Sexueller Missbrauch von Jugendlichen – und die ausgenutzte Zwangslage

Eine Zwangslage im Sinne des § 182 Abs. 1 Nr. 1 StGB setzt eine ernste persönliche oder wirtschaftliche Bedrängnis des Opfers voraus1.

Sexueller Missbrauch von Jugendlichen - und die ausgenutzte Zwangslage

Hiernach ist eine Zwangslage nicht schon immer dann anzunehmen, wenn die Situation des Jugendlichen nach den Umständen des Falles die Tathandlung ermöglicht oder erleichtert und der Täter lediglich die sich ihm dadurch bietende Gelegenheit wahrnimmt2. Eine solche Auslegung wird nicht mehr vom Sinngehalt des Wortes “Zwangslage” gedeckt3.

Als “Zwangslage” kommen nur bedrängende Umstände von Gewicht in Betracht, denen in spezifischer Weise die Gefahr anhaftet, sexuellen Übergriffen gegenüber einem Jugendlichen in einer Weise Vorschub zu leisten, dass sich der Jugendliche ihnen gegenüber nicht ohne weiteres entziehen kann4.

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 7. Februar 2019 – 1 StR 11/19

  1. BGH, Urteil vom 25.02.1997 – 4 StR 40/97, BGHSt 42, 399, 400 mwN; Fischer, StGB, 66. Aufl., § 182 Rn. 5 mwN []
  2. vgl. BGH aaO []
  3. BGH aaO []
  4. vgl. BGH aaO, 400 f.; Fischer aaO; Lackner/Kühl/Heger, StGB, 29. Aufl., § 182 Rn. 5 mwN []
  5. BGH, Beschluss vom 20.09.2018 - I ZB 120/17, WM 2019, 33 Gebühr für Drittauskunft []