Die durch Steu­er­hin­ter­zie­hun­gen erspar­ten Auf­wen­dun­gen

Sind durch Steu­er­hin­ter­zie­hun­gen erspar­te Auf­wen­dun­gen in Höhe nicht gezahl­ter Steu­ern erlangt, stel­len Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de, die mit dem ent­spre­chen­den Geld­be­trag ange­schafft wur­den, kei­ne Sur­ro­ga­te des Erlang­ten dar. Erspar­te Auf­wen­dun­gen als nicht­ge­gen­ständ­li­che Vor­tei­le ver­brau­chen sich bereits mit ihrer Inan­spruch­nah­me und unter­lie­gen von vorn­her­ein dem Wert­er­satz­ver­fall nur in ent­spre­chen­der Höhe; dies gilt auch in sog. Ver­schie­bungs­fäl­len.

Die durch Steu­er­hin­ter­zie­hun­gen erspar­ten Auf­wen­dun­gen

Dies ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hof zu einem Fall, bei dem gemäß Art. 316h Satz 2 EGStGB noch das vor dem 1.07.2017 gel­ten­de Recht zur straf­recht­li­chen Ver­mö­gens­ab­schöp­fung Anwen­dung fand.

Maß­geb­lich für die recht­li­che Beur­tei­lung ist – wie das Land­ge­richt ge15 stützt auf einen Beschluss des Kam­mer­ge­richts zur Teil­auf­he­bung eines ding­li­chen Arrests im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren 1 zutref­fend aus­ge­führt hat – die Bestim­mung des "erlang­ten Etwas" im Sin­ne von § 73 Abs. 1 Satz 1 StGB aF zum Einen bezo­gen auf die Ange­klag­ten und zum Ande­ren bezo­gen auf die Ver­falls­be­tei­lig­ten als begüns­tig­te Drit­te im Sin­ne von § 73 Abs. 3 StGB aF im Rah­men eines hier vor­lie­gen­den sog. Ver­schie­bungs­falls.

Im hier ent­schie­de­nen Fall haben die Ange­klag­ten aus den Steu­er­hin­ter­zie­hun­gen erspar­te Auf­wen­dun­gen im Sin­ne von § 73 Abs. 1 Satz 1 StGB aF erlangt. In Höhe von meh­re­ren Mil­lio­nen Euro wur­den Steu­ern zu nied­rig fest­ge­setzt. Davon haben die Ange­klag­ten Teil­be­trä­ge in meh­re­re Immo­bi­li­en inves­tiert.

Der Ver­fall nach § 73 Abs. 1 Satz 1 StGB aF erstreckt sich nach sei­nem Umfang grund­sätz­lich nur auf das unmit­tel­bar erlang­te Etwas 2. Denn die Abschöp­fung muss spie­gel­bild­lich dem Ver­mö­gens­vor­teil ent­spre­chen, den der Täter gera­de aus der Tat gezo­gen hat 3. Mit­tel­bar – durch die Ver­wer­tung der Tat­beu­te – erlang­te Ver­mö­gens­zu­wäch­se kön­nen nur als Sur­ro­gat auf­grund einer Anord­nung nach § 73 Abs. 2 Satz 2 StGB aF für ver­fal­len erklärt wer­den 4.

Unmit­tel­bar durch die Steu­er­hin­ter­zie­hun­gen erlangt sind vor­lie­gend erspar­te Auf­wen­dun­gen in Höhe nicht gezahl­ter Steu­ern 5. Die Immo­bi­li­en stel­len kei­ne Sur­ro­ga­te dar. Denn es han­delt sich inso­weit nicht um Gegen­stän­de, die die Ange­klag­ten durch die Ver­äu­ße­rung eines erlang­ten Gegen­stan­des im Sin­ne von § 73 Abs. 2 Satz 2 StGB aF erwor­ben haben. § 73 Abs. 2 Satz 2 StGB aF setzt vor­aus, dass der erlang­te Ver­mö­gens­vor­teil in einem bestimm­ten Gegen­stand (Sache oder Recht) besteht, des­sen Eigen­tü­mer oder Rechts­in­ha­ber der Täter gewor­den ist 6. Dies ist hier nicht der Fall, denn das aus den Taten Erlang­te bestand in erspar­ten Auf­wen­dun­gen, die nicht gegen­ständ­lich, son­dern nur in Gestalt einer betrags­mä­ßi­gen Ver­mö­gens­meh­rung erfass­bar sind 7.

