Siche­rungs­ver­wah­rung – und die Gefähr­lich­keit

Die in § 66 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 StGB als mate­ri­el­le Anord­nungs­vor­aus­set­zung benann­te Gefähr­lich­keit eines Ange­klag­ten für die All­ge­mein­heit liegt vor, wenn infol­ge eines bei ihm bestehen­den Han­ges die bestimm­te Wahr­schein­lich­keit besteht, dass er auch in Zukunft Straf­ta­ten bege­hen wird, die eine erheb­li­che Stö­rung des Rechts­frie­dens dar­stel­len 1.

Siche­rungs­ver­wah­rung – und die Gefähr­lich­keit

Als wesent­li­chen Anhalts­punkt für die Beur­tei­lung der Erheb­lich­keit zu erwar­ten­der Straf­ta­ten nennt das Gesetz eine schwe­re see­li­sche oder kör­per­li­che Schä­di­gung der Opfer.

Bezugs­punkt sind dem­nach die wahr­schein­li­chen Fol­gen der zu erwar­ten­den Straf­ta­ten. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist bei Taten des schwe­ren sexu­el­len Miss­brauchs von Kin­dern typi­scher­wei­se die Gefahr schwer­wie­gen­der psy­chi­scher Schä­den ver­bun­den 2.

Sie wird nicht dadurch in Fra­ge gestellt, dass auf­grund der kon­kre­ten Anlas­s­ta­ten sol­che Schä­den (zufäl­lig) nicht ein­ge­tre­ten sind.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 7. Febru­ar 2017 – 5 StR 471/​16

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 03.12 2002 – 4 StR 416/​02, NStZ-RR 2003, 108[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 24.03.2010 – 2 StR 10/​10, BGHR StGB § 66 Abs. 1 Erheb­lich­keit 7; vom 23.04.2013 – 5 StR 617/​12, Münch­Komm-StG­B/Ul­len­bruch/D­renk­hahn/­Mor­gen­stern, 3. Aufl., § 66 Rn. 103; Beck­OK-StG­B/Zieg­ler, 32. Edi­ti­on, § 66 Rn. 14[]