Schul­fo­to­gra­fen

Mit der straf­recht­li­chen Auf­ar­bei­tung der Geschäfts­prak­ti­ken von Schul­fo­to­gra­fen muss­te sich aktu­ell der Bun­des­ge­richts­hof beschäf­ti­gen: Das Land­ge­richt Hil­des­heim hat zwei Ange­klag­te vom Vor­wurf der Bestechung frei­ge­spro­chen 1. Der Bun­des­ge­richts­hof hat das Urteil auf die Revi­si­on der Staats­an­walt­schaft auf­ge­ho­ben.

Schul­fo­to­gra­fen

Gegen­stand des Ver­fah­rens sind Fäl­le des Geschäfts­mo­dells der Schul­fo­to­gra­fie, bei dem der Foto­graf der Schu­le, in der er die Schü­ler ablich­ten kann, eine an der Anzahl der Schü­ler oder der ver­kauf­ten Bil­der ori­en­tier­te Geld- oder Sach­zu­wen­dung gewährt. Die Schu­le über­nimmt die Orga­ni­sa­ti­on des Foto­ter­mins, ver­teilt die gefer­tig­ten Bil­der an die Schü­ler, sam­melt nicht abge­nom­me­ne Auf­nah­men sowie das Geld für gekauf­te Fotos wie­der ein und gibt sie an den Foto­gra­fen wei­ter.

Das Land­ge­richt Hil­des­heim hat 14 Fäl­le fest­ge­stellt, bei denen die Ange­klag­ten zwi­schen April 2002 und Novem­ber 2004 sol­che Schul­fo­to-Aktio­nen durch­führ­ten. Nach sei­ner Auf­fas­sung hono­rier­ten die Ange­klag­ten dabei mit den Geld- oder Sach­leis­tun­gen jeweils nur die Arbeit der Schu­le beim Ablauf der Akti­on, ins­be­son­de­re beim Ver­trieb der Bil­der und beim Inkas­so des Ent­gelts in ange­mes­se­nem Umfang. Das Land­ge­richt hat des­halb in den Zuwen­dun­gen jeweils kei­nen unbe­rech­tig­ten Ver­mö­gens­zu­wachs für den Schul­lei­ter oder Drit­te und damit kei­nen Vor­teil im Sin­ne der Bestechungs­de­lik­te zu sehen ver­mocht und die Ange­klag­ten frei­ge­spro­chen.

Das Land­ge­richt Hil­des­heim hat sich hier­bei an dem – wett­be­werbs­recht­li­chen – Urteil des des Bun­des­ge­richts­hofs vom 7. Okto­ber 2005 2 ori­en­tiert. Die­ser hat­te dort ent­schie­den, dass es wett­be­werbs­recht­lich nicht zu bean­stan­den sei, wenn ein Foto­graf mit einer Schu­le einen Ver­trag schlie­ße, in dem er eine ange­mes­se­ne Ver­gü­tung für die sei­tens der Schu­le im Rah­men der Foto­ak­ti­on zu erbrin­gen­den Leis­tun­gen ver­spre­che. Er hat dies u. a. damit begrün­det, dass ein sol­ches Vor­ge­hen kei­ne Vor­teils­ge­wäh­rung oder Bestechung dar­stel­le, da es wegen der Ange­mes­sen­heit der Ver­gü­tung an einem Vor­teil im Sin­ne die­ser Straf­tat­be­stän­de feh­le.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat nun jedoch das frei­spre­chen­de Urteil des Land­ge­richts Hil­des­heim auf­ge­ho­ben, weil es schon kei­ne hin­rei­chen­den Fest­stel­lun­gen zu der Moti­va­ti­on getrof­fen hat, aus der her­aus die Ange­klag­ten den Schu­len die Geld- oder Sach­leis­tun­gen anbo­ten. Gemäß § 334 Abs. 3 Nr. 2 StGB macht sich u. a. bereits der­je­ni­ge wegen Bestechung straf­bar, der einem Amts­trä­ger einen Vor­teil anbie­tet und ver­sucht, die­sen hin­sicht­lich einer Hand­lung, die in des­sen Ermes­sen steht, bei der Ermes­sens­aus­übung zu beein­flus­sen. Die Beauf­tra­gung eines Schul­fo­to­gra­fen ist eine der­ar­ti­ge Ermes­sens­hand­lung. Ob die Ange­klag­ten die Schul­lei­ter durch die ange­bo­te­nen Leis­tun­gen dazu bewe­gen woll­ten, ihnen den Auf­trag für die Foto­ak­ti­on zu ertei­len, hat das Land­ge­richt nicht erör­tert, obwohl eini­ge von ihm fest­ge­stell­te Indi­zi­en dar­auf hin­deu­ten kön­nen.

Soll­te eine der­ar­ti­ge Moti­va­ti­on der Ange­klag­ten vor­ge­le­gen haben, so kommt ihre Straf­bar­keit nach § 334 Abs. 3 Nr. 2 StGB aber unab­hän­gig davon in Betracht, ob die von ihnen ange­bo­te­nen Leis­tun­gen objek­tiv auch als ange­mes­se­nes Ent­gelt für die Mit­wir­kung des Lehr­kör­pers an der Foto­ak­ti­on ange­se­hen wer­den könn­te. Es ist daher im gegen­wär­ti­gen Ver­fah­rens­sta­di­um auch nicht von Belang, ob der Abschluss eines der­ar­ti­gen Ver­tra­ges schul­ver­wal­tungs­recht­lich über­haupt zuläs­sig ist und ent­spre­chend der Ansicht des I. Zivil­se­nats geeig­net wäre, den Vor­teil im Sin­ne der Bestechungs­de­lik­te ent­fal­len zu las­sen.

Das Land­ge­richt Hil­des­heim wird daher über den Vor­wurf gegen die Ange­klag­ten erneut ver­han­deln und ent­schei­den müs­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 26. Mai 2011 – 3 StR 492/​10

  1. LG Hil­des­heim, Urteil vom 11.05.2010 – 16 KLs 4252 Js 103632/​04 []
  2. BGH, Urteil vom 07.01.2005 – I ZR 112/​03, NJW 2006, 225[]