Bei­hil­fe zur Steu­er­hin­ter­zie­hung durch Unter­las­sen – und die Strafrahmenverschiebung

Bei der vom Straf­tat­be­stand der Steu­er­hin­ter­zie­hung durch Unter­las­sen (§ 370 Abs. 1 Nr. 2 AO) vor­aus­ge­setz­ten Erklä­rungs­pflicht han­delt es sich um ein beson­de­res per­sön­li­ches Merk­mal im Sin­ne des § 28 Abs. 1 StGB [1], das eine Straf­rah­men­ver­schie­bung eröffnet.

Bei­hil­fe zur Steu­er­hin­ter­zie­hung durch Unter­las­sen – und die Strafrahmenverschiebung

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs schei­det eine wei­te­re Straf­rah­men­ver­schie­bung gemäß § 28 Abs. 1 StGB ledig­lich dann aus, wenn die Tat allein wegen des Feh­lens des straf­be­grün­den­den per­sön­li­chen Merk­mals als Bei­hil­fe statt als Täter­schaft zu wer­ten ist [2].

Täter einer Steu­er­hin­ter­zie­hung durch Unter­las­sen kann zwar nur der­je­ni­ge sein, der selbst zur Auf­klä­rung steu­er­li­cher Tat­sa­chen beson­ders ver­pflich­tet ist [3]. Bewer­tet das Gericht aller­dings den geleis­te­ten Tat­bei­trag bereits ohne Anknüp­fung an die­sen Umstand ledig­lich als Gehil­fen­bei­trag, lie­gen gleich­wohl die Vor­aus­set­zun­gen einer wei­te­ren Straf­rah­men­ver­schie­bung gemäß § 28 Abs. 1, § 49 Abs. 1 StGB neben der des § 27 Abs. 2, § 49 Abs. 1 StGB vor.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Sep­tem­ber 2020 – 1 StR 140/​20

  1. BGH, Urteil vom 23.10.2018 – 1 StR 454/​17[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 13.03.2019 – 1 StR 50/​19 Rn. 6[]
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 23.10.2018 – 1 StR 454/​17 Rn.19; und vom 09.04.2013 – 1 StR 586/​12, BGHSt 58, 218[]

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