Alko­hol­schmug­gel – und die Straf­bar­keit in der Spedition

Der Dis­po­nent und der Geschäfts­füh­rer der Spe­di­ti­on, die die geschmug­gel­te Brannt­wein- und Alko­hol­erzeug­nis­se im Auf­trag eines drit­ten Bestel­lers gegen Ent­gelt ledig­lich trans­por­tier­ten, sind nicht Bezie­her der Waren im Sin­ne von § 149 Abs. 1 Satz 1 Branntw­MonG bzw. § 24 Abs. 1 Satz 1 Alk­StG und damit nicht Steu­er­schuld­ner und nicht ver­pflich­tet, eine Steu­er­erklä­rung abzu­ge­ben. Sie sind somit auch kein taug­li­cher Täter im Sin­ne von § 370 Abs. 1 Nr. 2 AO.

Alko­hol­schmug­gel – und die Straf­bar­keit in der Spedition

Der Tat­be­stand in § 149 Abs. 1 Satz 1 Branntw­MonG, § 24 Abs. 1 Satz 1 Alk­StG stellt grund­sätz­lich auf ein Zwei-Per­so­nen-Ver­hält­nis ab und ver­langt, dass mit Beginn der Beför­de­rung der Emp­fän­ger der Waren auf­grund eines bestehen­den Rechts­ver­hält­nis­ses fest­steht1.

Dem­nach ist ledig­lich der Bestel­ler als Käu­fer der Brannt­wein- bzw. Alko­hol­erzeug­nis­se Bezie­her im Sin­ne die­ser Vorschriften.

Der Dis­po­nent und der Geschäfts­füh­rer der Spe­di­ti­on sind auch nicht gemäß § 149 Abs. 2 Satz 3 Branntw­MonG bzw. § 24 Abs. 2 Satz 3 Alk­StG Steu­er­schuld­ner, da § 149 Abs. 2 Branntw­MonG bzw. § 24 Abs. 2 Alk­StG vor­aus­setzt, dass die ver­brauch­steu­er­pflich­ti­gen Waren anders als in den in Absatz 1 genann­ten Fäl­len in das Steuer­ge­biet gelan­gen. Die­se Vor­aus­set­zung ist jedoch mit Blick dar­auf, dass der Bestel­ler Bezie­her der Waren und damit der Tat­be­stand des Absatz 1 ein­schlä­gig ist, nicht erfüllt2.

Selbst wenn die Rege­lun­gen in der neu­en Sys­tem­richt­li­nie (vgl. Art. 33 Abs. 1 der Richt­li­nie 2008/​118/​EG des Rates vom 16.12.2008 über das all­ge­mei­ne Ver­brauch­steu­er­sys­tem und zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 92/​12/​EWG, Abl. L 9 vom 14.01.2009, S. 12) inso­weit wei­ter sein soll­ten, ist für die straf­recht­li­che Beur­tei­lung der Wort­laut der natio­na­len Rege­lun­gen in § 149 Abs. 1 und 2 Branntw­MonG bzw. § 24 Abs. 1 und 2 Alk­StG maß­geb­lich3. Die natio­na­len Vor­schrif­ten im Brannt­wein­mo­no­pol­ge­setz und im Alko­hol­steu­er­ge­setz haben – anders als in § 23 TabStG – die Richt­li­ni­en­re­ge­lung nicht nach­ge­bil­det, die bestehen­de Dif­fe­ren­zie­rung in Absatz 1 und Absatz 2 viel­mehr bei­be­hal­ten4.

Weiterlesen:
Urkundenfälschung bei der Steuererklärung - bei Handeln unter fremdem Namen

Eine Ein­schrän­kung gibt es aller­dings: Der Bun­des­ge­richts­hof ent­schied dies in einem Fall, in dem Beför­de­run­gen der Brannt­wein- bzw. Alko­hol­erzeug­nis­se unter Steu­er­aus­set­zung nicht fest­ge­stellt wer­den konn­ten, so dass die Vor­schrif­ten des § 143 Abs. 2 Nr. 5, Abs. 6 Satz 1 Nr. 5, § 144 Abs. 2 Satz 1, § 142 Branntw­MonG sowie – für die nach dem 1.01.2018 began­ge­ne Taten – § 17 Abs. 1, § 18 Abs. 2 Nr. 5, Abs. 6 Satz 1 Nr. 5, § 19 Abs. 2 Satz 1 Alk­StG nicht erfüllt waren. Ange­sichts der von dem Land­ge­richt fest­ge­stell­ten ver­schie­de­nen Metho­den des Trans­ports der Brannt­wein- bzw. Alko­hol­erzeug­nis­se nach Deutsch­land, dar­un­ter auch die als klas­sisch bezeich­ne­te Metho­de, dass neben einer Tarn­la­dung wei­te­re ille­ga­le Alko­ho­li­ka beför­dert wur­den, kann auch aus dem Gesamt­zu­sam­men­hang der Urteils­grün­de nicht dar­auf geschlos­sen wer­den, dass auch in den genann­ten Fäl­len die Brannt­wein- bzw. Alko­hol­erzeug­nis­se unter Steu­er­aus­set­zung trans­por­tiert wur­den. Auf der Grund­la­ge die­ser Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts wäre daher ledig­lich eine Bei­hil­fe zu den Haupt­ta­ten des Bestel­lers gege­ben, der die Brannt­wein- bzw. Alko­hol­erzeug­nis­se aus dem steu­er­recht­lich frei­en Ver­kehr eines ande­ren Mit­glied­staa­tes zu gewerb­li­chen Zwe­cken im Sin­ne von § 149 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und Nr. 2 Branntw­MonG bzw. § 24 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und Nr. 2 Alk­StG bezog und daher gemäß § 149 Abs. 1 Satz 2 Branntw­MonG bzw. § 24 Abs. 1 Satz 2 Alk­StG Steu­er­schuld­ner ist.

Weiterlesen:
Lohnsteuerhinterziehung, Beitragsvorenthaltung - und die Berechnung der vorenthaltenen Beträge

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Febru­ar 2020 – 1 StR 344/​19

  1. vgl. Bongartz/​SchröerSchallenberg/​Bongartz, Ver­brauch­steu­er­recht, 3. Aufl., E 34; FG Ham­burg, Urteil vom 25.11.2010 – 4 K 239/​09 Rn. 68[]
  2. vgl. Bon­gart­z/­Schrö­er-Schal­len­ber­g/­Bon­gartz, Ver­brauch­steu­er­recht, 3. Aufl., E 38[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 24.04.2019 – 1 StR 81/​18 Rn. 32 sowie EuGH, Urteil vom 05.12.2017 – – C‑42/​17 Rn. 51 f., 59[]
  4. vgl. Bon­gart­z/­Schrö­er-Schal­len­ber­g/­Bon­gartz, Ver­brauch­steu­er­recht, 3. Aufl., E 35[]

Bild­nach­weis:

  • Sattelzugmaschine,Sattelschlepper,LKW: Pixabay