Sexu­el­ler Miss­brauch von Jugend­li­chen – und die aus­ge­nutz­te Zwangs­la­ge

Eine Zwangs­la­ge im Sin­ne des § 182 Abs. 1 Nr. 1 StGB setzt eine erns­te per­sön­li­che oder wirt­schaft­li­che Bedräng­nis des Opfers vor­aus [1].

Sexu­el­ler Miss­brauch von Jugend­li­chen – und die aus­ge­nutz­te Zwangs­la­ge

Hier­nach ist eine Zwangs­la­ge nicht schon immer dann anzu­neh­men, wenn die Situa­ti­on des Jugend­li­chen nach den Umstän­den des Fal­les die Tat­hand­lung ermög­licht oder erleich­tert und der Täter ledig­lich die sich ihm dadurch bie­ten­de Gele­gen­heit wahr­nimmt [2]. Eine sol­che Aus­le­gung wird nicht mehr vom Sinn­ge­halt des Wor­tes „Zwangs­la­ge“ gedeckt [3].

Als „Zwangs­la­ge“ kom­men nur bedrän­gen­de Umstän­de von Gewicht in Betracht, denen in spe­zi­fi­scher Wei­se die Gefahr anhaf­tet, sexu­el­len Über­grif­fen gegen­über einem Jugend­li­chen in einer Wei­se Vor­schub zu leis­ten, dass sich der Jugend­li­che ihnen gegen­über nicht ohne wei­te­res ent­zie­hen kann [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. Febru­ar 2019 – 1 StR 11/​19

  1. BGH, Urteil vom 25.02.1997 – 4 StR 40/​97, BGHSt 42, 399, 400 mwN; Fischer, StGB, 66. Aufl., § 182 Rn. 5 mwN[]
  2. vgl. BGH aaO[]
  3. BGH aaO[]
  4. vgl. BGH aaO, 400 f.; Fischer aaO; Lackner/​Kühl/​Heger, StGB, 29. Aufl., § 182 Rn. 5 mwN[]