Sexu­el­ler Miss­brauch in kin­der­por­no­gra­phi­scher Absicht – und die Beihilfe

Zwar kann als Täter nach § 176a Abs. 2 Nr. 1 aF StGB nur bestraft wer­den, wer ent­we­der selbst („eigen­hän­dig“) im Sin­ne von § 176 Abs. 1 StGB Kör­per­kon­takt zu dem Kind auf­nimmt oder wer gemäß § 176 Abs. 2 StGB das Kind dazu bestimmt, eine der genann­ten Hand­lun­gen an einem Drit­ten vor­zu­neh­men oder von die­sem an sich vor­neh­men zu lassen.

Sexu­el­ler Miss­brauch in kin­der­por­no­gra­phi­scher Absicht – und die Beihilfe

Dies schließt indes nicht aus, dass sich eine Per­son ohne Kör­per­kon­takt zum Tat­op­fer einer Anstif­tung oder einer Bei­hil­fe zum schwe­ren sexu­el­len Miss­brauch gemäß § 176a Abs. 2 Nr. 1 aF, §§ 26, 27 StGB schul­dig macht1.

So ver­hält es sich auch in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall: Der Ange­klag­te, des­sen sexu­el­les Inter­es­se dem ander­wei­tig Ver­folg­ten Mü. galt, wuss­te und woll­te, dass er die­sen und des­sen sexu­el­le Hand­lun­gen an und mit dem „Jun­gen aus der Nach­bar­schaft“ dadurch „unter­stütz­te und bestärk­te“, dass er zusag­te, per Inter­net­Chat zuzu­se­hen und das in Sze­ne gesetz­te, sodann knapp ein­ein­halb Stun­den dau­ern­de Gesche­hen aufzuzeichnen.

Die getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen bele­gen über­dies, dass der Ange­klag­te den Tat­be­stand des schwe­ren sexu­el­len Miss­brauchs eines Kin­des in kin­der­por­no­gra­phi­scher Absicht ver­wirk­licht hat, indem er sich an dem schwe­ren sexu­el­len Miss­brauch des Geschä­dig­ten D. in der Absicht betei­lig­te, die Tat zum Ge gen­stand einer kin­der­por­no­gra­phi­schen Schrift zu machen, die nach § 184b Abs. 2 aF StGB ver­brei­tet wer­den sollte.

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Wegen schwe­ren sexu­el­len Miss­brauchs von Kin­dern in kin­der­por­no­gra­phi­scher Absicht gemäß § 176a Abs. 3 StGB in der nach § 2 Abs. 1 StGB hier maß­geb­li­chen Fas­sung des Geset­zes vom 27.12.20032 (im Fol­gen­den: aF) macht sich straf­bar, wer in den Fäl­len des § 176 Abs. 1 bis 3, 4 Nr. 1 oder Nr. 2 oder des § 176 Abs. 6 aF StGB als Täter oder ande­rer Betei­lig­ter in der Absicht han­delt, die Tat zum Gegen­stand einer por­no­gra­phi­schen Schrift zu machen, die nach § 184b Abs. 1 bis 3 aF StGB ver­brei­tet wer­den soll. § 184b Abs. 2 aF StGB in der Fas­sung des Geset­zes vom 27.12.20032 stellt das Unter­neh­men, einem ande­ren den Besitz von kin­der­por­no­gra­phi­schen Schrif­ten zu ver­schaf­fen, unter Strafe.

Zur Anwend­bar­keit des Qua­li­fi­ka­ti­ons­tat­be­stan­des des § 176a Abs. 3 aF StGB füh­ren nicht nur die dort aus­drück­lich genann­ten Fäl­le des § 176 aF StGB, son­dern a for­tio­ri auch die des schwe­ren sexu­el­len Miss­brauchs nach § 176a Abs. 2 aF StGB3. Täter des § 176a Abs. 3 aF StGB sind auch die an einem (schwe­ren) sexu­el­len Kin­des­miss­brauch betei­lig­ten Anstif­ter und Gehil­fen, sofern sie in der Absicht han­deln, das Gesche­hen zum Gegen­stand einer kin­der­por­no­gra­phi­schen Schrift zu machen, die ver­brei­tet wer­den soll; die Vor­schrift qua­li­fi­ziert den sexu­el­len Miss­brauch auch für einen Teil­neh­mer, der mit ent­spre­chen­der Absicht han­delt4. Dies ist hier der Fall.

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Die von dem Ange­klag­ten an den ander­wei­tig Ver­folg­ten Mü. über sand­te Video­da­tei ist eine kin­der­por­no­gra­phi­sche Schrift; hier­un­ter fal­len gemäß § 11 Abs. 3 StGB in der hier maß­geb­li­chen, seit 1.01.2005 gel­ten­den Fas­sung auch Ton und Bild­trä­ger sowie Daten­spei­cher. Die Video­da­tei gab ein rea­les Gesche­hen wie­der, näm­lich den (nach § 176a Abs. 2 Nr. 1 aF StGB qua­li­fi­zier­ten) sexu­el­len Miss­brauch des 12jährigen Geschädigten.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 28. April 2021 – 2 StR 47/​20

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 12.03.2014 – 4 StR 562/​13, Rn. 7 f.[]
  2. BGBl. I S. 3007[][]
  3. vgl. schon BGH, Beschluss vom 16.12.2015 – 2 StR 191/​15; LK/​Hörnle, StGB, 12. Aufl., § 176a Rn. 66 mwN; aA Lackner/​Kühl/​Heger, StGB, 29. Aufl., § 176a Rn. 3[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 01.08.2019 – 4 StR 237/​19; LK/​Hörnle, aaO, § 176a Rn. 69 und 74; Matt/​Renzikowski/​Eschelbach, StGB, 2. Aufl., § 176a Rn. 26; Münch­Komm-StGB/­Renz­i­kow­ski, 3. Aufl., § 176a Rn. 30; Schönke/​Schröder/​Eisele, StGB, 30. Aufl., § 176a Rn. 12c; SSWStGB/​Wolters, 5. Aufl., § 176a Rn.19[]

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