Eng­lisch­spra­chi­ge Anla­ge in Ankla­ge­schrift

Für die Wirk­sam­keit der Ankla­ge genügt es, wenn die­se in ihren wesent­li­chen Tei­len in deut­scher Spra­che abge­fasst ist und den Ver­fah­rens­ge­gen­stand aus­rei­chend umgrenzt, sodass der Ange­schul­dig­te den ihm gemach­ten Tat­vor­wurf erken­nen kann.

Eng­lisch­spra­chi­ge Anla­ge in Ankla­ge­schrift

Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt der Bun­des­ge­richts­hof ein Urteil des Land­ge­richts Leip­zig bezüg­lich der Kor­rup­ti­ons­vor­wür­fe bei den Kom­mu­na­len Was­ser­wer­ken Leip­zig (KWL) in wei­tem Umfang auf­ge­ho­ben wor­den.

Der Ange­klag­te H., einen frü­he­ren Geschäfts­füh­rer der Kom­mu­na­len Was­ser­wer­ke Leip­zig, ist vom Land­ge­richt Leip­zig [1] wegen Bestech­lich­keit in drei Fäl­len, Untreue, Bilanz­fäl­schung in drei Fäl­len und Steu­er­hin­ter­zie­hung in vier Fäl­len zu vier Jah­ren und elf Mona­ten Gesamt­frei­heits­stra­fe ver­ur­teilt wor­den. Die bei­den Mit­an­ge­klag­ten B. und S. sind jeweils wegen Bestechung in drei Fäl­len zu Gesamt­frei­heits­stra­fen von drei Jah­ren und vier Mona­ten bzw. von drei Jah­ren und zehn Mona­ten ver­ur­teilt wor­den.

Nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts ver­mit­tel­ten die bei­den Mit­an­ge­klag­ten B. und S. der KWL in den Jah­ren 2005 und 2006 meh­re­re Ver­trä­ge über hoch­ris­kan­te Finanz­ge­schäf­te. Der Ange­klag­te H. för­der­te in sei­ner Tätig­keit als Geschäfts­füh­rer der KWL die­se Geschäf­te; er for­der­te und erhielt dafür von B. und S. Antei­le aus deren Pro­vi­si­ons­zah­lun­gen in Mil­lio­nen­hö­he. Die­se trans­fe­rier­te er über­wie­gend auf eige­ne Kon­ten und ver­brauch­te sie. Die Finanz­ge­schäf­te ver­schlei­er­te er und offen­bar­te sie weder in der Bilanz der KWL noch gegen­über dem Auf­sichts­rat. Sei­ne hier­durch erlang­ten Ein­künf­te ver­steu­er­te er nicht. Soweit den Ange­klag­ten vor­ge­wor­fen wur­de, zugleich mit den Kor­rup­ti­ons­de­lik­ten an Untreu­e­ta­ten betei­ligt gewe­sen zu sein, hat das Land­ge­richt Ver­fah­rens­hin­der­nis­se ange­nom­men, weil die zugrun­de­lie­gen­den Ver­trags­tex­te mit der Ankla­ge­schrift nur in eng­li­scher Spra­che mit­ge­teilt wor­den sei­en und dies einen Ver­stoß gegen § 184 Satz 1 GVG dar­stel­le, fer­ner, weil sich der staats­an­walt­schaft­li­che Ver­fol­gungs­wil­le auf eine der bei­den Taten nicht erstre­cke. Nach § 184 GVG ist die Gerichts­spra­che deutsch. Gegen die genann­ten recht­li­chen Wür­di­gun­gen wen­det sich die Gene­ral­staats­an­walt­schaft Dres­den mit ihrer Revi­si­on.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat das Urteil in wei­tem Umfang auf­ge­ho­ben. Die Vor­ge­hens­wei­se des Land­ge­richts war rechts­feh­ler­haft. Für die Wirk­sam­keit der Ankla­ge genügt es, wenn die­se in ihren wesent­li­chen Tei­len in deut­scher Spra­che abge­fasst ist und den Ver­fah­rens­ge­gen­stand aus­rei­chend umgrenzt, sodass der Ange­schul­dig­te den ihm gemach­ten Tat­vor­wurf erken­nen kann. Die­sen Anfor­de­run­gen wird die Ankla­ge gerecht. Das Land­ge­richt hät­te des­halb die ihm zur Ent­schei­dung vor­ge­leg­ten Sach­ver­hal­te auch unter dem Gesichts­punkt mög­li­cher Untreue des Ange­klag­ten H. und ggf. hier­zu geleis­te­ter Bei­hil­fe der Ange­klag­ten B. und. S. befas­sen müs­sen. Im Fal­le einer Ver­ur­tei­lung wer­den alle Rechts­fol­gen, ins­be­son­de­re auch für die Steu­er­hin­ter­zie­hung, neu fest­zu­set­zen sein.

Die Sache ist vom Bun­des­ge­richts­hof zu erneu­ter Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Land­ge­richt Dres­den ver­wie­sen wor­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. Novem­ber 2011 – 1 StR 302/​11

  1. Urteil vom 19.01.2011 – 11 KLs 395 Js 2/​10 []