Sexu­el­ler Miss­brauch von Kin­dern per Web­cam

Der sexu­el­le Miss­brauch von Kin­dern ist nach § 176 StGB straf­bar. Mit Frei­heits­stra­fe von drei Mona­ten bis zu fünf Jah­ren wird dabei u.a. bestraft, wer sexu­el­le Hand­lun­gen vor einem Kind vor­nimmt, § 176 Abs. 4 Nr. 1 StGB. Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te jetzt die Fra­ge zu ent­schei­den, ob die­ser Straf­tat­be­stand auch durch Über­mitt­lung sexu­el­ler Hand­lun­gen über Web­cam und Inter­net erfol­gen kann.

Sexu­el­ler Miss­brauch von Kin­dern per Web­cam

Das Land­ge­richt Mün­chen I hat den Ange­klag­ten am 15. Dezem­ber 2008 wegen fünf tat­ein­heit­lich began­ge­ner Fäl­le des sexu­el­len Miss­brauchs von Kin­dern in wei­te­rer Tat­ein­heit mit der Ver­brei­tung por­no­gra­phi­scher Dar­bie­tun­gen durch Tele­diens­te zu einer Frei­heits­stra­fe in Höhe von einem Jahr und sechs Mona­ten ver­ur­teilt. Außer­dem hat es die Unter­brin­gung des Ange­klag­ten in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus ange­ord­net. Gegen die­ses Urteil rich­tet sich die Revi­si­on des Ange­klag­ten. Nach den Urteils­fest­stel­lun­gen trat der mehr­fach wegen Sexu­al­de­lik­ten vor­be­straf­te Ange­klag­te über das Inter­net mit fünf Kin­dern aus Bel­gi­en in Kon­takt. Wäh­rend die­ser Ver­bin­dung wur­den Live-Bil­der des Ange­klag­ten und der Kin­der mit­tels Web­cam über­tra­gen. Der Ange­klag­te äußer­te die­sen gegen­über, dass er sie "ficken" wol­le. Eines der Kin­der, ein Mäd­chen, dreh­te dar­auf­hin die Web­cam weg und teil­te dem Ange­klag­ten mit, dass sie erst zwölf Jah­re alt sei. Dar­auf­hin schrieb der Ange­klag­te zurück: "Ist egal wie alt ihr seid, willst du dich aus­zie­hen? Ich will dich ficken." Anschlie­ßend rich­te­te der Ange­klag­te sei­ne Web­cam auf sein ent­blöß­tes Glied und führ­te Ona­nier­be­we­gun­gen durch, um sich sexu­ell zu erre­gen, wobei es ihm dar­auf ankam, dass die Kin­der sei­ne Hand­lun­gen am Bild­schirm wahr­nah­men.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Revi­si­on des Ange­klag­ten als unbe­grün­det ver­wor­fen. Auch wenn sich der Ange­klag­te und die fünf Kin­der nicht in unmit­tel­ba­rer räum­li­cher Nähe zuein­an­der befun­den haben, so konn­ten die Opfer, die mit dem Ange­klag­ten in einer Inter­ak­ti­on stan­den, des­sen ent­blöß­tes Glied und die Ona­nier­be­we­gun­gen auf­grund der simul­ta­nen Bild­über­tra­gung mit­tels Web­cam und Inter­net am Bild­schirm ihres Com­pu­ters unmit­tel­bar wahr­neh­men. Die Straf­kam­mer ist des­halb zu Recht von einer Straf­bar­keit des Ange­klag­ten nach § 176 Abs. 4 Nr. 1 StGB aus­ge­gan­gen, da im Hin­blick auf den Wil­len des Gesetz­ge­bers kein Zwei­fel dar­an besteht, dass Kin­der zum Schutz ihrer unge­stör­ten Gesamt­ent­wick­lung vor sol­chen Wahr­neh­mun­gen umfas­send bewahrt wer­den sol­len.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. April 2009 – 1 StR 105/​09