Sport­wet­ten­be­trug – als Com­pu­ter­be­trug

Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits eine Straf­bar­keit des Wet­ten­den wegen – ggf. voll­ende­ten – Com­pu­ter­be­trugs gemäß § 263a StGB beim "Sport­wet­ten­be­trug" in den Fäl­len des Abschlus­ses von Wett­ver­trä­gen über das Inter­net bejaht 1.

Sport­wet­ten­be­trug – als Com­pu­ter­be­trug

Danach sind die Vor­aus­set­zun­gen der Tat­mo­da­li­tät des unbe­fug­ten Ver­wen­dens von Daten im Sin­ne des § 263a Abs. 1 StGB erfüllt (betrugs­spe­zi­fi­sche Aus­le­gung). Die Täu­schungs­äqui­va­lenz ist in Fäl­len wie den vor­lie­gen­den, in denen die Wet­ten über das Inter­net auto­ma­ti­siert abge­schlos­sen wer­den, jeden­falls dann zu beja­hen, wenn – wie hier – die Daten­ver­ar­bei­tungs­pro­gram­me durch die Fest­le­gung von Höchst­gren­zen für Wett­ein­sät­ze den Wil­len der Wett­an­bie­ter doku­men­tie­ren, Wet­ten auf mani­pu­lier­te Spie­le gar nicht oder jeden­falls nicht zu den gege­be­nen Wett­quo­ten zuzu­las­sen. Dar­aus ergibt sich auch, dass der Wett­an­bie­ter Wet­ten auf mani­pu­lier­te Spie­le nicht ange­nom­men hät­te, und zwar selbst dann nicht, wenn der Besto­che­ne tat­säch­lich nicht bereit oder in der Lage war, auf das Spiel­ergeb­nis Ein­fluss zu neh­men 2.

In den Fäl­len, in denen die Wett­an­bie­ter den ent­spre­chend der ver­ein­bar­ten Quo­te berech­ne­ten Gewinn aus­be­zahlt und dadurch für sich einen Ver­mö­gens­ver­lust in Höhe der Dif­fe­renz zwi­schen Wett­ein­satz und Wett­ge­winn her­bei­ge­führt haben, ist jeweils Voll­endung mit einem Scha­den in die­ser Höhe ein­ge­tre­ten 3.

Einer Voll­endung steht auch nicht ent­ge­gen, dass die Spie­le – bei nur vor­ge­täusch­ter Mani­pu­la­ti­ons­be­reit­schaft des ein­ge­bun­de­nen Spie­lers – in Wahr­heit nicht mani­pu­liert waren 4.

In sei­nem Beschluss vom Beschluss vom 20.12.2012 4 hat­te der Bun­des­ge­richts­hof die damals vom Land­ge­richt Bochum getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen zugrun­de zu legen: Bei den Wet­ten gin­gen die Wet­ten­den von der Ernst­haf­tig­keit der gegen Zah­lung teil­wei­se hoher Geld­be­trä­ge erhal­te­nen Zusa­gen von Spie­lern oder Schieds­rich­tern aus. Die tat­säch­li­che Bereit­schaft die­ser Geld­emp­fän­ger zur Mani­pu­la­ti­on konn­te indes eben­so wenig sicher fest­ge­stellt wer­den wie deren Ein­fluss­nah­me auf den Spiel­ver­lauf 5. Gleich­wohl hat der Bun­des­ge­richts­hof die Ver­ur­tei­lung der damals Ange­klag­ten wegen voll­ende­ten Com­pu­ter­be­trugs in den Fäl­len, in denen die Wet­ten Erfolg hat­ten, unter dem Gesichts­punkt des "Erfül­lungs­be­trugs" bestä­tigt. In den Fäl­len, in denen die Wet­ten ver­lo­ren gin­gen, hat der Bun­des­ge­richts­hof das Urteil zur Fest­stel­lung eines Ver­mö­gens­scha­dens unter dem Gesichts­punkt des "Ein­ge­hungs­be­trugs" auf­ge­ho­ben und an das Land­ge­richt zurück­ver­wie­sen. An der Auf­fas­sung, dass der Bereit­schaft der Geld­emp­fän­ger zur Mani­pu­la­ti­on oder zu einer tat­säch­li­chen Ein­fluss­nah­me auf den Spiel­ver­lauf kei­ne ent­schei­dungs­er­heb­li­che Bedeu­tung zukommt, hält der Bun­des­ge­richts­hof fest.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 3. März 2016 – 4 StR 496/​15

  1. BGH, Beschluss vom 20.12 2012 – 4 StR 580/​11, Rn. 57 ff., NJW 2013, 1017 f.[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 20.12 2012 – 4 StR 580/​11, Rn. 62, aaO[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 20.12 2012 – 4 StR 580/​11, Rn. 63, aaO; vgl. auch zu § 263 StGB BGH, Urtei­le vom 20.12 2012 – 4 StR 55/​12, Rn. 22 ff., BGHSt 58, 102, 108 ff., und 4 StR 125/​12, Rn. 35, wis­tra 2013, 186, 189[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 20.12.2012 – 4 StR 580/​11[][]
  5. BGH, Beschluss vom 20.12 2012 – 4 StR 580/​11, Rn. 5, NJW 2013, 1017[]