Siche­rungs­ver­wah­rung – und die Gesamt­wür­di­gung des Täters und sei­ner Taten

Gemäß § 66 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 StGB kommt Siche­rungs­ver­wah­rung nur dann in Betracht, wenn die Gesamt­wür­di­gung des Täters und sei­ner Taten ergibt, dass er infol­ge eines Han­ges zu erheb­li­chen Straf­ta­ten, nament­lich zu sol­chen, durch wel­che die Opfer see­lisch oder kör­per­lich schwer geschä­digt wer­den, zum Zeit­punkt der Ver­ur­tei­lung für die All­ge­mein­heit gefähr­lich ist.

Siche­rungs­ver­wah­rung – und die Gesamt­wür­di­gung des Täters und sei­ner Taten

Die mate­ri­el­le Anord­nungs­vor­aus­set­zung der Gefähr­lich­keit eines Ange­klag­ten für die All­ge­mein­heit liegt dabei vor, wenn infol­ge eines bei ihm bestehen­den Han­ges ernst­haft zu besor­gen ist, dass er auch in Zukunft Straf­ta­ten bege­hen wird, die eine erheb­li­che Stö­rung des Rechts­frie­dens dar­stel­len1.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist mit Taten des schwe­ren sexu­el­len Miss­brauchs von Kin­dern im Hin­blick auf die für die Tat­op­fer oft­mals gewich­ti­gen psy­chi­schen Aus­wir­kun­gen unab­hän­gig von kör­per­li­cher Gewalt­an­wen­dung typi­scher­wei­se die Gefahr schwer­wie­gen­der psy­chi­scher Schä­den ver­bun­den2. Das Gericht darf dabei ins­be­son­de­re auch berück­sich­ti­gen, dass es sich bei dem Ange­klag­ten um einen unthe­ra­pier­ten ein­schlä­gig vor­be­straf­ten Sexu­al­straf­tä­ter mit pädo­phi­len Nei­gun­gen han­delt, der in gestei­ger­ter Form rück­fäl­lig wur­de, indem er sich ohne Ein­sicht in sei­ne sexu­el­len Nei­gun­gen nun meh­re­re Kin­der zum Opfer wähl­te und die­se auch außer­halb sei­nes Bekann­ten­krei­ses such­te.

Zwar liegt die Anord­nung von Siche­rungs­ver­wah­rung nach § 66 Abs. 2 StGB im pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sen des Tatrich­ters und ist des­halb der Kon­trol­le durch das Revi­si­ons­ge­richt nur ein­ge­schränkt zugäng­lich3. Jedoch muss der Tatrich­ter die maß­geb­li­chen Grün­de für sei­ne Ermes­sens­ent­schei­dung nach­voll­zieh­bar dar­le­gen, um dem Revi­si­ons­ge­richt die Nach­prü­fung zu ermög­li­chen4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Janu­ar 2019 – 1 StR 461/​18

  1. vgl. BGH, Urteil vom 10.10.2018 – 5 StR 202/​18, Rn. 13 mwN
  2. vgl. BGH aaO Rn. 14 mwN
  3. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 03.02.2011 – 3 StR 466/​10, NStZ-RR 2011, 172 und Beschluss vom 04.08.2009 – 1 StR 300/​09, BGHR StGB § 66 Abs. 2 Ermes­sens­aus­übung 1
  4. vgl. BGH, Urteil vom 03.02.2011 – 3 StR 466/​10, NStZ-RR 2011, 172