Dem­entspre­chend unter­lag das erlang­te Etwas auch von vorn­her­ein – also bereits auf der Umsatz­stu­fe der Ange­klag­ten – dem Wert­er­satz­ver­fall nach § 73a Satz 1 StGB aF in ent­spre­chen­der Höhe, da sich erspar­te Auf­wen­dun­gen als nicht­ge­gen­ständ­li­che Vor­tei­le bereits mit ihrer Inan­spruch­nah­me ver­brau­chen 8. Dem­ge­mäß sind auch etwai­ge spä­te­re Wert­stei­ge­run­gen (eines mit dem ent­spre­chen­den Geld­be­trag ange­schaff­ten Ver­mö­gens­ge­gen­stan­des) für den Ver­fall uner­heb­lich. Denn – sofern wegen der Beschaf­fen­heit des Erlang­ten von vorn­her­ein nur Wert­er­satz in Betracht kommt – ist für die Ver­falls­an­ord­nung der Wert im Zeit­punkt der Erlan­gung maß­geb­lich 9.

Die Höhe des gegen die Ver­falls­be­tei­lig­ten gemäß § 73 Abs. 3 StGB aF gerich­te­ten Wert­er­satz­an­spruchs bestimmt sich nach dem Wert der in die Immo­bi­li­en inves­tier­ten Beträ­ge.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat dabei im hier ent­schie­de­nen Fall zunächst die Vor­aus­set­zun­gen eines soge­nann­ten Ver­schie­bungs­falls bejaht, bei dem der Täter dem gemäß § 73 Abs. 3 StGB aF haf­ten­den Drit­ten die Tat­vor­tei­le – den zunächst selbst erlang­ten Gegen­stand oder den ent­spre­chen­den Wert­er­satz – unent­gelt­lich oder auf­grund eines bema­kel­ten Rechts­ge­schäfts zukom­men lässt, um sie dem Zugriff des Gläu­bi­gers zu ent­zie­hen oder um die Tat zu ver­schlei­ern 10. Ein Ver­schie­bungs­fall kommt auch dann in Betracht, wenn – wie vor­lie­gend – das Erlang­te ledig­lich aus erspar­ten Auf­wen­dun­gen besteht 11.

Die Ver­falls­be­tei­lig­ten erwar­ben zwar über zwi­schen­ge­schal­te­te Gesell­schaf­ten die Immo­bi­li­en, die­se stel­len jedoch – wie aus­ge­führt – kei­ne Gegen­stän­de dar, die als Tat­erlö­se ("erlang­tes Etwas") an die Ver­falls­be­tei­lig­ten wei­ter gelei­tet wur­den. Viel­mehr wur­den nur die in die Immo­bi­li­en inves­tier­ten Beträ­ge über Zwi­schen­schrit­te auf die Ver­falls­be­tei­lig­ten ver­scho­ben 12.

Die Anwend­bar­keit des § 73 Abs. 3 StGB aF auf Ver­schie­bungs­fäl­le ändert nichts an der Grund­vor­aus­set­zung des Ver­falls, dass die Vor­tei­le, die der Drit­te erlangt hat, "aus der Tat" im Sin­ne von § 73 Abs. 1 Satz 1 StGB aF stam­men müs­sen 13. Der für die Anwen­dung des § 73 Abs. 3 StGB erfor­der­li­che Berei­che­rungs­zu­sam­men­hang stellt inso­weit ledig­lich die not­wen­di­ge Ver­knüp­fung zwi­schen dem durch die Straf­tat Erlang­ten und dem Drit­ten­be­güns­tig­ten her, lässt aber das Grund­prin­zip der straf­recht­li­chen Ver­mö­gens­ab­schöp­fung unbe­rührt, dass sich die Abschöp­fung der Gesamt­heit der Ver­mö­gens­wer­te auf das­je­ni­ge beschränkt, was dem Tat­be­tei­lig­ten oder Dritt­be­güns­tig­ten – unmit­tel­bar oder kraft Erstre­ckung gemäß § 73 Abs. 2 StGB aF mit­tel­bar – aus der Ver­wirk­li­chung des Tat­be­stands in irgend­ei­ner Pha­se des Tat­ab­laufs zuge­flos­sen ist 14. Dies waren aber allein die erspar­ten Auf­wen­dun­gen, so dass sich der Ver­fall auch bezo­gen auf die Ver­falls­be­tei­lig­ten von vorn­her­ein auf den ent­spre­chen­den Wert­er­satz rich­te­te.

