Rück­tritt wegen äuße­rer Ereig­nis­se – und die Fra­ge der Frei­wil­lig­keit

Gemäß § 24 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 StGB kann der Täter eines ver­such­ten Delikts durch die Auf­ga­be der wei­te­ren Tat­aus­füh­rung straf­be­frei­end vom Ver­such zurück­tre­ten, wenn er frei­wil­lig die wei­te­re Aus­füh­rung der Tat auf­gibt.

Rück­tritt wegen äuße­rer Ereig­nis­se – und die Fra­ge der Frei­wil­lig­keit

Frei­wil­lig­keit in die­sem Sin­ne liegt vor, wenn der Täter "Herr sei­ner Ent­schlüs­se" geblie­ben ist und er die Aus­füh­rung sei­nes Ver­bre­chens­plans noch für mög­lich hält, er also weder durch eine äuße­re Zwangs­la­ge dar­an gehin­dert, noch durch see­li­schen Druck unfä­hig gewor­den ist, die Tat zu voll­brin­gen [1].

Dabei stellt die Tat­sa­che, dass der Anstoß zum Umden­ken von außen kommt oder die Abstand­nah­me von der Tat erst nach dem Ein­wir­ken eines Drit­ten erfolgt, für sich genom­men die Auto­no­mie der Ent­schei­dung des Täters nicht in Fra­ge. Auch in die­sen Fäl­len ist viel­mehr maß­ge­bend, ob der Täter trotz des Ein­grei­fens oder der Anwe­sen­heit eines Drit­ten noch "aus frei­en Stü­cken" han­delt oder aber ob Umstän­de vor­lie­gen, die zu einer die Tat­aus­füh­rung hin­dern­den äuße­ren Zwangs­la­ge füh­ren oder eine inne­re Unfä­hig­keit zur Tat­voll­endung aus­lö­sen [2].

Erst wenn durch von außen kom­men­de Ereig­nis­se aus Sicht des Täters ein Hin­der­nis geschaf­fen wor­den ist, das der Tat­voll­endung zwin­gend ent­ge­gen­steht, ist er nicht mehr Herr sei­ner Ent­schlüs­se und eine dar­auf­hin erfolg­te Abstand­nah­me von der wei­te­ren Tat­aus­füh­rung ist als unfrei­wil­lig anzu­se­hen [3].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. April 2020 – 5 StR 75/​20

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 03.04.2014 – 2 StR 643/​13, NStZ-RR 2014, 241; Urteil vom 28.09.2017 – 4 StR 282/​17; Urteil vom 10.04.2019 – 1 StR 646/​18, NStZ 2020, 81 f. jeweils mwN[]
  2. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 10.07.2013 – 2 StR 289/​13, StV 2014, 336 f.; Beschluss vom 27.08.2009 – 4 StR 306/​09, NStZ-RR 2009, 366 f. mwN[]
  3. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 10.04.2019 – 1 StR 646/​18, aaO[]