Bei­hil­fe zur Steu­er­hin­ter­zie­hung – und die Straf­zu­mes­sung

Gemäß § 28 Abs. 1 StGB ist die Stra­fe nach § 49 Abs. 1 StGB zu mil­dern, wenn bei dem Teil­neh­mer beson­de­re per­sön­li­che Merk­ma­le feh­len, wel­che die Straf­bar­keit des Täters begrün­den. Die sich auf die Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen der Pflicht­wid­rig­keit nach § 370 Abs. 1 Nr. 2 AO grün­den­de steu­er­li­che Erklä­rungs­pflicht ist nach der geän­der­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ein straf­bar­keits­be­grün­den­des beson­de­res per­sön­li­ches Merk­mal nach § 28 Abs. 1 StGB1.

Bei­hil­fe zur Steu­er­hin­ter­zie­hung – und die Straf­zu­mes­sung

Bei einem Gehil­fen, der im Zeit­punkt der Gehil­fen­hand­lung nicht selbst zur Auf­klä­rung der Finanz­be­hör­de ver­pflich­tet ist, ist daher eine Straf­rah­men­ver­schie­bung nach § 28 Abs. 1, § 49 Abs. 1 StGB neben der Mil­de­rung nach § 27 Abs. 2, § 49 Abs. 1 StGB vor­zu­neh­men, es sei denn, das Tat­ge­richt hät­te allein wegen Feh­lens der Erklä­rungs­pflicht Bei­hil­fe statt Täter­schaft ange­nom­men2.

Eine sol­che Pflicht zur Auf­klä­rung der Finanz­be­hör­den besteht nicht, wenn der Gehil­fe nicht wie ein fak­ti­scher Geschäfts­füh­rer als Ver­fü­gungs­be­fug­ter der ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Gesell­schaf­ten auf­ge­tre­ten ist3, son­dern sei­ne Auf­ga­be als Ban­den­mit­glied vor allem dar­in bestand, Schein­rech­nun­gen für den Han­del mit Abdeck- bzw. Schein­rech­nun­gen und damit für die Hin­ter­zie­hung von Umsatz­steu­er zu erstel­len.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Mai 2019 – 1 StR 92/​19

  1. BGH, Urteil vom 23.10.2018 – 1 StR 454/​17
  2. vgl. BGH, Urteil vom 23.10.2018 – 1 StR 454/​17; und Beschluss vom 13.03.2019 – 1 StR 50/​19, jeweils mwN
  3. vgl. dazu BGH, Urteil vom 09.04.2013 – 1 StR 586/​12, BGHSt 58, 218, 232