Spe­zia­li­täts­grund­satz bei Aus­lie­fe­rung

Der Spe­zia­li­täts­grund­satz erfor­dert nicht, dass der Emp­fän­ger­staat einen vor­han­de­nen gleich­ar­ti­gen Straf­tat­be­stand zu dem, auf den der aus­lie­fern­de Staat die Aus­lie­fe­rung gestützt hat, ver­folgt und ahn­det. Viel­mehr kann der Emp­fän­ger­staat statt­des­sen auch einen ande­ren Straf­tat­be­stand ahn­den, wenn er dies im Aus­lie­fe­rungs­ver­fah­ren offen­ge­legt hat und die Aus­lie­fe­rung zur Ver­fol­gung die­ser Tat im pro­zes­sua­len Sinn bewil­ligt wur­de.

Spe­zia­li­täts­grund­satz bei Aus­lie­fe­rung

Nach dem aus­lie­fe­rungs­recht­li­chen Spe­zia­li­täts­grund­satz in § 83 h Abs. 1 Nr. 1 IRG darf eine von einem Mit­glied­staat auf­grund eines Euro­päi­schen Haft­be­fehls über­ge­be­ne Per­son wegen einer vor der Über­ga­be began­ge­nen ande­ren Tat als der­je­ni­gen, die der Über­ga­be zugrun­de liegt, weder ver­folgt noch ver­ur­teilt noch einer frei­heits­ent­zie­hen­den Maß­nah­me unter­wor­fen wer­den. Ob eine ande­re Tat gege­ben ist, ist nach dem pro­zes­sua­len Tat­be­griff zu beur­tei­len [1]. Die Tat wird somit durch den kon­kre­ten Lebens­sach­ver­halt gekenn­zeich­net, inner­halb des­sen der Ver­folg­te einen oder meh­re­re Straf­tat­be­stän­de erfüllt haben soll, soweit die­ser nach der natür­li­chen Auf­fas­sung einen ein­heit­li­chen Vor­gang dar­stellt [2].

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 13. Janu­ar 2012 – 5 Ws 45/​11

  1. BGH NStZ 2011, 294 f., NStZ-RR 2011, 14 f.; OLG Köln, Beschluss vom 20.06.2003, Ausl 184/​02[]
  2. BGH NStZ a.a.O., OLG Köln a.a.O., Mey­er-Goß­ner, StPO, 54. Auf­la­ge, § 264, Rdnr. 2ff. m.w.N.[]