Sexu­el­ler Miss­brauch von Kin­dern – per schrift­li­chem Ange­bot

Wer einem Kind einen Zet­tel mit der Auf­for­de­rung zum gegen­sei­ti­gen Mas­tur­bie­ren gegen Ent­gelt zu lesen gibt, hat damit auf ein Kind durch Schrif­ten ein­ge­wirkt hat, um es zu sexu­el­len Hand­lun­gen zu bewe­gen (§ 176 Abs. 4 Nr. 3 StGB) [1].

Sexu­el­ler Miss­brauch von Kin­dern – per schrift­li­chem Ange­bot

Obwohl der Gesetz­ge­ber sich auf­grund der von sog. Chat­rooms im Inter­net aus­ge­hen­den Gefah­ren zur Schaf­fung die­ses Straf­tat­be­stan­des ver­an­lasst gese­hen hat [2], stellt es schon nach dem aus­drück­li­chen Wort­laut der Vor­schrift kei­ne Tat­be­stands­vor­aus­set­zung dar, dass der Täter abwe­send ist und aus der Distanz auf ein Kind ein­wirkt.

Der Wil­le des Gesetz­ge­bers, mit die­sem Straf­tat­be­stand nicht aus­schließ­lich die regel­mä­ßig aus der Distanz began­ge­nen Fäl­le des Ein­wir­kens über das Inter­net zu erfas­sen, ergibt sich dar­aus, dass in den Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en auch der Anwen­dungs­fall eines Ein­wir­kens durch Bücher genannt wird [2]. Der Bun­des­ge­richts­hof sieht daher kei­ne Ver­an­las­sung, im Wege der teleo­lo­gi­schen Reduk­ti­on Sach­ver­hal­te, in denen ein kör­per­lich anwe­sen­der Täter durch Schrif­ten mit sexu­el­lem Inhalt auf ein Kind ein­wirkt, um es zu sexu­el­len Hand­lun­gen zu bewe­gen, aus dem Tat­be­stand des § 176 Abs. 4 Nr. 3 StGB aus­zu­schlie­ßen.

Ins­be­son­de­re mit Blick auf den Wort­laut der Vor­schrift ist eine sol­che Aus­le­gung auch nicht des­halb ver­an­lasst, weil ein blo­ßes Ein­re­den eines Täters auf ein Kind ohne Zuhil­fe­nah­me einer Schrift nicht unter die­sen Tat­be­stand fällt [3].

Nichts ande­res gilt für die am 27.01.2015 in Kraft getre­te­nen Neu­fas­sung der Vor­schrift, nach wel­cher sich u.a. straf­bar macht, wer auf ein Kind mit­tels Schrif­ten oder mit­tels Infor­ma­ti­ons- oder Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gie ein­wirkt, um das Kind zu sexu­el­len Hand­lun­gen zu brin­gen. Die durch die nach Urteils­ver­kün­dung in Kraft getre­te­ne Geset­zes­än­de­rung ver­an­lass­te Prü­fung gem. § 2 Abs. 3 StGB [4] führt zu kei­nem ande­ren Ergeb­nis, zumal die Neu­fas­sung der Vor­schrift neben der Ein­wir­kung durch Infor­ma­ti­ons- oder Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gie aus­drück­lich auch wei­ter­hin die Ein­wir­kung durch Schrif­ten im Tat­be­stand auf­führt und sich der Straf­rah­men nicht geän­dert hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Juli 2015 – 4 StR 219/​15

  1. vgl. zum damit gege­be­nen Ein­wir­ken BGH, Beschluss vom 22.01.2015 – 3 StR 490/​14, NStZ-RR 2015, 139 f.[]
  2. BT-Drs. 15/​350, S. 18[][]
  3. kri­tisch inso­weit Fischer, StGB, 62. Aufl., § 176 Rn. 14[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 17.11.1953 – 1 StR 362/​53, BGHSt 5, 208[]