Dem­entspre­chend schei­det vor­lie­gend ein Zugriff auf den jewei­li­gen Ver­kehrs­wert in Form des Ver­äu­ße­rungs­er­lö­ses bzw. in Form des aktu­el­len Immo­bi­li­en­werts aus.

Aus dem im Rah­men des § 73 Abs. 1 Satz 1 StGB gel­ten­den Brut­to­prin­zip folgt – anders als die Revi­si­on gel­tend macht – nichts ande­res. Die­ses besagt ledig­lich, dass der erlang­te wirt­schaft­li­che Wert "brut­to", also ohne gewinn­min­dern­de Abzü­ge, anzu­set­zen ist 15. Im vor­lie­gen­den Fall geht es indes­sen nicht um die Anrech­nung gewinn­min­dern­der Abzü­ge, son­dern um die Bestim­mung des aus der Tat Erlang­ten bei dem Dritt­be­güns­tig­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Dezem­ber 2018 – 1 StR 36/​17

  1. vgl. KG, Beschluss vom 01.03.2016 – 4 Ws 6/​16161 AR 2/​16, OLGSt StGB § 73 Nr. 6[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 08.02.2018 – 3 StR 560/​17 10; und vom 29.11.2017 – 2 StR 271/​17 26 ff.; Schmidt in Leip­zi­ger Kom­men­tar, StGB, 12. Aufl., § 73 Rn. 17[]
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 29.11.2017 – 2 StR 271/​17 26; und vom 02.12 2005 – 5 StR 119/​05, BGHSt 50, 299, 309; BVerfG, Beschluss vom 14.06.2004 – 2 BvR 1136/​03, StV 2004, 409, 411[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 08.02.2018 – 3 StR 560/​17 10; Beschluss vom 21.08.2018 – 2 StR 311/​18 14[]
  5. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 11.05.2016 – 1 StR 118/​16, NStZ 2016, 731; vom 27.01.2015 – 1 StR 613/​14, NStZ 2015, 469, 470; und vom 28.06.2011 – 1 StR 37/​11, wis­tra 2011, 394, 395 Rn. 11[]
  6. vgl. Schmidt in Leip­zi­ger Kom­men­tar, StGB, 12. Aufl., § 73 Rn. 45[]
  7. vgl. BGH, Beschluss vom 04.07.2018 – 1 StR 244/​18, wis­tra 2018, 471, 472; Heu­che­mer in Beck­OK, StGB, 38. Edi­ti­on, § 73a Rn. 7; Fischer, StGB, 66. Aufl., § 73a Rn. 13[]
  8. vgl. Schmidt in Leip­zi­ger Kom­men­tar, StGB, 12. Aufl., § 73 Rn. 22; Fischer, StGB, 66. Aufl., § 73c Rn. 6[]
  9. vgl. Joecks in Mün­che­ner Kom­men­tar, StGB, 3. Aufl., § 73a Rn. 16 f.; sie­he auch BGH, Beschluss vom 06.06.2018 – 4 StR 569/​17, NJW 2018, 3325, 3326 f. Rn. 24 ff.[]
  10. vgl. dazu BGH, Urteil vom 23.10.2013 – 5 StR 505/​12, NStZ 2014, 89, 94 Rn. 56 mwN[]
  11. vgl. BGH, Urtei­le vom 03.12 2013 – 1 StR 53/​13, wis­tra 2014, 219, 222 Rn. 38; und vom 23.10.2013 – 5 StR 505/​12, NStZ 2014, 89, 94 Rn. 57 mwN[]
  12. vgl. KG, Beschluss vom 01.03.2016 – 4 Ws 6/​16161 AR 2/​16, OLGSt StGB § 73 Nr. 6, S. 15[]
  13. vgl. OLG Ros­tock, Beschluss vom 13.05.2013 – Ws 61/​13, wis­tra 2013, 361, 363; KG, Beschluss vom 01.03.2016 – 4 Ws 6/​16161 AR 2/​16, OLGSt StGB § 73 Nr. 6, S. 15 f.[]
  14. vgl. auch BGH, Urteil vom 23.10.2013 – 5 StR 505/​12, NStZ 2014, 89, 94 Rn. 58 sowie BT-Drs. 18/​9525, S. 47 zu dem seit dem 1.07.2017 gel­ten­den Recht[]
  15. vgl. BGH, Urteil vom 19.01.2012 – 3 StR 343/​11, BGHSt 57, 79, 84 f. Rn. 18[]