Geld­stra­fe – trotz hin­ter­zo­ge­ner Umsatz­steu­er von 1,1 Mio. €

Die Ver­hän­gung von Geld­stra­fen löst sich nicht des­we­gen zwin­gend von ihrer Bestim­mung, ange­mes­se­ner Schuld­aus­gleich zu sein, weil der Ver­kür­zungs­be­trag der unrich­ti­gen Umsatz­steu­er­vor­anmel­dung 1.146.788, 70 Euro beträgt.

Geld­stra­fe – trotz hin­ter­zo­ge­ner Umsatz­steu­er von 1,1 Mio. €

Der Hin­ter­zie­hungs­be­trag ist zwar ein bestim­men­der Straf­zu­mes­sungs­grund für die Steu­er­hin­ter­zie­hung, der eine an der Höhe der ver­kürz­ten Steu­ern aus­ge­rich­te­te Dif­fe­ren­zie­rung der Ein­zel­stra­fen nahe­legt1. Allein das Aus­maß der Steu­er­ver­kür­zung kann jedoch nicht in dem Sin­ne aus­schlag­ge­bend für die Straf­hö­hen­be­mes­sung sein, dass die Stra­fe gestaf­felt nach der Höhe des Hin­ter­zie­hungs­be­tra­ges sche­ma­tisch und qua­si "tarif­mä­ßig" ver­hängt wird. Jeder Ein­zel­fall ist viel­mehr nach den von § 46 StGB vor­ge­schrie­be­nen Kri­te­ri­en zu beur­tei­len2.

Bereits bei der Straf­rah­men­wahl hat das Tat­ge­richt damit (hier:) dem typi­sier­ten Mil­de­rungs­grund der Bei­hil­fe und den beson­de­ren bei­hil­fe­be­zo­ge­nen Umstän­den, wie etwa dem Gewicht der Bei­hil­fe­hand­lun­gen, ange­mes­sen Rech­nung zu tra­gen.

Die­sen Anfor­de­run­gen hielt im hier vom Bun­des­ge­richts­hof beur­teil­ten Fall die Straf­zu­mes­sung des Land­ge­richts stand: Da hier im Hin­blick auf die Viel­zahl gewich­ti­ger Straf­mil­de­rungs­grün­de – dar­un­ter die gesund­heit­li­che Situa­ti­on der Ange­klag­ten und die gra­vie­ren­den Aus­wir­kun­gen des Straf­ver­fah­rens auf deren beruf­li­che Stel­lung als Steu­er­be­ra­ter – die Wer­tung Bestand hat, dass hier auch ohne Ver­brauch des typi­sier­ten Mil­de­rungs­grun­des der Bei­hil­fe (§ 27 StGB) kei­ne beson­ders schwe­ren Fäl­le der Steu­er­hin­ter­zie­hung im Sin­ne von § 370 Abs. 3 AO gege­ben sind, durf­te das Land­ge­richt die Ein­zel­stra­fen dem gemäß § 27 Abs. 2, § 49 Abs. 1 StGB gemil­der­ten Straf­rah­men des § 370 Abs. 1 AO ent­neh­men. Aus­ge­hend hier­von lösen sich die vom Land­ge­richt gegen die Ange­klag­ten ver­häng­ten Geld­stra­fen noch nicht nach unten von ihrer Bestim­mung, gerech­ter Schuld­aus­gleich zu sein.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Okto­ber 2017 – 1 StR 447/​14

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 18.03.1998 – 5 StR 693/​97, wis­tra 1998, 269, 270 []
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 26.09.2012 – 1 StR 423/​12, BGHR AO § 370 Abs. 1 Straf­zu­mes­sung 26 sowie die Bei­spie­le für Straf­mil­de­rungs- und Straf­schär­fungs­grün­de in BGH, Urteil vom 02.12 2008 – 1 StR 416/​08, Rn. 44 ff., BGHSt 53, 71, 81 []