Schwe­ben­de Ver­fah­ren – und die Ent­schei­dung über eine Bewäh­rung

Vor­wür­fe aus einem schwe­ben­den Ver­fah­ren, in dem ein Urteil noch aus­steht, dür­fen bei der Ent­schei­dung über die Straf­aus­set­zung zur Bewäh­rung nicht zum Nach­teil des Ange­klag­ten ver­wer­tet wer­den, wenn das Gericht zur Rich­tig­keit die­ser Beschul­di­gun­gen kei­ne eige­nen, pro­zess­ord­nungs­ge­mä­ßen Fest­stel­lun­gen getrof­fen hat [1].

Schwe­ben­de Ver­fah­ren – und die Ent­schei­dung über eine Bewäh­rung

Der blo­ße Ver­dacht einer wei­te­ren Straf­tat darf auf­grund der Unschulds­ver­mu­tung nicht zum Nach­teil des Ange­klag­ten berück­sich­tigt wer­den; dies gilt selbst dann, wenn in dem ande­ren Ver­fah­ren auf­grund eines drin­gen­den Tat­ver­dachts bereits Unter­su­chungs­haft ange­ord­net wor­den ist [2].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Mai 2017 – 2 StR 117/​17

  1. vgl. etwa BGH, Beschluss vom 24.02.1987 – 4 StR 56/​87, BGHR StGB § 56 Abs. 1 Sozi­al­pro­gno­se 3; Beschluss vom 19.06.2012 – 4 StR 139/​12 [inso­weit in NStZ 2013, 36 nicht abge­druckt][]
  2. vgl. auch BGH, Beschluss vom 24.06.1993 – 5 StR 350/​93, StV 1993, 458, 459[]