Hand-Strips – und die Tabak­steu­er­hin­ter­zie­hung

Nach § 1 Abs. 2 Nr. 3 TabStG gehört zu den steu­er­ba­ren Tabak­wa­ren auch Rauch­ta­bak, der geschnit­ten oder anders zer­klei­nert ist und sich ohne wei­te­re indus­tri­el­le Bear­bei­tung zum Rau­chen eig­net.

Hand-Strips – und die Tabak­steu­er­hin­ter­zie­hung

Nach der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs [1] ist für die Annah­me steu­er­ba­ren Rauch­ta­baks ent­schei­dend, ob der nach Hit­ze­ein­wir­kung ent­ste­hen­de Rauch durch Ein­zie­hen in den Mund­raum bzw. Inha­la­ti­on genos­sen wer­den kann; nicht die Qua­li­tät des Tabaks oder sei­ne lebens­mit­tel­recht­li­che Zulas­sung, son­dern sei­ne Rauch­bar­keit ist für die Steu­er­bar­keit maß­geb­lich [2].

Der hier erwor­be­ne und wei­ter ver­äu­ßer­te Tabak soll­te nicht gegärt wer­den (Fer­men­ta­ti­on) [3]. Indes wird in der Ent­schei­dung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs vom 06.04.2017 [4] ent­spre­chend der Vor­la­ge­fra­ge durch das Obers­te Ver­wal­tungs­ge­richt der Tsche­chi­schen Repu­blik als Vor­aus­set­zung für die Steu­er­bar­keit gemäß Art. 2 Abs. 1 Buchst. c ii und Art. 5 Abs. 1 Buchst. a der Richt­li­nie 2011/​64/​EU des Rates vom 21.07.2011 über die Struk­tur und die Sät­ze der Ver­brauch­steu­ern auf Tabak­wa­ren [5] genannt, dass die Tabak­blät­ter einen ers­ten Trock­nungs­pro­zess durch­lau­fen haben und anschlie­ßend kon­trol­liert feucht gehal­ten wur­den.

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall erwarb der Ange­klag­te soge­nann­te „Hand-Strips“ oder „Strips“ aus Ita­li­en oder Polen, um die­se Tabak ent­hal­ten­den Pro­duk­te mit Gewinn wei­ter zu ver­kau­fen. Ins­be­son­de­re konn­ten die­se Tabak­pro­duk­te in „Shi­sha-Bars“ als Was­ser­pfei­fen­ta­bak ver­wen­det wer­den, und zwar, indem die Strips in den Ton­kopf der Was­ser­pfei­fen gege­ben wur­den. Bei den Hand-Strips wur­den die Mit­tel­rip­pen der getrock­ne­ten Tabak­blät­ter ent­fernt, bei den Strips die getrock­ne­ten Tabak­blät­ter geschnit­ten und in Tabak­strei­fen zer­legt. Um die Tabak­blät­ter feucht zu hal­ten, müs­sen sie mit Gly­ce­rin ver­mischt wer­den. In den Shi­sha-Bars wur­den der­art zer­klei­ner­ten Tabak­blät­tern Tro­cken­früch­te oder äthe­ri­sche Öle als Geschmacks­trä­ger bei­gefügt.

Dem Bun­des­ge­richts­hof reich­ten die­se Fest­stel­lun­gen nicht: Das Land­ge­richt hat bereits nicht aus­ge­schlos­sen, dass es sich bei der „Rest­feuch­tig­keit von ca.20 %“ um rest­li­che natür­li­che Feuch­tig­keit der Tabak­blät­ter han­del­te. Nicht fest­ge­stellt ist, wie hoch der Anteil an Feucht­hal­te­mit­teln in den vom Haupt­zoll­amt Bie­le­feld auf­grund drei­er Test­käu­fe erwor­be­nen Strips war [6]. Des­halb kann – auch ein­ge­denk einer mög­li­chen ande­ren Kon­sum­wei­se von „Shi­sha-Tabak“ – nicht abschlie­ßend beur­teilt wer­den, ob die bear­bei­te­ten Tabak­blät­ter kon­trol­liert feucht gehal­ten wur­den und es sich des­halb um „Rauch­ta­bak“ im Sin­ne die­ser Bestim­mun­gen han­del­te [7].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 1. April 2020 – 1 StR 5/​20

  1. BGH, Beschluss vom 27.07.2016 – 1 StR 19/​16 Rn. 5 und 7; und dazu Ebner, juris­PR-Steu­er R 26/​2019 Anm. 4 unter C. IV.02.[]
  2. vgl. auch FG Ham­burg, Urteil vom 07.10.2008 – 4 K 124/​08 Rn.20 ff.; BFH, Nicht­an­nah­me­be­schluss vom 30.04.2009 – VII B 243/​08[]
  3. vgl. auch FG Mün­chen, Beschluss vom 20.01.2020 – 14 V 1567/​19[]
  4. EuGH, Urteil vom 06.04.2017 – C‑638/​15[]
  5. ABl.2011, L 176, S. 24[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 27.07.2016 – 1 StR 19/​16 Rn. 7[]
  7. EuGH, Urteil vom 06.04.2017 – – C‑638/​15 Rn. 35[]