Siche­rungs­ver­wah­rung – und die münd­li­che Anhö­rung bei der Fort­dau­er­ent­schei­dung

Die münd­li­che Anhö­rung durch einen beauf­trag­ten Rich­ter begeg­net kei­nen recht­li­chen Beden­ken, wenn dem per­sön­li­chen Ein­druck des Gerichts nach Lage des Fal­les nur gerin­ge Bedeu­tung zukommt und die­ser den übri­gen Kam­mer­mit­glie­dern durch den beauf­trag­ten Rich­ter ver­mit­telt wer­den kann.

Siche­rungs­ver­wah­rung – und die münd­li­che Anhö­rung bei der Fort­dau­er­ent­schei­dung

Dass die Anhö­rung des Unter­ge­brach­ten durch den Vor­sit­zen­den als beauf­trag­ten Rich­ter und nicht durch die gemäß § 78b Abs. 1 Nr. 1 GVG besetz­te Kam­mer erfol­gen soll­te, begrün­det kei­nen Ver­fah­rens­feh­ler. Zum einen genügt die Vor­ge­hens­wei­se den Vor­ga­ben der §§ 463 Abs. 3 S. 1, 454 Abs. 1 S. 3 StPO. Die münd­li­che Anhö­rung durch einen beauf­trag­ten Rich­ter begeg­net kei­nen recht­li­chen Beden­ken, wenn dem per­sön­li­chen Ein­druck des Gerichts nach Lage des Fal­les nur gerin­ge Bedeu­tung zukommt und die­ser den übri­gen Kam­mer­mit­glie­dern durch den beauf­trag­ten Rich­ter ver­mit­telt wer­den kann 1.

Die­se Recht­spre­chung ist nach Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Braun­schweig ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich 2 und hier ein­schlä­gig, weil der Beschwer­de­füh­rer trotz regel­mä­ßi­ger Anspra­che für Behand­lungs­an­ge­bo­te schlech­ter­dings nicht zu moti­vie­ren ist und erheb­li­che neue Erkennt­nis­se durch die Anhö­rung somit nicht zu erwar­ten waren. Zum ande­ren liegt auch des­halb kein Ver­fah­rens­feh­ler vor, weil der Beschwer­de­füh­rer sei­ne Teil­nah­me an der münd­li­chen Anhö­rung ver­wei­gert hat 3.

Ober­lan­des­ge­richt Braun­schweig, Beschluss vom 8. Juli 2014 – 1 Ws 170/​14

  1. BGH, Beschluss vom 13.09.1978, StB 187/​78 2 ff.; OLG Frank­furt, Beschluss vom 03.11.2009, 3 Ws 868/​09 3; Graal­mann-Schee­rer, StPO, 26. Aufl., § 454 Rn. 30 f.[]
  2. BVerfG NJW 1992, 2947, 2954[]
  3. vgl. hier­zu: Graal­mann-Schee­rer, StPO, 26. Aufl., § 454 Rn. 46[]