Spreng­stoff­ex­plo­si­on – und die Kon­kur­ren­zen

In den Fäl­len des ver­such­ten Her­bei­füh­rens einer Spreng­stoff­ex­plo­si­on (§ 308 StGB) tritt eine etwai­ge Straf­bar­keit nach § 40 Abs. 1 SprengG in Geset­zes­kon­kur­renz zurück.

Spreng­stoff­ex­plo­si­on – und die Kon­kur­ren­zen

Bei dem hier allein in Betracht kom­men­den § 40 Abs. 1 Nr. 3 i.V.m. § 27 Abs. 1 SprengG 1 han­delt es sich um ein abs­trak­tes Gefähr­dungs­de­likt 2, das selbst im Ver­hält­nis zum Ver­ge­hen der Vor­be­rei­tung eines Explo­si­ons- oder Strah­len­ver­bre­chens nach § 310 StGB einen "Auf­fang­tat­be­stand" bil­det 3. § 308 Abs. 1 StGB ist ein kon­kre­tes Gefähr­dungs­de­likt 4, sodass bereits nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen das abs­trak­te Gefähr­dungs­de­likt dahin­ter zurück­tritt 5. Das gilt auch im Fall des ledig­lich ver­such­ten Her­bei­füh­rens einer Spreng­stoff­ex­plo­si­on. Denn jeden­falls bei dem hier vor­lie­gen­den taug­li­chen Ver­such hat sich die Gefahr durch den Ein­tritt in das Ver­suchs­sta­di­um hin­rei­chend kon­kre­ti­siert. Das kommt auch in den nach Ver­suchs­grund­sät­zen gemil­der­ten Straf­rah­men des § 308 Abs. 1 StGB (drei Mona­te bis elf Jah­re und drei Mona­te Frei­heits­stra­fe) und des § 40 Abs. 1 SprengG (Frei­heits­stra­fe bis drei Jah­re oder Geld­stra­fe) zum Aus­druck. Der Umstand, dass damit die Voll­endung des Ver­ge­hens nach § 40 Abs. 1 SprengG im Tenor nicht zum Aus­druck kommt, steht dem nicht ent­ge­gen, wie sich schon aus der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zu dem Ver­hält­nis zwi­schen ver­such­ter Nöti­gung und (voll­ende­ter) Bedro­hung nach § 241 StGB – einem abs­trak­ten Gefähr­dungs­de­likt – ergibt 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. Okto­ber 2016 – – 4 StR 239/​16

  1. vgl. BGH, Urteil vom 10.02.2015 – 1 StR 488/​14 mwN, auch zur grund­sätz­li­chen Ein­be­zie­hung pyro­tech­ni­scher Gegen­stän­de[]
  2. vgl. KG, RuS 2006, 80 ff.[]
  3. BGH, Urteil vom 15.12 1976 – 3 StR 432/​76 [S], NJW 1977, 540 zum Ver­hält­nis § 311b StGB aF und § 30 Abs. 2 Nr. 5 SprengG 1969; BayO­bLGSt 1973, 117, 120; eben­so Heine/​Bosch in Schönke/​Schröder, StGB, 29. Aufl., § 310 Rn. 11; Her­zog in NK-StGB, 4. Aufl., § 310 Rn. 14; Diet­mei­er in Matt/​Renzikowski, StGB, § 310 Rn. 6; Ban­ge in Beck­OK-StGB, Stand: 01.09.2016, § 310 Rn. 21; vgl. aber Stein­dorf in Erbs/​Kohlhaas, Straf­recht­li­che Neben­ge­set­ze, 193. Ergän­zungs­lie­fe­rung 2013, § 40 SprengG Rn. 427: "in der Regel" Ide­al­kon­kur­renz[]
  4. BGH, Urteil vom 21.09.1995 – 5 StR 366/​95, NStZ-RR 1996, 132; KG NStZ 1987, 231, 232; Ban­ge, aaO, § 308 Rn. 3[]
  5. vgl. all­ge­mein von Heint­schel-Hein­egg in Mün­che­ner Kom­men­tar zum StGB, 2. Aufl., vor § 52 Rn. 47[]
  6. vgl. nur BGH, Beschluss vom 03.03.2015 – 3 StR 618/​14 5 mwN[]