Sozi­al­leis­tungs­be­trug – und die Anfor­de­run­gen an die Urteils­grün­de

In Fäl­len des soge­nann­ten Sozi­al­leis­tungs­be­trugs hat das Tat­ge­richt nach den Grund­sät­zen der für die Leis­tungs­be­wil­li­gung gel­ten­den Vor­schrif­ten selb­stän­dig zu prü­fen, ob und inwie­weit tat­säch­lich kein Anspruch auf die bean­trag­ten Leis­tun­gen bestand 1 12; OLG Nürn­berg, Urteil vom 14.09.2011 – 2 St OLG Ss 192/​11 24)).

Sozi­al­leis­tungs­be­trug – und die Anfor­de­run­gen an die Urteils­grün­de

Um den Ein­tritt eines Scha­dens zu bele­gen, muss aus den Fest­stel­lun­gen in nach­voll­zieh­ba­rer Wei­se her­vor­ge­hen, dass und inwie­weit nach den tat­säch­li­chen Gege­ben­hei­ten auf die sozi­al­recht­li­che Leis­tung kein Anspruch bestand; mit einer all­ge­mei­nen Ver­wei­sung auf behörd­li­che Scha­dens­auf­stel­lun­gen darf sich das Urteil nicht begnü­gen 2.

Die­sen Anfor­de­run­gen genüg­ten in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall die Dar­le­gun­gen des Land­ge­richts nicht. Dabei kann der Bun­des­ge­richts­hof offen las­sen, ob sei­tens des Gerichts stets eine eige­ne – gege­be­nen­falls auch ins Ein­zel­ne gehen­de – Berech­nung der dem Ange­klag­ten zuste­hen­den öffent­li­chen Leis­tun­gen not­wen­dig ist 3. In Fäl­len wie dem vor­lie­gen­den, in denen die – nach den Fest­stel­lun­gen wohl im Sin­ne von § 11 Abs. 3 Satz 1 SGB II ein­ma­li­gen 4Ein­nah­men eines Bezie­hers von Sozi­al­leis­tun­gen stark dif­fe­rie­ren, hät­te es ins­be­son­de­re mit Blick auf die Rege­lun­gen zur Berück­sich­ti­gung und gege­be­nen­falls Auf­tei­lung von Zuflüs­sen in § 11 Abs. 3 Satz 2 und 3 SGB II kon­kre­ter Dar­le­gun­gen bedurft, wie sich das zu berück­sich­ti­gen­de Ein­kom­men in den jewei­li­gen Mona­ten dar­stell­te.

Betref­fend den wei­te­ren Ange­klag­ten kommt hin­zu, dass die Ein­künf­te, die er aus wei­te­ren, über die abge­ur­teil­ten Taten hin­aus­ge­hen­den Tep­pich­ver­käu­fen erziel­te, man­gels ent­spre­chen­der Anga­ben des Land­ge­richts zeit­lich nicht zuge­ord­net wer­den kön­nen, so dass auch inso­weit unklar bleibt, in wel­chen Mona­ten und in wel­chem Umfang die­se zu berück­sich­ti­gen waren.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. März 2016 – 3 StR 517/​15

  1. OLG Hamm, Beschlüs­se vom 17.08.2015 – 5 RVs 65/​15, NStZ 2016, 183; vom 16.02.2012 – 5 RVs 113/​11, NStZ-RR 2013, 13, 14; OLG Koblenz, Beschluss vom 01.12 2014 – 1 Ss 21/​13 10; KG, Urteil vom 18.02.2013 – (4) 1 Ss 281/​12 ((341/​12[]
  2. OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 06.11.2000 – 2a Ss 271/​00 – 62/​00 – II 4; Fischer, StGB, 63. Aufl., § 263 Rn. 141[]
  3. vgl. inso­weit OLG Hamm, Beschluss vom 17.08.2015 – 5 RVs 65/​15, aaO mwN[]
  4. vgl. Söhn­gen in: Schlegel/​Voelzke, juris­PK-SGB II, 4. Aufl., § 11 Rn. 65[]