Spreng­stoff­ex­plo­si­on – und die Gefähr­dung einer frem­den Sache von bedeu­ten­dem Wert

Die Wert­gren­ze für die Annah­me der Gefähr­dung einer frem­den Sache von bedeu­ten­dem Wert im Sin­ne des § 308 Abs. 1 StGB liegt bei 1.500 €.

Spreng­stoff­ex­plo­si­on – und die Gefähr­dung einer frem­den Sache von bedeu­ten­dem Wert

§ 308 Abs. 1 StGB stellt das Her­bei­füh­ren einer Explo­si­on unter Stra­fe, wenn dadurch Leib oder Leben eines ande­ren Men­schen oder frem­de Sachen von bedeu­ten­dem Wert gefähr­det wird.

Zwar hat der Bun­des­ge­richts­hof für die Stra­ßen­ver­kehrs­de­lik­te nach §§ 315b, 315c StGB an dem Grenz­wert von 750 € für Sach­wert und (dro­hen­de) Scha­dens­hö­he fest­ge­hal­ten 1. Dies hat er aber mit dem spe­zi­fi­schen "Schutz des All­ge­mein­in­ter­es­ses an der Sicher­heit des Stra­ßen­ver­kehrs" begrün­det 2. Mit Blick auf das Ver­bre­chen des Her­bei­füh­rens einer Spreng­stoff­ex­plo­si­on hat der 1. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs in sei­nem vor­zi­tier­ten Urteil Fol­gen­des aus­ge­führt 3:

§ 308 StGB ist ein kon­kre­tes Gefähr­dungs­de­likt 4. Voll­endung tritt mit dem Her­bei­füh­ren einer kon­kre­ten Gefahr für frem­de Sachen von bedeu­ten­dem Wert ein. Maß­geb­lich ist dafür die Höhe des dem betrof­fe­nen frem­den Eigen­tum kon­kret dro­hen­den Scha­dens 5. Um die­se zu bestim­men, bedarf es regel­mä­ßig eines zwei­stu­fi­gen Vor­ge­hens, indem zunächst der Wert der Sache selbst und anschlie­ßend der ihr dro­hen­de (bedeu­ten­de) Scha­den zu ermit­teln sind 6.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat – soweit ersicht­lich – bis­lang weder zu § 308 StGB noch zu der Vor­gän­ger­re­ge­lung § 311 StGB aF ent­schie­den, ab wel­cher Unter­gren­ze von einem bedeu­ten­den Wert aus­ge­gan­gen wer­den kann. Für die bezüg­lich des kon­kre­ten Gefah­rer­folgs im Wort­laut iden­tisch gefass­ten §§ 315b, c StGB legt der Bun­des­ge­richts­hof eine sol­che von 750 Euro zugrun­de 7. Der Bun­des­ge­richts­hof neigt für § 308 StGB im Hin­blick auf die auf der Ebe­ne der Tat­hand­lung auch erfass­ten Explo­sio­nen durch Spreng­kör­per mit gerin­ger Spreng­kraft …. aller­dings zu einem etwas höhe­ren Grenz­wert, der bei 1.500 Euro lie­gen könn­te. In der Straf­rechts­wis­sen­schaft gefor­der­te, deut­lich höhe­re Unter­gren­zen 8 sind weder aus teleo­lo­gi­schen Grün­den noch durch das ver­fas­sungs­recht­li­che Schuld­prin­zip ver­an­lasst.

Die­sen Argu­men­ten tritt nun­mehr der 4. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs auch aus sys­te­ma­ti­schen Erwä­gun­gen bei, um dem Cha­rak­ter der Vor­schrift des § 308 Abs. 1 StGB als Ver­bre­chen bereits im Grund­tat­be­stand und der damit ver­bun­de­nen deut­lich erhöh­ten Straf­dro­hung Rech­nung zu tra­gen. Der iden­ti­sche Wort­laut und die Ein­stel­lung in dem glei­chen Abschnitt des Straf­ge­setz­bu­ches wie die §§ 315b, 315c StGB steht dem nicht ent­ge­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. Okto­ber 2016 – – 4 StR 239/​16

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 28.09.2010 – 4 StR 245/​10, NStZ 2011, 215 f. zu § 315b StGB; und vom 04.12 2012 – 4 StR 435/​12, NStZ 2013, 167 zu § 315c StGB[]
  2. BGH, Beschluss vom 28.09.2010, aaO[]
  3. BGH, aaO Rn. 57, 58[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 21.09.1995 – 5 StR 366/​95, NStZ-RR 1996, 132 f. mwN zu § 311 StGB aF[]
  5. Wolff [in Mün­che­ner Kom­men­tar zum StGB, 2. Aufl., Band 5, ] § 308 Rn. 8; Krack [in Leip­zi­ger Kom­men­tar zum StGB, 12. Aufl., Band 11, ] § 308 Rn. 9 mwN[]
  6. st. Rspr. zu § 315c StGB; vgl. nur BGH, Beschluss vom 12.04.2011 – 4 StR 22/​11, DAR 2011, 398 f. mwN[]
  7. BGH, Beschluss vom 18.06.2013 – 4 StR 145/​13 Rn. 7 mwN[]
  8. Wolff aaO § 308 Rn. 8 ‚2.500 Euro‘; Krack aaO § 308 Rn. 9 ‚ca.05.000 Euro‘; Heine/​Bosch in Schönke/​Schröder, StGB, 29. Aufl., § 308 Rn. 7 ‚3.000 Euro‘[]