Bei­hil­fe zur Steu­er­hin­ter­zie­hung in der Umsatz­steu­er­be­trugs­ket­te

Als Hil­fe­leis­tung im Sin­ne des § 27 StGB ist grund­sätz­lich jede Hand­lung anzu­se­hen, wel­che die Her­bei­füh­rung des Tat­er­fol­ges des Haupt­tä­ters objek­tiv för­dert, ohne dass sie für den Erfolg selbst ursäch­lich sein muss 1.

Bei­hil­fe zur Steu­er­hin­ter­zie­hung in der Umsatz­steu­er­be­trugs­ket­te

Ist eine Per­son in ein auf Hin­ter­zie­hung von Umsatz­steu­er aus­ge­rich­te­tes Gesamt­sys­tem inte­griert, för­dert sie, wenn sie von den ande­ren Geschäf­ten in der Lie­fer­ket­te Kennt­nis hat, als Gehil­fe mit ihrem eige­nen Bei­trag inner­halb der Lie­fer­ket­te auch jeweils eine Umsatz­steu­er­hin­ter­zie­hung der ande­ren Mit­glie­der, die an den auf Hin­ter­zie­hung der Umsatz­steu­er gerich­te­ten Geschäf­ten betei­ligt sind 2.

Gehil­fen­vor­satz liegt vor, wenn der Gehil­fe die Haupt­tat in ihren wesent­li­chen Merk­ma­len kennt und in dem Bewusst­sein han­delt, durch sein Ver­hal­ten das Vor­ha­ben des Haupt­tä­ters zu för­dern; Ein­zel­hei­ten der Haupt­tat braucht er nicht zu ken­nen 3. Ent­schei­dend ist, dass der Gehil­fe die Dimen­si­on der Tat erfas­sen kann 4. Ob der Gehil­fe den Erfolg der Haupt­tat wünscht oder ihn lie­ber ver­mei­den wür­de, ist dage­gen nicht ent­schei­dend. Es reicht, dass die Hil­fe an sich geeig­net ist, die frem­de Haupt­tat zu för­dern oder zu erleich­tern, und der Hil­fe­leis­ten­de dies weiß 5.

Ob bei Bei­hil­fe Tat­ein­heit oder Tat­mehr­heit anzu­neh­men ist, hängt von der Anzahl der Bei­hil­fe­hand­lun­gen und der vom Gehil­fen geför­der­ten Haupt­ta­ten ab:

  • Tat­mehr­heit gemäß § 53 StGB ist anzu­neh­men, wenn durch meh­re­re Hil­fe­leis­tun­gen meh­re­re selbst­stän­di­ge Taten geför­dert wer­den, also den Haupt­ta­ten jeweils eigen­stän­di­ge Bei­hil­fe­hand­lun­gen zuzu­ord­nen sind.
  • Dage­gen liegt eine ein­heit­li­che Bei­hil­fe i.S.v. § 52 StGB vor, wenn der Gehil­fe mit einer ein­zi­gen Unter­stüt­zungs­hand­lung zu meh­re­ren Haupt­ta­ten eines ande­ren Hil­fe leis­tet 6.

Das­sel­be gilt wegen der Akzess­orie­tät der Teil­nah­me, wenn sich meh­re­re Unter­stüt­zungs­hand­lun­gen auf die­sel­be Haupt­tat bezie­hen 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. Juli 2015 – 1 StR 447/​14

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 01.08.2000 – 5 StR 624/​99, BGHR StGB § 27 Abs. 1 Hil­fe­leis­ten 21[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 11.12 2002 – 5 StR 212/​02, NStZ 2003, 268[]
  3. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 01.08.2000 – 5 StR 624/​99, BGHR StGB § 27 Abs. 1 Hil­fe­leis­ten 21 mwN[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 13.01.2015 – 1 StR 454/​14, NStZ-RR 2015, 75[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 01.08.2000 – 5 StR 624/​99, BGHR StGB § 27 Abs. 1 Hil­fe­leis­ten 21[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 04.03.2008 – 5 StR 594/​07, wis­tra 2008, 217[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 01.08.2000 – 5 StR 624/​99, BGHSt 46, 107[]