Siche­rungs­ver­wah­rung in Alt­fäl­len

Frei­heits­stra­fe und Siche­rungs­ver­wah­rung unter­schei­den sich in ihrer ver­fas­sungs­recht­li­chen Legi­ti­ma­ti­on grund­le­gend 1. Daher ist eine Ein­be­zie­hung der Siche­rungs­ver­wah­rung in den Begriff der Stra­fe im Sin­ne des Art. 103 GG nicht gerecht­fer­tigt 2.

Siche­rungs­ver­wah­rung in Alt­fäl­len

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat zwar § 66b StGB wegen Ver­sto­ßes gegen das Abstands­ge­bot für unver­ein­bar mit Art. 2 Abs. 2 Satz 2 in Ver­bin­dung mit Art. 104 Abs. 1 GG erklärt, zugleich aber gemäß § 35 BVerfGG die Wei­ter­gel­tung der Norm bis zu einer Neu­re­ge­lung durch den Gesetz­ge­ber, längs­tens bis zum 31.05.2013, ange­ord­net 3. Dem­ge­mäß darf § 66b StGB wäh­rend sei­ner Fort­gel­tung nur nach Maß­ga­be einer – ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die Anfor­de­run­gen an die Gefah­ren­pro­gno­se und die gefähr­de­ten Rechts­gü­ter – strik­ten Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prü­fung ange­wandt wer­den 4.

In Fäl­len, in denen ein nach Art. 2 Abs. 2 Satz 2 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 3 GG schutz­wür­di­ges Ver­trau­en auf ein Unter­blei­ben der Siche­rungs­ver­wah­rung beein­träch­tigt wird, weil die Betrof­fe­nen wegen ihrer Anlas­s­ta­ten bereits vor Inkraft­tre­ten von § 66b Abs. 3 StGB in der Fas­sung des Geset­zes zur Ein­füh­rung der nach­träg­li­chen Siche­rungs­ver­wah­rung vom 23.07.2004 5 ver­ur­teilt waren (soge­nann­te Alt­fäl­le) darf eine nach­träg­li­che Anord­nung oder Fort­dau­er der Siche­rungs­ver­wah­rung nur noch aus­ge­spro­chen wer­den, wenn eine hoch­gra­di­ge Gefahr schwers­ter Gewalt- oder Sexu­al­straf­ta­ten aus kon­kre­ten Umstän­den in der Per­son oder dem Ver­hal­ten des Unter­ge­brach­ten abzu­lei­ten ist und die­ser an einer psy­chi­schen Stö­rung im Sin­ne von § 1 Abs. 1 Nr. 1 des Geset­zes zur The­ra­pie­rung und Unter­brin­gung psy­chisch gestör­ter Gewalt­tä­ter (The­ra­pie­un­ter­brin­gungs­ge­setz – ThUG) lei­det 6.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 22. Janu­ar 2014 – 2 BvR 2759/​12

  1. vgl. BVerfGE 128, 326, 376 ff.[]
  2. vgl. BVerfGE 109, 133, 176; 128, 326, 392 f.[]
  3. vgl. BVerfGE 128, 326, 330, 332[]
  4. vgl. BVerfGE 128, 326, 405 f.; 129, 37, 45 f.; BVerfG, Beschluss vom 06.02.2013 – 2 BvR 2122/​11 u.a.[]
  5. BGBl I S. 1838[]
  6. BVerfGE 128, 326, 388 ff., 406 f.; 129, 37, 46 f.; BVerfG, Beschluss vom 06.02.2013 – 2 BvR 2122/​11 u.a.[]