts

Ein fehl­ge­schla­ge­ner Ver­such liegt vor, wenn die Tat nach Miss­lin­gen des zunächst vor­ge­stell­ten Tat­ab­laufs mit den bereits ein­ge­setz­ten oder nahe­lie­gen­den Mit­teln objek­tiv nicht mehr voll­endet wer­den kann und der Täter dies erkennt, oder wenn er sub­jek­tiv die Voll­endung nicht mehr für mög­lich hält, wobei es auf die Täter­sicht nach Abschluss der letz­ten Aus­füh­rungs­hand­lung ankommt.

Der zunächst fehl­ge­schla­ge­ne Ver­such – und die Kor­rek­tur des Rück­tritts­ho­ri­zonts

Erkennt der Täter zu die­sem Zeit­punkt oder hat er eine ent­spre­chen­de sub­jek­ti­ve Vor­stel­lung dahin, dass es zur Her­bei­füh­rung des Erfol­ges eines erneu­ten Anset­zens bedürf­te, etwa mit der Fol­ge einer zeit­li­chen Zäsur und einer Unter­bre­chung des unmit­tel­ba­ren Hand­lungs­fort­gangs, liegt ein Fehl­schlag vor 1.

Nimmt der Täter – wie im vor­lie­gen­den Fall – im Rah­men eines mehr­ak­ti­gen Gesche­hens ver­schie­de­ne Hand­lun­gen vor (hier Schlä­ge mit dem Stein auf denKopf des Flug­leh­rers, dann Ein­drü­cken der Augen­höh­len des Flug­leh­rers und anschlie­ßend Betä­ti­gen des Steu­ers zur Beschleu­ni­gung des Sturz­flugs), steht der Fehl­schlag eines oder meh­re­rer der anfäng­li­chen Ein­zel­ak­te nicht not­wen­dig und von vorn­her­ein einem Rück­tritt vom Ver­such ent­ge­gen. Sind die­se Ein­zel­ak­te unter­ein­an­der sowie mit der letz­ten Tat­hand­lung Tei­le eines durch die sub­jek­ti­ve Ziel­set­zung des Täters ver­bun­de­nen, ört­lich und zeit­lich ein­heit­li­chen Gesche­hens, so beur­tei­len sich die Fra­gen, ob der Ver­such fehl­ge­schla­gen ist oder ob der straf­be­frei­en­de Rück­tritt andern­falls allein schon durch das Unter­las­sen wei­te­rer Tat­hand­lun­gen (unbe­en­de­ter Ver­such) oder durch Ver­hin­de­rung der Tat­voll­endung (been­de­ter Ver­such) erreicht wer­den kann, eben­falls allein nach der sub­jek­ti­ven Sicht des Täters nach Abschluss sei­ner letz­ten Aus­füh­rungs­hand­lung 2.

Hält der Täter nach der letz­ten Aus­füh­rungs­hand­lung den Ein­tritt des ange­streb­ten Erfolgs zwar zunächst für mög­lich, erkennt er aber unmit­tel­bar dar­auf, dass er sich geirrt hat, so erlangt die an der wahr­ge­nom­me­nen Wirk­lich­keit kor­ri­gier­te Vor­stel­lung für den "Rück­tritts­ho­ri­zont" maß­geb­li­che Bedeu­tung mit der Fol­ge, dass der Täter, des­sen Hand­lungs­mög­lich­kei­ten unver­än­dert fort­be­stehen, durch Abstand­nah­me von wei­te­ren Aus­füh­rungs­hand­lun­gen mit straf­be­frei­en­der Wir­kung zurück­tre­ten kann (sog. Kor­rek­tur des Rück­tritts­ho­ri­zonts) 3. Ent­schei­dend ist danach nicht, ob der Ange­klag­te sei­nen ursprüng­li­chen Tat­plan nicht ver­wirk­li­chen konn­te, son­dern ob ihm infol­ge einer Ver­än­de­rung der Hand­lungs­si­tua­ti­on oder auf­kom­men­der inne­rer Hem­mun­gen das Errei­chen sei­nes Zie­les ohne zeit­li­che Zäsur nicht mehr mög­lich erschien. War der Ange­klag­te aber noch Herr sei­ner Ent­schlüs­se, hielt er die Aus­füh­rung der Tat – wenn auch mit ande­ren Mit­teln – noch für mög­lich, dann ist der Ver­zicht auf ein Wei­ter­han­deln als frei­wil­li­ger Rück­tritt vom unbe­en­de­ten Ver­such zu bewer­ten 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. Sep­tem­ber 2014 – 4 StR 367/​14

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 25.11.2004 – 4 StR 326/​04, NStZ 2005, 263, 264; Urteil vom 08.02.2007 – 3 StR 470/​06, NStZ 2007, 399[]
  2. BGH, Urteil vom 08.02.2007 – 3 StR 470/​06, NStZ 2007, 399, Rn. 3[]
  3. BGH, Urteil vom 19.07.1989 – 2 StR 270/​89, BGHSt 36, 224; BGH, Beschluss vom 05.09.2002 – 4 StR 279/​02, NStZ-RR 2003, 40[]
  4. BGH, Beschluss vom 26.09.2006 – 4 StR 347/​06, NStZ 2007, 91; vgl. BGH, Urteil vom 17.07.2014 – 4 StR 158/​14, NStZ 2014, 569 f.[]