Sexu­el­le Nöti­gun­gen – und die psy­cho­lo­gi­sche Behand­lung des Opfers

Es kann nicht bereits bei der Straf­rah­men­wahl und bei der kon­kre­ten Zumes­sung der Ein­zel­stra­fen straf­schär­fend berück­sich­tigt wer­den, dass das Opfer infol­ge der Taten psy­cho­lo­gi­sche Unter­stüt­zung zur Bewäl­ti­gung des Gesche­hens benö­ti­ge und dass die Taten sich ins­ge­samt über einen sehr lan­gen Zeit­raum erstreck­ten.

Sexu­el­le Nöti­gun­gen – und die psy­cho­lo­gi­sche Behand­lung des Opfers

Dies gilt zumin­dest dann, wenn nicht fest­steht, dass sich die Not­wen­dig­keit einer psy­cho­lo­gi­schen Behand­lung zur Behand­lung von sich aus der Tat erge­ben­den see­li­schen Beein­träch­ti­gun­gen bereits nach der ers­ten Tat ein­ge­stellt hat. Sind die fest­ge­stell­ten psy­chi­schen Schä­den aber (erst) Fol­gen aller Taten, so kön­nen sie dem Ange­klag­ten nur ein­mal – bei der Gesamt­stra­fen­bil­dung – ange­las­tet wer­den.

Sind sie dage­gen unmit­tel­ba­re Fol­ge allein ein­zel­ner Taten, so kön­nen sie mit ihrem vol­len Gewicht nur in die­sen Fäl­len, nicht aber in glei­cher Wei­se auch bei der Bemes­sung sämt­li­cher ande­rer Ein­zel­stra­fen in Ansatz gebracht wer­den 1.

Auch dass die Taten sich über einen lan­gen Zeit­raum erstreck­ten, darf nicht bei der Straf­rah­men­wahl und der kon­kre­ten Zumes­sung der Ein­zel­stra­fen zu Unguns­ten des Ange­klag­ten berück­sich­tigt wer­den.

Dass einer ers­ten oder zwei­ten Tat wei­te­re nach­ge­folgt sind, ist regel­mä­ßig für deren Unrechts­ge­halt ohne straf­zu­mes­sungs­re­le­van­te Bedeu­tung. Dies mag anders sein, wenn von vorn­her­ein eine Mehr­zahl von Taten geplant sind und dar­in die nach § 46 Abs. 2 StGB berück­sich­ti­gungs­fä­hi­ge "rechts­feind­li­che Gesin­nung" des Täters zum Aus­druck kommt 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. April 2016 – 2 StR 483/​15

  1. vgl. nur BGH, NStZ 2014, 701; NStZ-RR 2014, 340[]
  2. vgl. Fischer, StGB, 63. Aufl., § 40 Rn. 34a[]