Sach­ver­stän­di­gen­be­weis – und die neu gewon­ne­ne Sach­kun­de des Gerichts

Wenn das Tat­ge­richt die Anhö­rung eines Sach­ver­stän­di­gen für erfor­der­lich hält, um sich sach­kun­dig zu machen, muss der Sach­ver­stän­di­ge in der Haupt­ver­hand­lung im Streng­be­weis­ver­fah­ren gehört wer­den 1.

Sach­ver­stän­di­gen­be­weis – und die neu gewon­ne­ne Sach­kun­de des Gerichts

Zwar gestat­tet § 244 Abs. 4 Satz 1 StPO die Ableh­nung eines Beweis­an­trags auf Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens, wenn das Gericht selbst bereits über die erfor­der­li­che eige­ne Sach­kun­de ver­fügt. Es ist jedoch nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs rechts­feh­ler­haft, einen Antrag auf Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens mit dem Hin­weis auf genü­gen­de eige­ne Sach­kun­de abzu­leh­nen, wenn sich das Tat­ge­richt die­se Sach­kun­de erst zuvor gezielt durch die Befra­gung eines Sach­ver­stän­di­gen im Frei­be­weis­ver­fah­ren ver­schafft hat, um einen erwar­te­ten oder bereits gestell­ten Beweis­an­trag ableh­nen zu kön­nen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 3. Juli 2018 – 4 StR 621/​17

  1. vgl. BGH, Urteil vom 15.03.1995 – 2 StR 702/​94, BGHR StPO § 244 Abs. 4 Streng­be­weis 1; Beschlüs­se vom 26.03.2014 – 2 StR 274/​13, BGHR StGB § 244 Abs. 4 Satz 1, Sach­kun­de 14; vom 23.05.2013 – 2 StR 555/​12, wis­tra 2013, 389 f.; SK-StPO/­Fris­ter, 5. Aufl., § 244 Rn.209; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 61. Aufl., § 244 Rn. 73[]