Der Vor­satz der Steu­er­hin­ter­zie­hung – und der Tat­be­standsirr­tum

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs gehört zum Vor­satz der Steu­er­hin­ter­zie­hung, dass der Täter den Steu­er­an­spruch dem Grun­de und der Höhe nach kennt oder zumin­dest für mög­lich hält und ihn auch ver­kür­zen will 1.

Der Vor­satz der Steu­er­hin­ter­zie­hung – und der Tat­be­standsirr­tum

Es genügt, dass der Täter die Ver­wirk­li­chung der Merk­ma­le des gesetz­li­chen Tat­be­stands für mög­lich hält und bil­li­gend in Kauf nimmt (Even­tu­al­vor­satz). Der Hin­ter­zie­hungs­vor­satz setzt kei­ne siche­re Kennt­nis des Steu­er­an­spruchs vor­aus 2.

Für beding­ten Vor­satz reicht es aus, dass der Täter anhand einer lai­en­haf­ten Bewer­tung der Umstän­de erkennt, dass ein Steu­er­an­spruch exis­tiert, auf den er ein­wirkt, sog. "Par­al­lel­wer­tung in der Lai­en­sphä­re" 3.

Nimmt der Steu­er­pflich­ti­ge irr­tüm­lich an, ein Steu­er­an­spruch sei nicht ent­stan­den, liegt ein Tat­be­standsirr­tum vor, der gemäß § 16 Abs. 1 Satz 1 StGB den Vor­satz aus­schließt 4. Hält er die Exis­tenz eines Steu­er­an­spruchs für mög­lich und lässt er die Finanz­be­hör­den über die Besteue­rungs­grund­la­gen gleich­wohl in Unkennt­nis, fin­det er sich also mit der Mög­lich­keit der Steu­er­ver­kür­zung ab, han­delt er dage­gen mit beding­tem Vor­satz 5.

Inso­weit ist das Vor­stel­lungs­bild des Täters ent­schei­dend. Die Prü­fung der Fra­ge, ob ein Tat­be­standsirr­tum bestan­den hat, bedarf einer Gesamt­wür­di­gung aller Umstän­de, die für das Vor­stel­lungs­bild des Täters von Bedeu­tung waren. Die Annah­me einer vor­sätz­li­chen Tat­be­ge­hung setzt aber nicht die Fest­stel­lung vor­aus, dass sich der Steu­er­pflich­ti­ge kon­kre­te Vor­stel­lun­gen über die kor­rek­te steu­er­recht­li­che Ein­ord­nung des von ihm nicht oder unrich­tig erklär­ten Sach­ver­hal­tes gemacht hat 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Janu­ar 2019 – 1 StR 347/​18

  1. BGH, Urtei­le vom 08.09.2011 – 1 StR 38/​11, NStZ 2012, 160 Rn. 21; und vom 24.01.2018 – 1 StR 331/​17, NStZ-RR 2018, 180, 182 mwN[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 08.09.2011 – 1 StR 38/​11, NStZ 2012, 160 Rn. 21, 24[]
  3. vgl. auch BFH, Urteil vom 21.02.1992 – – VI R 141/​88, BSt­Bl – II 1992, 565, 568 mwN[]
  4. BGH, Urtei­le vom 08.09.2011 – 1 StR 38/​11, NStZ 2012, 160 Rn. 22; und vom 24.01.2018 – 1 StR 331/​17, NStZ-RR 2018, 180, 182 mwN[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 08.09.2011 – 1 StR 38/​11, NStZ 2012, 160 Rn. 26[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 08.09.2011 – 1 StR 38/​11, NStZ 2012, 160 Rn. 21, 25, 27[]