Sit­zungs­po­li­zei­li­che Anord­nun­gen – und die Pres­se­frei­heit

Sit­zungs­po­li­zei­li­che Anord­nun­gen des Vor­sit­zen­den genü­gen den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen nicht, wenn der Vor­sit­zen­de die für sei­ne Ent­schei­dung maß­ge­ben­den Grün­de nicht offen­legt und dadurch den betrof­fe­nen Pres­se­ver­tre­tern nicht zu erken­nen gibt, dass in die Abwä­gung alle dafür erheb­li­chen Umstän­de ein­ge­stellt wor­den sind

Sit­zungs­po­li­zei­li­che Anord­nun­gen – und die Pres­se­frei­heit

Im ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Eil­ver­fah­ren braucht nicht geklärt zu wer­den, ob sit­zungs­po­li­zei­li­che Anord­nun­gen, die der Vor­sit­zen­de Rich­ter des Ober­lan­des­ge­richts im ers­ten Rechts­zu­ge trifft, mit Blick auf die Garan­tie effek­ti­ven Rechts­schut­zes in grund­rechts­kon­for­mer Erwei­te­rung des § 304 Abs. 4 Satz 2 Halb­satz 2 StPO fach­ge­richt­li­chem Rechts­schutz zugäng­lich sind 1. Jeden­falls war im vor­lie­gen­den Fall den Antrag­stel­le­rin­nen die vor­ran­gi­ge Inan­spruch­nah­me des Rechts­be­helfs der Beschwer­de unter Berück­sich­ti­gung der ent­ge­gen­ste­hen­den Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs unzu­mut­bar 2.

Über den Antrag auf einst­wei­li­ge Anord­nung ist nach Maß­ga­be einer Fol­genab­wä­gung zu ent­schei­den. Die­se fällt zuguns­ten der Antrag­stel­le­rin­nen aus. Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist hin­sicht­lich der ange­grif­fe­nen sit­zungs­po­li­zei­li­chen Anord­nun­gen offen­sicht­lich begrün­det. Die Anord­nun­gen des Vor­sit­zen­den genü­gen den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen nicht, weil der Vor­sit­zen­de die für sei­ne Ent­schei­dung maß­ge­ben­den Grün­de nicht offen­ge­legt und dadurch den Betrof­fe­nen nicht zu erken­nen gege­ben hat, dass in die Abwä­gung alle dafür erheb­li­chen Umstän­de ein­ge­stellt wor­den sind 3. Weder die Anord­nung vom 06.06.2016 noch die sit­zungs­po­li­zei­li­che Ver­fü­gung vom 15.06.2016 las­sen die für die Ent­schei­dung maß­geb­li­chen Grün­de erken­nen. Bereits aus die­sem Grund war die bean­trag­te einst­wei­li­ge Anord­nung zu erlas­sen. Dem Vor­sit­zen­den bleibt es unbe­nom­men, neu­er­lich eine Anord­nung zu erlas­sen, in der die maß­ge­ben­den Grün­de offen­ge­legt wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Juli 2016 – 1 BvR 1534/​16

  1. vgl. BVerfG, Beschluss vom 17.04.2015 – 1 BvR 3276/​08, NJW 2015, S. 2175, 2176[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 13.10.2015 – StB 10/​15, StB 11/​15, NJW 2015, S. 3671, 3671 f.[]
  3. vgl. BVerfGE 119, 309, 327 f.; vgl. auch BVerfG, Beschluss vom 03.04.2009 – 1 BvR 654/​09, NJW 2009, S. 2117, 2118; Beschluss vom 31.07.2014 – 1 BvR 1858/​14, NJW 2014, S. 3013, 3013 f.[]