Hin­ter­zie­hung von Tabak­steu­ern – und die Ein­zie­hung der Tat­erträ­ge

Bei einem Ver­fah­ren wegen Tabak­steu­er­hin­ter­zie­hung kön­nen der Ein­zie­hungs­ent­schei­dung nicht die auf­grund des Schmug­gels geschul­de­ten Abga­ben in vol­ler Höhe zugrun­de gelegt wer­den. Bei der Ein­zie­hung des Wer­tes von Tat­erträ­gen haben die­se hier viel­mehr außer Betracht zu blei­ben.

Hin­ter­zie­hung von Tabak­steu­ern – und die Ein­zie­hung der Tat­erträ­ge

Für die Hin­ter­zie­hung von Tabak­steu­ern hat der Bun­des­ge­richts­hof in sei­ner jün­ge­ren Recht­spre­chung dar­auf abge­stellt, dass ein unmit­tel­bar mess­ba­rer wirt­schaft­li­cher Vor­teil nur dann gege­ben ist, soweit sich die Steu­er­erspar­nis im Ver­mö­gen des Täters dadurch nie­der­schlägt, dass er aus den Tabak­wa­ren einen Ver­mö­gens­zu­wachs erzielt [1]. Hin­ter­grund dafür ist die bei Ver­brauch­steu­ern bestehen­de Kor­re­la­ti­on zwi­schen dem Besitz und Inver­kehr­brin­gen der Ware sowie der Steu­er. Denn Ver­brauch­steu­ern wer­den auf (ver­brauch­steu­er­pflich­ti­ge) Waren erho­ben, die im Steuer­ge­biet in den Wirt­schafts­kreis­lauf tre­ten und ver- oder gebraucht wer­den [2].

Die Annah­me eines Ver­mö­gens­zu­wach­ses setzt vor­aus, dass der Täter eine wirt­schaft­li­che Zugriffs- und Ver­wer­tungs­mög­lich­keit hin­sicht­lich die­ser Waren hat, über die­se also wirt­schaft­lich (mit-)verfügen kann. Dies ist nicht der Fall, wenn er – wie vor­lie­gend – die Ver­fü­gungs­mög­lich­keit zwar zunächst erlangt, die­se jedoch durch die Sicher­stel­lung wie­der ver­liert. Denn auf­grund der Sicher­stel­lung ist ein (wei­te­res) Inver­kehr­brin­gen und eine wirt­schaft­li­che Ver­wer­tung der – der Steu­er unter­lie­gen­den – Waren, auf das für die Ver­brauchbzw. Waren­steu­ern als Ent­ste­hungs­tat­be­stand all­ge­mein abge­stellt wird, aus­ge­schlos­sen [3].

Soweit Tabak­steu­er – wie im vor­lie­gend vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall – auf der Grund­la­ge der Ein­fuhr aus einem Dritt­land in das deut­sche Steuer­ge­biet ange­fal­len ist (§§ 19 Abs. 1, 21 Abs. 1 Satz 1 TabStG), kann für die inso­weit außer­dem ange­fal­le­nen und hin­ter­zo­ge­nen Ein­fuhr­ab­ga­ben, mit­hin die Zoll­schuld (hier Art. 79 Abs. 1 lit. a UZK) sowie die Ein­fuhr­um­satz­steu­er (§ 1 Abs. 1 Nr. 4, § 21 Abs. 1 UStG), nichts ande­res gel­ten, denn Bezug und Ein­fuhr der Tabak­wa­ren bil­den in die­sem Fall tat­säch­lich und wirt­schaft­lich einen ein­heit­li­chen Vor­gang, so dass die Fra­ge des „erlang­ten Etwas“ im Sin­ne des § 73 Abs. 1 StGB für die Hin­ter­zie­hung der Ein­fuhr­ab­ga­ben ins­ge­samt (Art. 5 Nr.20 UZK) in glei­cher Wei­se zu bestim­men ist.

Für die­se par­al­le­le Wer­tung spricht ins­be­son­de­re die Vor­schrift des 15 Art. 124 Abs. 1 lit. e UZK, wonach die Zoll­schuld erlischt, wenn ein­fuhr- oder aus­fuhr­ab­ga­ben­pflich­ti­ge Waren beschlag­nahmt und gleich­zei­tig oder nach­fol­gend ein­ge­zo­gen wer­den. Denn die Anord­nung des Erlö­schens der (ent­stan­de­nen) Zoll­schuld für Waren, die auf­grund der Ein­zie­hung zu kei­nem Zeit­punkt in den Wirt­schafts­kreis­lauf gelangt sind, ver­deut­licht – unbe­scha­det der in Art. 124 Abs. 2 UZK vor­ge­se­he­nen Fik­ti­on des Fort­be­stehens der Zoll­schuld für Zwe­cke der Ahn­dung von Zuwi­der­hand­lun­gen – in beson­de­rer Wei­se die bei den Zöl­len – wie bei den Ver­brauch­steu­ern – bestehen­de Kor­re­la­ti­on zwi­schen dem Besitz und Inver­kehr­brin­gen der Ware sowie der hier­für bestehen­den pflich­ti­gen Abga­be [4].

Die Auf­he­bung und das Ent­fal­len der Ein­zie­hungs­an­ord­nung war im hier ent­schie­de­nen Fall inso­weit gemäß § 357 Satz 1 StPO auf den nicht revi­die­ren­den Mit­an­ge­klag­ten M. zu erstre­cken [5]. Da es sich nach den Fest­stel­lun­gen um den Wert von Tat­erträ­gen für die Nicht­zah­lung der auf­grund des von bei­den Ange­klag­ten began­ge­nen Schmug­gels han­delt, betrifft der Rechts­feh­ler auch den wegen der­sel­ben Tat ver­ur­teil­ten Mit­an­ge­klag­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 31. März 2020 – 1 StR 403/​19

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 23.05.2019 – 1 StR 479/​18 Rn. 10; vom 08.08.2019 – 1 StR 679/​18 Rn. 9; und vom 22.10.2019 – 1 StR 199/​19 Rn. 9 mwN sowie 1 StR 271/​19 Rn. 14 mwN; Urteil vom 11.07.2019 – 1 StR 620/​18, BGHSt 64, 146 Rn.20[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 22.10.2019 – 1 StR 199/​19 Rn. 9 mwN[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 22.10.2019 – 1 StR 199/​19 Rn. 10 ff.[]
  4. vgl. Hübschmann/​Hepp/​Spitaler/​Deimel, AO/​FGO, Stand Febru­ar 2017, Art. 124 UZK Rn. 43; Rüsken/​Gellert, Zoll­recht, Stand März 2020, Art. 124 UZK Rn. 10, 15; vgl. für die Ein­fuhr­um­satz­steu­er EuGH, Urteil vom 29.04.2010 – – C‑230/​08 – Dansk Trans­port og Logis­tik, Slg. 2010 I‑3799 Rz. 84, 91 zu Art. 233 lit. d VO (EWG) Nr. 2913/​92 – ZK[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 04.11.2014 – 1 StR 474/​14 Rn. 7 mwN[]