Stein­wür­fe auf die Auto­bahn – und der Rück­tritt vom Ver­such

Ein fehl­ge­schla­ge­ner Ver­such liegt vor, wenn die Tat nach Miss­lin­gen des zunächst vor­ge­stell­ten Tat­ab­laufs mit den bereits ein­ge­setz­ten oder nahe­lie­gen­den Mit­teln objek­tiv nicht mehr voll­endet wer­den kann und der Täter dies erkennt oder wenn er sub­jek­tiv die Voll­endung nicht mehr für mög­lich hält, wobei es auf die Täter­sicht nach Abschluss der letz­ten Aus­füh­rungs­hand­lung ankommt.

Stein­wür­fe auf die Auto­bahn – und der Rück­tritt vom Ver­such

Erkennt der Täter zu die­sem Zeit­punkt oder hat er eine ent­spre­chen­de sub­jek­ti­ve Vor­stel­lung dahin, dass es zur Her­bei­füh­rung des Erfol­ges eines erneu­ten Anset­zens bedürf­te, etwa mit der Fol­ge einer zeit­li­chen Zäsur und einer Unter­bre­chung des unmit­tel­ba­ren Hand­lungs­fort­gangs, liegt ein Fehl­schlag vor 1.

Bezo­gen auf den hier ent­schie­de­nen Fall war damit für die Prü­fung der Fra­ge, ob der Ver­such fehl­ge­schla­gen war, auf die Sicht des Ange­klag­ten nach dem Ende der letz­ten Aus­füh­rungs­hand­lung dem letz­ten Wurf auf die Auto­bahn und damit auf den soge­nann­ten Rück­tritts­ho­ri­zont 2 abzu­stel­len.

Bezo­gen auf die­sen Zeit­punkt war den Wer­fen­den die Voll­endung der Tat objek­tiv noch mög­lich, weil ihnen auch nach dem Wurf der Stei­ne, der Motor­sen­se und des Laub­saugers in ihrem Fahr­zeug griff­be­reit noch wei­te­re Wurf­ge­schos­se in Gestalt eines – neben ande­ren Ein­bruchs­werk­zeu­gen in einem Bun­des­wehr­see­sack befind­li­chen – lan­gen Hebe­lei­sens und eines Ben­zin­ka­nis­ters zur Ver­fü­gung stan­den, wobei ins­be­son­de­re das Hebe­lei­sen bei einer Ver­wen­dung als Wurf­ge­schoss aus kur­zer Distanz auf ein nach­fol­gen­des Fahr­zeug geeig­net war, einen schwe­ren Ver­kehrs­un­fall zu ver­ur­sa­chen, und dass die­se Umstän­de dem Wer­fer auch bewusst waren.

Dem­ge­mäß hat der Bun­des­ge­richts­hof einen Rück­tritt des Wer­fers vom unbe­en­de­ten Mord­ver­such gemäß § 24 Abs. 2 Satz 1 StGB ange­nom­men, indem er und sein Mit­tä­ter ein­ver­nehm­lich von der wei­te­ren Umset­zung ihres Vor­ha­bens, einen schwe­ren Ver­kehrs­un­fall des Poli­zei­fahr­zeugs her­bei­zu­füh­ren, Abstand nah­men und statt­des­sen dem Poli­zei­fahr­zeug davon­fuh­ren.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 6. Dezem­ber 2018 – 4 StR 260/​18

  1. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Urteil vom 08.02.2007 – 3 StR 470/​06, NStZ 2007, 399; Beschlüs­se vom 22.10.2015 – 4 StR 262/​15, NStZ 2016, 207, 208; vom 09.09.2014 – 4 StR 367/​14, NStZ 2015, 26, 27[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 19.03.2013 – 1 StR 647/​12, NStZ-RR 2013, 273, 274; Beschlüs­se vom 19.11.2015 – 2 StR 462/​15, NStZ-RR 2016, 105 [Ls]; vom 27.11.2014 – 3 StR 458/​14, NStZ-RR 2015, 105, 106[]