Schönheitsoperation führt zu Gewaltopferentschädigung

Hat jemand durch einen vorsätzlichen, rechtswidrigen tätlichen Angriffs eine gesundheitliche Schädi­gung erlitten, kann er Versorgungsleistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz bean­spruchen. Unter bestimmten Voraussetzungen gilt dies auch für einen Patienten, dessen Gesundheit durch eine misslungene Schönheitsoperation beeinträchtigt worden ist.

Schönheitsoperation führt zu Gewaltopferentschädigung

In einem jetzt vom Bundessozialgericht entschiedenen Fall litt die Klägerin an erheblichem Übergewicht, Herzschwäche, Bluthochdruck, Lungen­schwäche, insulinpflichtiger Zuckerkrankheit und einer Darmerkrankung, als ein Gynäko­loge eine Fettabsaugung bei ihr durchführte. Über die damit ver­bundenen Risi­ken und andere wichtige Umstände ist die Klägerin nicht aufgeklärt worden. Danach kam es bei der Klägerin zu gesundheitlichen Schwierigkeiten. Einige Monate später saugte der Arzt zur Korrektur einer Fettschürze weiteres Fett ab. Dies führte zu erheblichen Gesundheits­störun­gen, die im Krankenhaus behandelt werden mussten.

Die Klägerin ist laut Bundessozialgericht Opfer einer Gewalttat geworden. Bei ihr sind deshalb die durch die misslungenen ärztlichen Eingriffe verur­sachten Gesundheitsstörungen als Schädigungsfolgen im Sinne des Opferentschädigungsgesetzes anzuerkennen, auch wenn deren Grad nicht für eine Rentengewährung ausreicht.

Ein Patient wird dann zum Gewaltopfer, wenn ein als vorsätzliche Körperverletzung strafbarer ärztlicher Eingriff aus der Sicht eines verständigen Dritten in keiner Weise dem Wohle des Patienten dient. So war es hier, weil sich der Arzt bei seiner Vorgehensweise im Wesentlichen von eigenen finanziellen Interessen hat leiten lassen und die gesundheitlichen Belange der Klägerin hintangestellt hat.

Bezüglich dieser beiden Eingriffe wurde der Arzt wegen vorsätzlicher gefährlicher Körperverletzung unter Einbeziehung zahlreicher weiterer Taten zum Nachteil anderer Patienten zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt.

Bundessozialgericht, Urteil vom 29. April 2010 – B 9 VG 1/09 R

Bildnachweis: