Sach­ver­stän­di­gen­ver­gü­tung für ein Behör­den­gut­ach­ten

Wird ein Sach­ver­stän­di­ger nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 JVEG her­an­ge­zo­gen, rich­tet sich sein Ver­gü­tungs­an­spruch allein nach dem JVEG (KV GKG 9005) und muss des­halb inner­halb von 3 Mona­ten nach dem in § 2 Abs. 1 S. 2 JVEG bestimm­ten Zeit­raum gel­tend gemacht wer­den (§ 2 Abs. 1 S. 1 JVEG). Die Frist gilt auch, wenn eine Behör­de (hier: Lan­des­kri­mi­nal­amt) gemäß § 1 Abs. 2 S. 1 JVEG zu Sach­ver­stän­di­gen­leis­tun­gen her­an­ge­zo­gen wird und ein Mit­ar­bei­ter der Behör­de im Rah­men sei­ner Dienst­pflicht (§ 1 Abs. 2 S. 2 JVEG) ein Gut­ach­ten wäh­rend einer straf­recht­li­chen Haupt­ver­hand­lung vor Gericht erstat­tet.

Sach­ver­stän­di­gen­ver­gü­tung für ein Behör­den­gut­ach­ten

Erteilt hin­ge­gen die Poli­zei wäh­rend eines Ermitt­lungs­ver­fah­rens aus eige­nem Ent­schluss einen Unter­su­chungs­auf­trag an eine Behör­de (hier: Lan­des­kri­mi­nal­amt), dem nicht, wie das § 1 Abs. 3 JVEG für eine Her­an­zie­hung ver­langt, ein Auf­trag oder zumin­dest die Bil­li­gung der Staats­an­walt­schaft vor­an­ge­gan­gen ist, ergibt sich die Ersatz­fä­hig­keit aus KV GKG Nr. 9013 und Nr. 9015. Die Frist des § 2 Abs. 1 S. 1 JVEG gilt in die­sem Fall nicht, weil KV GKG Nr. 9013 und Nr. 9015 kei­ne Rechts­grund­ver­wei­sung auf das JVEG ent­hal­ten.

In Ver­fah­ren vor den ordent­li­chen Gerich­ten, die sich – wie hier – nach der Straf­pro­zess­ord­nung rich­ten, wer­den Kos­ten aus­schließ­lich nach dem GKG erho­ben (§ 1 Abs. 1 Nr. 5 GKG), des­sen gemäß § 3 Abs. 2 GKG maß­geb­li­ches Kos­ten­ver­zeich­nis (Anla­ge 1) unter Nr. 9005 KV GKG auf das JVEG ver­weist. Die des­halb zu beach­ten­de Frist des § 2 Abs. 1 S. 1 JVEG begann hier gemäß § 2 Abs. 1 S. 2 Nr. 2 JVEG mit der Erstat­tung des Gut­ach­tens durch den Sach­ver­stän­di­gen M. am 8.12.2010 und lief folg­lich im März 2011 ab.

Dass die Aus­la­gen nach Zif­fer 4 des Rund­erlas­ses des Minis­te­ri­ums für Inne­res und Sport vom 05.03.2005 (VORIS 21011) zwi­schen der nie­der­säch­si­schen Jus­tiz und den Poli­zei­be­hör­den nicht erstat­tet wer­den, führt zu kei­ner ande­ren Bewer­tung. Das Lan­des­kri­mi­nal­amt wird hier­durch zwar gezwun­gen, den Anspruch selbst dann – detail­liert nach Grund und Höhe 1 – dar­zu­le­gen, wenn inner­halb der Drei­mo­nats­frist noch nicht abseh­bar ist, ob es über­haupt zu einer rechts­kräf­ti­gen Ver­ur­tei­lung kommt, die Vor­aus­set­zung für eine fäl­li­ge Ver­bind­lich­keit des Kos­ten­schuld­ners (§ 8, 29 Nr. 1 GKG) und damit für die Ein­zie­hung der Kos­ten – als durch­lau­fen­der Pos­ten (vgl. §§ 29 Abs. 8, 38 KostVfg) 2 – ist. Dar­auf kommt es nach Wort­laut und Zweck des Geset­zes jedoch nicht an. Die Frist des § 2 Abs. 1 S. 1 JVEG gilt für alle Sach­ver­stän­di­gen "gleich und aus­nahms­los" 3, mit­hin auch für den Sach­ver­stän­di­gen M., der das Gut­ach­ten für das gemäß § 1 Abs.2 JVEG her­an­ge­zo­ge­ne Lan­des­kri­mi­nal­amt im Rah­men sei­ner Dienst­pflicht 4 erstat­te­te. Der Sach­ver­stän­di­ge soll nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers 5 durch die Frist zu einer zeit­na­hen Abrech­nung ver­an­lasst wer­den, um eine grö­ße­re Gewähr für die Rich­tig­keit der Berech­nung her­bei­zu­füh­ren. Die­ser Geset­zes­zweck, der auch dem Schutz des Kos­ten­schuld­ners dient 6, greift auch bei einem Behör­den­gut­ach­ten. Der Kos­ten­schuld­ner soll aus der Ver­wal­tungs­ver­ein­fa­chung zwar kei­nen Nut­zen zie­hen, er darf aber auch kei­nen Nach­teil dadurch erlei­den, dass die Rich­tig­keit der Berech­nung wegen des Zeit­ver­zugs in Gefahr gerät. Der Gesetz­ge­ber hat in Nr. 9005 KV GKG (dort Anm. Abs.2) die Pro­ble­ma­tik des ver­wal­tungs­in­ter­nen Erstat­tungs­ver­zichts gese­hen und den­noch für sol­che Fäl­le kei­ne Aus­nah­me­re­ge­lung in § 2 JVEG ver­an­kert.

Die Ersatz­fä­hig­keit folgt für das münd­li­che Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten auch nicht sub­si­di­är aus Nr. 9013 KV GKG. Auf die­sen Aus­lagen­tat­be­stand kann dort nicht zurück­ge­grif­fen wer­den, wenn – wie hier – ein Anspruch nach dem JVEG ent­stan­den ist, weil der Sach­ver­stän­di­ge vom Amts­ge­richt gemäß § 1 Abs. 1 Nr. 1 JVEG her­an­ge­zo­gen wur­de und sich die Ersatz­fä­hig­keit für "nach dem JVEG zu zah­len­de Beträ­ge" nach der spe­zi­el­len Rege­lung in Nr. 9005 KV GKG rich­tet.

Ober­lan­des­ge­richt Braun­schweig, Beschluss vom 23. Mai 2013 – 1 Ws 59/​13

  1. dazu: OLG Mün­chen, Beschluss vom 29.11.2012 – 4 Ws 187/​12; Thü­rin­ger LSG, Beschluss vom 18.06.2007 – L 6 B 77/​07; Binz in Binz/​Dörndorfer/​Petzold/​Zimmermann GKG FamFG JVEG, 2. Aufl., § 2 JVEG Rn. 2[]
  2. Schnei­der, JVEG, 2007, § 1 Rn.206[]
  3. Binz in Binz/​Dörndorfer/​Petzold/​Zimmermann GKG FamFG JVEG, 2. Aufl., § 2 JVEG Rn. 2[]
  4. dazu: Schnei­der, JVEG, § 1 Rn. 93[]
  5. Bt. Druck­sa­che 15/​1971, S. 178[]
  6. Schnei­der, JVEG, § 2 Rn. 1[]