Siche­rungs­ver­wah­rung in der JVA Ros­dorf

Die vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt1 auf­ge­stell­ten Grund­sät­ze zum Abstands­ge­bot2 (jetzt § 66c StGB) sind nach Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Braun­schweig in der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt Ros­dorf in genü­gen­der Wei­se umge­setzt wor­den.

Siche­rungs­ver­wah­rung in der JVA Ros­dorf

Um in Erfah­rung zu brin­gen, ob und ggf. durch wel­che bau­li­chen und orga­ni­sa­to­ri­schen Maß­nah­men dem Abstands­ge­bot Rech­nung getra­gen wur­de und wel­che (sozi­al-) the­ra­peu­ti­schen Ange­bo­te es dort schon gibt oder per­spek­ti­visch geben wird, hat der 1. Straf­se­nat des OLG Braun­schweig die JVA Ros­dorf – Nie­der­säch­si­sches Zen­trum für Siche­rungs­ver­wah­rung – am 21.11.2013 besich­tigt. Wie das OLG Braun­schweig bereits im Beschluss vom 17.12 20133 dar­ge­legt hat, steht den Unter­ge­brach­ten jeweils ein eige­nes, ca. 23 m² gro­ßes Appar­te­ment zur Ver­fü­gung, das aus einem Wohn- und Schlaf­teil sowie einer eige­nen mit Dusche, WC und Wasch­be­cken aus­ge­stat­te­ten Nass­zel­le besteht. In jedem Appar­te­ment gibt es außer­dem Fern­se­hen und Tele­fon sowie einen eige­nen Kühl­schrank. Dane­ben ver­fügt jede Wohn­grup­pe über eine geräu­mi­ge und modern ein­ge­rich­te­te Gemein­schafts­kü­che4 sowie eine Sitz­grup­pe mit gro­ßem Flach­bild­schirm. Alle Appar­te­ments sind mit durch­aus geschmack­voll und wohn­lich wir­ken­den Möbeln aus­ge­stat­tet. Den Siche­rungs­ver­wahr­ten ist es auch erlaubt, eige­ne Möbel oder Wohn­tex­ti­li­en ein­zu­brin­gen.

Das für den Voll­zug der Siche­rungs­ver­wah­rung inner­halb der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt Ros­dorf neu errich­te­te Gebäu­de hat als wei­te­re Gemein­schafts­räu­me einen mit moder­nen Gerä­ten ein­ge­rich­te­ten Fit­ness­be­reich, einen Außen­be­reich mit Gar­ten – die Siche­rungs­ver­wahr­ten haben sich dort als Gemein­schafts­pro­jekt einen Grill­platz sowie einen Küchen­gar­ten ein­ge­rich­tet – sowie eine Bas­tel­werk­statt. Die Siche­rungs­ver­wahr­ten – mit Aus­nah­me der­je­ni­gen, die in den beson­ders gesi­cher­ten Wohn­grup­pen leben – kön­nen sich zwi­schen 06:00 Uhr bis 22:00 Uhr inner­halb und außer­halb ihres Gebäu­des frei bewe­gen und dazu die Türen mit­tels Chip­kar­te ent­sper­ren.

Danach unter­schei­det sich die Wohn­si­tua­ti­on der in der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt Ros­dorf siche­rungs­ver­wahr­ten Per­so­nen nach Ansicht des OLG Braun­schweig in ganz ent­schei­den­der Wei­se von Gefan­ge­nen, die sich im Straf­voll­zug befin­den. Der Vor­schrift des § 66c Abs. 1 Nrn. 1, 2 StGB ist nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Braun­schweig daher in jeder Hin­sicht Rech­nung getra­gen.

Ober­lan­des­ge­richt Braun­schweig, Beschluss vom 8. Juli 2014 – 1 Ws 170/​14

  1. vgl. BVerfG, Urteil vom 05.02.2004, BVerfGE 109, 133, 166; sowie Urteil vom 04.05.2011 – 2 BvR 2333/​08 []
  2. vgl. hier­zu das Gesetz zur bun­des­recht­li­chen Umset­zung des Abstands­ge­bo­tes im Recht der Siche­rungs­ver­wah­rung vom 05.12.2012, BGBl.2012 I. S. 2425 ff []
  3. OLG Braun­schweig, Beschluss vom 17.12.2013 -1 Ws 279/​13 []
  4. Herd, Küchen­ge­rä­te, gro­ßer Gefrier­schrank, gro­ßer Kühl­schrank []