Ein­nah­men aus Bank­gut­ha­ben – und ihre steu­er­li­che Zuord­nung

Für die steu­er­li­che Zuord­nung der Ein­nah­men und der ent­stan­de­nen Aus­ga­ben ist von Bedeu­tung, ob die Bank­gut­ha­ben des Ange­klag­ten zu den Tat­zei­ten Teil sei­nes Pri­vat­ver­mö­gens und die Wert­pa­pier­käu­fe eine pri­va­te Ver­mö­gens­an­la­ge waren (bzw. gewor­den waren), die Zins­er­trä­ge damit Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen sind, oder ob der Ver­mö­gens­stock in Gestalt der strei­ti­gen Wert­pa­pie­re bzw. der Wert­pa­pier­de­pots zu sei­nem Betriebs­ver­mö­gen gehör­te und die Anund Ver­käu­fe wei­te­rer Wert­pa­pier­an­la­gen betrieb­lich ver­an­lasst waren, somit die Zins­er­trä­ge sowie dann auch die Gewin­ne aus der Ver­äu­ße­rung von Wert­pa­pie­ren bzw. Wert­pa­pier­de­pots als Ein­künf­te aus selb­stän­di­ger Tätig­keit, wenn nicht gar aus Gewer­be­be­trieb 1, mit­hin als steu­er­ba­re Vor­gän­ge, zu qua­li­fi­zie­ren sind.

Ein­nah­men aus Bank­gut­ha­ben – und ihre steu­er­li­che Zuord­nung

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs kön­nen Wirt­schafts­gü­ter, die weder not­wen­di­ges Betriebs­ver­mö­gen noch not­wen­di­ges Pri­vat­ver­mö­gen dar­stel­len, als gewill­kür­tes Betriebs­ver­mö­gen berück­sich­tigt wer­den.

Not­wen­di­ges Betriebs­ver­mö­gen ist anzu­neh­men, wenn Wirt­schafts­gü­ter objek­tiv erkenn­bar zum unmit­tel­ba­ren Ein­satz im Betrieb bestimmt sind 2; sie sind ohne Ein­la­ge­hand­lung (Wid­mungs­akt) dem Betriebs­ver­mö­gen zuzu­ord­nen.

Dem gewill­kür­ten Betriebs­ver­mö­gen kön­nen Wirt­schafts­gü­ter nur zuge­rech­net wer­den, wenn sie zum Zeit­punkt der Vor­nah­me des Rechts­ge­schäfts objek­tiv dazu geeig­net und sub­jek­tiv dazu bestimmt sind, den Betrieb zu för­dern (z.B. durch Stär­kung des Kapi­tals) 3 und der Betriebs­in­ha­ber sei­nen dies­be­züg­li­chen Wil­len durch einen unmiss­ver­ständ­lich, zeit­nah und unum­kehr­bar doku­men­tier­ten Wid­mungs­akt nach außen klar erkenn­bar zum Aus­druck gebracht hat 4.

Es ist daher zu prü­fen, ob für die Zuord­nung des Ver­mö­gens­stocks in Gestalt des Bank­gut­ha­bens bzw. der strei­ti­gen Wert­pa­pie­re (Wert­pa­pier­de­pots) zum gewill­kür­ten Betriebs­ver­mö­gen des Ange­klag­ten die­ser nach außen erkenn­ba­re Wid­mungs­akt, bei­spiels­wei­se durch Auf­nah­me in ein betrieb­li­ches Bestands­bzw. Anla­ge­ver­zeich­nis 5, vor­han­den war. Dabei wür­den die Umstän­de, dass ein Steu­er­pflich­ti­ger bei dem Abschluss von Wert­pa­pier­ge­schäf­ten nicht durch ent­spre­chen­de Auf­zeich­nun­gen unmiss­ver­ständ­lich sei­nen Wil­len bekun­det, die Geschäf­te sei­ner betrieb­li­chen Sphä­re zuzu­ord­nen, und die Zins­er­trä­ge dar­aus auch nicht im Rah­men sei­ner Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung bei den Ein­künf­ten aus selb­stän­di­ger Tätig­keit angibt, eine pri­va­te Ver­an­las­sung bele­gen. pri­va­te Ver­an­las­sung bele­gen.

Soll­te das Tat­ge­richt zu dem Ergeb­nis gelan­gen, dass das über­las­se­ne Kapi­tal unter Berück­sich­ti­gung des Ver­trags­zwecks des zu den Bank­un­ter­la­gen gereich­ten Treu­hand­ver­trags ursprüng­lich (gewill­kür­tes) Betriebs­ver­mö­gen war, wird es eine Ent­wid­mung durch Fol­ge­rechts­ge­schäf­te zu prü­fen haben.

Als Wid­mungs­o­der Ent­wid­mungs­ak­te kom­men z.B. zu den Ban­ko­der Depot­un­ter­la­gen gereich­te Erklä­run­gen, Ver­trä­ge bzw. Zweck­be­stim­mun­gen in Rechts­ge­schäf­ten (Errich­tung von Stif­tun­gen, Ände­run­gen in deren Regu­la­ri­en, ange­ge­be­ner Ver­trags­zweck beim Abschluss von Lebens­ver­si­che­run­gen u.a.) in Betracht.

