Siche­rungs­ver­wah­rung – und die erfor­der­li­chen Kata­log­ta­ten

In for­mel­ler Hin­sicht setzt § 66 Abs. 3 Satz 2 StGB vor­aus, dass der Täter zwei recht­lich selb­stän­di­ge Kata­log­ta­ten im Sin­ne von § 66 Abs. 3 Satz 1 StGB began­gen hat.

Siche­rungs­ver­wah­rung – und die erfor­der­li­chen Kata­log­ta­ten

Wur­den die bei­den Kata­log­ta­ten aller­dings in unmit­tel­ba­rem zeit­li­chem Zusam­men­hang, began­gen, bedarf die Hang­prü­fung einer beson­ders ein­ge­hen­den, kri­ti­schen Wür­di­gung1. Denn es erscheint nur in Aus­nah­me­fäl­len denk­bar, auf der Basis von nur einer Ver­ur­tei­lung wegen zwei­er, im unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang tat­mehr­heit­lich began­ge­ner Taten, einen Hang – gerich­tet auf die Bege­hung erheb­li­cher rechts­wid­ri­ger Taten – mit hin­rei­chen­der Sicher­heit fest­stel­len zu kön­nen, da die Pro­gno­se­ba­sis in einem sol­chen Fall noch wesent­lich schma­ler ist als in den Fäl­len des engen zeit­li­chen Zusam­men­hangs bei den drei Taten des § 66 Abs. 2 StGB oder den übri­gen von § 66 Abs. 3 Satz 1 oder 2 StGB erfass­ten Fäl­len2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. Sep­tem­ber 2018 – 1 StR 611/​17

  1. vgl. Ris­sing­van Saan/​Peglau in Leip­zi­ger Kom­men­tar, StGB, 12. Aufl., § 66 Rn. 110
  2. vgl. Hammerschlag/​Schwarz, NStZ 1998, 321, 322; Heger/​Pohlreich in Lackner/​Kühl, StGB, 29. Aufl., § 66 Rn. 10d; Jehle/​Harrendorf in Satzger/​Schluckebier/​Widmaier, StGB, 3. Aufl., § 66 Rn. 44; aA Ullenbruch/​Drenkhahn/​Morgenstern in Mün­che­ner Kom­men­tar, StGB, 3. Aufl., § 66 Rn. 184, die sol­che Fäl­le sogar gänz­lich von dem Anwen­dungs­be­reich aus­schlie­ßen wol­len