Sexu­el­ler Miss­brauch von Schutz­be­foh­le­nen – und die Ver­jäh­rung in Alt­fäl­len

Die Ver­jäh­rungs­frist für die Ver­fol­gung von Taten nach § 174 Abs. 1 StGB beträgt fünf Jah­re (§ 78 Abs. 3 Nr. 4 StGB).

Sexu­el­ler Miss­brauch von Schutz­be­foh­le­nen – und die Ver­jäh­rung in Alt­fäl­len

Die hier abge­ur­teil­te Tat wur­de nach den Fest­stel­lun­gen vor der Voll­endung des 18. Lebens­jah­res der Geschä­dig­ten am 27.10.2005 began­gen. Da die Ver­jäh­rung nach § 78b Abs. 1 Nr. 1 StGB in der zum Tat­zeit­punkt gel­ten­den Fas­sung 1 bis zu die­sem Zeit­punkt ruh­te, war die Ver­jäh­rungs­frist mit dem 27.10.2010 abge­lau­fen. Eine Unter­bre­chung der Frist war bis dahin nicht ein­ge­tre­ten, da die Geschä­dig­te die Tat frü­hes­tens im Febru­ar 2011 zur Anzei­ge brach­te.

Dass § 78b Abs. 1 Nr. 1 StGB in der Fas­sung vom 26.06.2013 2 ein Ruhen der Frist bis zur Voll­endung des 21. Lebens­jah­res und in der Fas­sung vom 21.01.2015 3 sogar bis zur Voll­endung des 30. Lebens­jah­res des Opfers vor­sieht, ändert hier­an nichts.

Zwar gel­ten die­se Vor­schrif­ten rück­wir­kend auch für vor dem Inkraft­tre­ten der jewei­li­gen Geset­ze began­ge­ne Taten. Ihre Anwen­dung ist indes aus­ge­schlos­sen, wenn – wie hier – zum Zeit­punkt des Inkraft­tre­tens der Ände­rungs­ge­set­ze am 30.06.2013 bzw. 27.01.2015 bereits Ver­jäh­rung ein­ge­tre­ten war 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 3. Mai 2017 – 3 StR 556/​16

  1. vgl. Gesetz vom 27.12 2003 – BGBl. I S. 3007[]
  2. BGBl. I S. 1805[]
  3. BGBl. I S. 10[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 13.08.2013 – 4 StR 281/​13 2 mwN[]