Siche­rungs­ver­wah­rung – und die Fra­ge der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit

Soweit sich Anord­nung der Siche­rungs­ver­wah­rung nach den Rege­lun­gen des § 66 Abs. 1 StGB in der zur Tat­zeit gel­ten­den Fas­sung vom 22.12 2010 rich­ten (Art. 316e Abs. 1 Satz 1, Art. 316f Abs. 2 Satz 1 EGStGB) rich­tet, dür­fen die­se nur nach Maß­ga­be einer strik­ten Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prü­fung ange­wandt wer­den 1.

Siche­rungs­ver­wah­rung – und die Fra­ge der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit

Der Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz ist aber nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts in der Regel bereits dann gewahrt, wenn eine Gefahr schwe­rer Gewalto­der Sexu­al­straf­ta­ten aus den kon­kre­ten Umstän­den in der Per­son oder dem Ver­hal­ten des Ange­klag­ten abzu­lei­ten ist 2.

Um "schwers­te" Gewalto­der Sexu­al­de­lik­te im Sin­ne von Art. 316f Abs. 2 Satz 2 EGStGB 3 – wie das Land­ge­richt meint – muss es sich bei den zu erwar­ten­den Taten mit­hin nicht han­deln.

Taten des schwe­ren sexu­el­len Miss­brauchs von Kin­dern gemäß § 176 Abs. 1, § 176a Abs. 2 Nr. 1 StGB sind im Hin­blick auf die für die Tat­op­fer oft­mals gewich­ti­gen psy­chi­schen Aus­wir­kun­gen und die hohe Straf­an­dro­hung unab­hän­gig von kör­per­li­cher Gewalt­an­wen­dung – unter Berück­sich­ti­gung der Umstän­de des Ein­zel­falls – grund­sätz­lich als schwe­re Sexu­al­straf­ta­ten im Sin­ne der Maß­ga­be des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu wer­ten 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 25. Sep­tem­ber 2019 – 5 StR 103/​19

  1. vgl. BGH, Urteil vom 11.03.2014 – 5 StR 563/​13, BGHR StGB § 66 strik­te Ver­hält­nis­mä­ßig­keit bei bis zum 31.05.2013 began­ge­nen Anlas­s­ta­ten 1[]
  2. vgl. BVerfG, Urteil vom 04.05.2011 – 2 BvR 2333/​08, BVerfGE 128, 326, 406, Rn. 172[]
  3. vgl. inso­fern auch BVerfGE aaO, Rn. 173[]
  4. vgl. BGH, aaO; Urtei­le vom 23.04.2013 – 5 StR 617/​12; vom 28.03.2012 – 5 StR 525/​11, NStZ-RR 2012, 205, 206[]