In die­sem Zusam­men­hang wird auch in den Blick zu neh­men sein, dass Geld­ge­schäf­te, die ihrer Art nach zu Ein­künf­ten i.S.d. § 20 EStG füh­ren, grund­sätz­lich getrennt von der frei­be­ruf­li­chen Tätig­keit zu beur­tei­len sind 6, ins­be­son­de­re wenn es dem Steu­er­pflich­ti­gen im Wesent­li­chen auf den Ertrag aus der Kapi­tal­an­la­ge ankommt 7. Den Ein­künf­ten aus selb­stän­di­ger Arbeit sind Geld­ge­schäf­te nur zuzu­rech­nen, wenn sie als Hilfs­ge­schäft zur frei­be­ruf­li­chen Tätig­keit ange­se­hen wer­den kön­nen, zum Bei­spiel in Form eines mit der Bank ver­bind­lich ver­ein­bar­ten Finan­zie­rungs­kon­zepts für den Betrieb 8. Hoch­ver­zins­li­che Anla­ge­ge­schäf­te, wie sie der Ange­klag­te vor­ge­nom­men hat, wer­den nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ohne­hin vor­wie­gend im pri­va­ten Bereich getä­tigt und sind nur im Ein­zel­fall betrieb­lich ver­an­lasst 9.

Betriebs­aus­ga­ben i.S.d. § 4 Abs. 4 EStG kön­nen nur bei Gewinn­ein­künf­ten als Abzugs­pos­ten berück­sich­tigt wer­den. Sie ste­hen im Gegen­satz zu den Wer­bungs­kos­ten, die die Über­schus­s­ein­künf­te min­dern (§ 2 Abs. 2 Nr. 2 EStG). Von den Kapi­tal­erträ­gen, hät­te er sie erklärt, hät­te der Ange­klag­te des­halb kei­ne Betriebs­aus­ga­ben aus sei­ner selb­stän­di­gen Tätig­keit abset­zen kön­nen. Soweit er aus Erträ­gen der ange­leg­ten Gel­der beruf­li­che Aus­ga­ben getä­tigt hat, wie er in der Haupt­ver­hand­lung behaup­tet hat, hät­ten die­se daher allen­falls (im Wege der Geld­ein­la­ge) als Betriebs­aus­ga­ben bei sei­nen Ein­künf­ten aus selb­stän­di­ger Arbeit abge­zo­gen wer­den kön­nen, sodass ent­spre­chen­de Abzü­ge in die­sem Zusam­men­hang zu berück­sich­ti­gen sein könn­ten.

Da der Ange­klag­te in sei­nen Steu­er­erklä­run­gen Ein­künf­te aus selb­stän­di­ger Tätig­keit erklärt hat, wird das neue Tat­ge­richt daher prü­fen müs­sen, ob und in wel­cher Höhe der Ange­klag­te in den Tat­zeit­räu­men über­haupt nach­weis­lich beruf­li­chen Auf­wand hat­te, in wel­cher Höhe er die­sen in sei­nen Steu­er­erklä­run­gen gel­tend gemacht hat und die­ser vom Finanz­amt bereits steu­er­min­dernd berück­sich­tigt wor­den ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Janu­ar 2019 – 1 StR 347/​18

  1. vgl. FG Rhein­land-Pfalz, EFG 1996, 712 f.; vgl. auch Schmidt/​Wacker, EStG, 37. Aufl., § 15 Rn. 150 „Detek­tiv” mwN
  2. z.B. BFH, Urteil vom 08.02.1985- III R 169/​82, BFH/​NV 1985, 80, 81 f. mwN
  3. vgl. BFH, Urtei­le vom 17.05.2011 – VIII R 1/​08, DB 2011, 2121, 2122; und vom 23.04.2009 – IV R 87/​05, BFH/​NV 2009, 1650, 1651 mwN
  4. vgl. BFH, Urtei­le vom 02.10.2003 – IV R 13/​03, DB 2003, 2681, 2683; und vom 08.02.2011 – VIII R 18/​09, NZG 2011, 1439 Rn. 30 ff.
  5. vgl. BFH, Urteil vom 21.08.2012 – VIII R 11/​11, DB 2012, 2778 Rn.19 mwN
  6. BFH, Urteil vom 17.05.2011 – VIII R 1/​08, NJW 2011, 3742 Rn. 31 mwN
  7. vgl. BFH, Urtei­le vom 12.01.2010 – VIII R 34/​07, DStR 2010, 920 Rn. 15 ff.; und vom 08.02.2011 – VIII R 18/​09, NZG 2011, 1439 Rn. 28
  8. vgl. BFH, Urteil vom 17.05.2011 – VIII R 1/​08, DStR 2011, 1802 Rn. 31; für wei­te­re Bei­spie­le vgl. BFH, Urteil vom 12.01.2010 – VIII R 34/​07, DStR 2010, 920 Rn. 15 ff.
  9. vgl. BFH, Urteil vom 23.04.2009 – IV R 87/​05, BFH/​NV 2009, 1650, 1651 mwN