Die Stra­BEG-Erklä­rung und der Ver­lust­vor­trag

Ein zu Guns­ten des Steu­er­pflich­ti­gen feh­ler­haf­ter Grund­la­gen­be­scheid kann ein Steu­er­vor­teil i.S. von § 370 Abs. 1 (2. Tat­er­folgs­al­ter­na­ti­ve) der Abga­ben­ord­nung sein 1. Nach der Recht­spre­chung des BGH ist ein Steu­er­vor­teil in die­sem Sin­ne bereits erlangt, wenn zu Guns­ten des Steu­er­pflich­ti­gen ein feh­ler­haf­ter Bescheid über die Fest­stel­lung des ver­blei­ben­den (vor­trags­fä­hi­gen) Ver­lust­ab­zugs ergeht 2.

Die Stra­BEG-Erklä­rung und der Ver­lust­vor­trag

Unge­ach­tet der hier­an von Tei­len der Lite­ra­tur geüb­ten Kri­tik ist die­se höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung der Straf­ge­richts­bar­keit bei der Aus­le­gung der straf­recht­li­chen Tat­be­stands­merk­ma­le im Straf­be­frei­ungs­er­klä­rungs­ge­setz (Stra­BEG) maß­geb­lich zu berück­sich­ti­gen. Für den Streit­fall bedeu­tet dies, dass der Klä­ger und Revi­si­ons­be­klag­te durch die Abga­be inhalt­lich fal­scher Steu­er­erklä­run­gen für den Amnes­tie­zeit­raum unter Ver­schwei­gen steu­er­pflich­ti­ger Ein­künf­te bereits vor dem maß­geb­li­chen Stich­tag des 18.10.2003 (§ 1 Abs. 7 Stra­BEG) eine voll­ende­te Steu­er­hin­ter­zie­hung und damit eine Tat i.S. des § 1 Abs. 1 Satz 1 Stra­BEG began­gen hat. Er war des­halb zur Abga­be einer straf­be­frei­en­den Erklä­rung berech­tigt. Die von ihm abge­ge­be­ne Erklä­rung unter Anga­be der bis­her ver­schwie­ge­nen, im Amnes­tie­zeit­raum erziel­ten Ein­künf­te hat die for­mel­len und tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen erfüllt, die zur Straf­be­frei­ung (§ 4 Stra­BEG) füh­ren.

Der Kon­zep­ti­on des Stra­BEG ent­spricht es, dass sich die Straf­be­frei­ung auch steu­er­recht­lich aus­wirkt (§§ 8 ff. Stra­BEG). Der Geset­zes­zweck, dem Steu­er­pflich­ti­gen eine Brü­cke zur Rück­kehr in die Steu­er­ehr­lich­keit zu bau­en 3, wird somit durch eine (dop­pel­te) Pri­vi­le­gie­rung in straf­recht­li­cher und in steu­er­li­cher Hin­sicht ver­folgt. Die­sem Geset­zes­zweck wird nur eine Geset­zes­aus­le­gung gerecht, bei der sich die Pri­vi­le­gie­rung jeden­falls auf die Nach­erklä­rung von sol­chen Ein­künf­ten erstreckt, die in das zu ver­steu­ern­de Ein­kom­men von Ver­an­la­gungs­zeit­räu­men des Amnes­tie­zeit­raums ein­flie­ßen, selbst wenn und soweit sie im Amnes­tie­zeit­raum noch kei­ne kon­kre­te steu­er­li­che Aus­wir­kung haben.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 11. Okto­ber 2013 – VIII R 26/​10

  1. BGH, Beschluss vom 10.12 2008 – 1 StR 322/​08, BGHSt 53, 99[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 02.11.2010 – 1 StR 544/​09, NStZ 2011, 294[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 12.12 2007 – X R 31/​06, BFHE 219, 498, BSt­Bl II 2008, 344; BFH, Beschluss vom 02.06.2005 – IX B 59/​05, BFH/​NV 2005, 1498[]