Schwe­re Brand­stif­tung – und die teil­wei­se Zer­stö­rung eines gemischt genutz­ten Gebäudes

Die Tat­er­folgs­va­ri­an­te des teil­wei­sen Zer­stö­rens liegt bei einem gemischt genutz­ten Gebäu­de vor, wenn ein zum selbst­stän­di­gen Gebrauch bestimm­ter, dem Woh­nen die­nen­der Teil des Gebäu­des nach den all­ge­mei­nen an die teil­wei­se Zer­stö­rung zu stel­len­den Anfor­de­run­gen durch die Brand­le­gung zum Woh­nen unbrauch­bar gewor­den ist [1].

Schwe­re Brand­stif­tung – und die teil­wei­se Zer­stö­rung eines gemischt genutz­ten Gebäudes

Sie ist auch dann gege­ben, wenn die Unbrauch­bar­keit zu Wohn­zwe­cken mit­tel­bar auf die Brand­le­gung zurück­zu­füh­ren ist, etwa auf eine erheb­li­che Ver­ruß­ung [2].

Für die Unbrauch­bar­keit genügt grund­sätz­lich die Beein­träch­ti­gung der bestim­mungs­ge­mä­ßen Nutz­bar­keit für eine nicht nur uner­heb­li­che Zeit [3].

Die­se Vor­aus­set­zun­gen sah der Bun­des­ge­richt­hof in dem hier ent­schie­de­nen Fall als erfüllt an:

Nach den Fest­stel­lun­gen ent­stand durch die Brand­le­gung im gewerb­lich genutz­ten Erd­ge­schoss eine erheb­li­che Rauch­ent­wick­lung. Der Rauch zog u.a. durch das Trep­pen­haus in das Ober­ge­schoss, in dem sich eine ver­mie­te­te und eine miet­frei über­las­se­ne Woh­nung befan­den. Durch den Rauch wur­den die Wän­de bei­der Woh­nun­gen stark ver­rußt. Die Bewoh­ner konn­ten nicht mehr in ihre Wohn­räu­me zurück­keh­ren. Die­se Räu­me waren wegen der star­ken Ver­schmut­zun­gen reno­vie­rungs­be­dürf­tig. Sie konn­ten daher für eine nicht nur uner­heb­li­che Zeit nicht mehr ihrem bestim­mungs­ge­mä­ßen Gebrauch dienen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Novem­ber 2020 – 4 StR 626/​19

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 12.09.2002 – 4 StR 165/​02, BGHSt 48, 14; vom 05.04.2018 – 3 StR 13/​18 Rn. 18, NJW 2019, 90; Beschluss vom 06.03.2013 – 1 StR 578/​12, NStZ 2014, 647; Urteil vom 05.09.2017 – 5 StR 222/​17 Rn. 12, NJW 2018, 246; jeweils mwN[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 05.04.2018 – 3 StR 13/​18 Rn.19, NJW 2019, 90; Beschluss vom 06.03.2013 – 1 StR 578/​12 Rn. 12, NStZ 2014, 647; Urteil vom 05.09.2017 – 5 StR 222/​17, NJW 2018, 246; jeweils mwN[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 12.09.2002 – 4 StR 165/​02, BGHSt 48, 14[]

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