Kauf­preis­min­de­run­gen oder Ver­rech­nung von Scha­dens­er­satz – und die Steu­er­hin­ter­zie­hung

Ände­run­gen, die sich als Min­de­rung des Kauf­prei­ses dar­stel­len, ver­rin­gern das der Umsatz­steu­er unter­wor­fe­ne "Ent­gelt" i. S. von § 10 Abs. 1 Satz 1 UStG, wes­halb die Kauf­preis­min­de­rung regel­mä­ßig zu einer Ände­rung der Bemes­sungs­grund­la­ge i. S. von § 17 Abs. 1 Satz 1 UStG führt. Maß­ge­bend für die Höhe des Ent­gelts ist, was der Leis­tungs­emp­fän­ger ver­ein­ba­rungs­ge­mäß für die Leis­tung auf­wen­det.

Kauf­preis­min­de­run­gen oder Ver­rech­nung von Scha­dens­er­satz – und die Steu­er­hin­ter­zie­hung

Dem ent­spricht, dass die zunächst maß­ge­ben­de ver­ein­bar­te Bemes­sens­grund­la­ge durch eine nach­träg­li­che Ver­ein­ba­rung mit umsatz­steu­er­recht­li­cher Wir­kung ver­än­dert (erhöht oder ermä­ßigt) wer­den kann und dass die Leis­tung des Unter­neh­mers letzt­end­lich nur mit der Bemes­sungs­grund­la­ge besteu­ert wird, die sich auf­grund der von ihm ver­ein­nahm­ten Gegen­leis­tung ergibt. Ent­spre­chen­des gilt für die vom Leis­tungs­emp­fän­ger zu ent­rich­ten­de Umsatz­steu­er.

Es macht umsatz­steu­er­recht­lich kei­nen Unter­schied, ob der Bestel­ler eines Wer­kes, das sich als man­gel­haft erweist, den Werk­lohn min­dert oder das Werk behält und statt der Min­de­rung Scha­dens­er­satz wegen Nicht­er­fül­lung ver­langt 1. Einer Min­de­rung der Bemes­sungs­grund­la­ge stün­de auch nicht ent­ge­gen, wenn die Zah­lung auf einem Ver­gleich beruht. Denn für die Fra­ge, ob sich die Bemes­sungs­grund­la­ge für einen Umsatz geän­dert hat, kommt es nicht auf die jeweils ein­schlä­gi­ge zivil­recht­li­che Anspruchs­grund­la­ge, son­dern auf das umsatz­steu­er­recht­li­che Kri­te­ri­um des unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hangs an 2.

Bei blo­ßer Ver­rech­nung mit Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen bleibt dem­ge­gen­über das Ent­gelt unbe­rührt, da eine Ände­rung der Bemes­sungs­grund­la­ge inso­weit nicht ein­tritt 3. Ande­res gilt jedoch bei Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen wegen Sach­män­geln der Lie­fe­rung; die­se sind umsatz­steu­er­recht­lich einer Min­de­rung der Gegen­leis­tung gleich­zu­stel­len 4. Die Ent­schei­dung dar­über, ob es sich steu­er­recht­lich um nicht umsatz­steu­er­pflich­ti­gen ech­ten Scha­dens­er­satz oder um eine steu­er­ba­re sons­ti­ge Leis­tung han­delt, hängt davon ab, ob die Zah­lung mit einer Leis­tung des Steu­er­pflich­ti­gen in Wech­sel­be­zie­hung steht, ob also ein Leis­tungs­aus­tausch statt­ge­fun­den hat; maß­ge­bend ist der tat­säch­li­che Gesche­hens­ab­lauf 5.

Für die Beur­tei­lung, ob eine umsatz­steu­er­recht­lich erheb­li­che Ent­gelt­min­de­rung vor­liegt, kommt es, wie bereits auf­ge­zeigt, nicht dar­auf an, wie die Betei­lig­ten die Aus­gleichs­ver­ein­ba­rung dekla­rie­ren oder recht­lich gewer­tet wis­sen woll­ten, son­dern allein auf den tat­säch­li­chen Gesche­hens­ab­lauf 6.

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall bedeu­te­te dies:

Rechts­feh­ler­frei hat die Straf­kam­mer zwar zunächst aus­ge­führt, dass sich eine Anpas­sung der ursprüng­lich ver­ein­bar­ten Break-Rege­lung als Ent­gelt­min­de­rung, mit­hin als eine Teil­rück­zah­lungs­pflich­ten begrün­den­de Ände­rung der Bemes­sungs­grund­la­gen i. S. von § 17 UStG, dar­ge­stellt hät­te. Nach­dem die Par­tei­en aber ab Dezem­ber 2003 die Dis­kus­si­on um einen Aus­gleich nur noch unter dem Begriff "Scha­dens­er­satz" führ­ten, hät­te sich die Straf­kam­mer damit aus­ein­an­der­set­zen müs­sen, ob die bereits den ursprüng­li­chen Aus­gleichs­ver­hand­lun­gen zugrun­de lie­gen­den Sach­ver­hal­te auch Grund­la­ge der wei­te­ren Gesprä­che und der spä­te­ren Ver­ein­ba­rung blie­ben und inso­weit ledig­lich umde­kla­riert wur­den.

Die­se zwei­te Mög­lich­keit lag nahe, weil die Ange­klag­ten aus­weis­lich der Urteils­fest­stel­lun­gen auf eine ver­än­der­te Begrün­dung des Aus­gleichs erst dräng­ten, nach­dem ihnen bekannt war, dass eine Bewer­tung als Ent­gelt­min­de­rung erheb­li­che Teil­rück­zah­lun­gen der erstat­te­ten Vor­steu­er nach sich zie­hen wür­de. Nicht erör­tert hat die Straf­kam­mer in die­sem Zusam­men­hang fer­ner, dass – ihren eige­nen Fest­stel­lun­gen zufol­ge – eine belast­ba­re Veri­fi­zie­rung ent­stan­de­ner Schä­den zu kei­nem Zeit­punkt vor­ge­legt wer­den konn­te.

Auch die – nicht näher begrün­de­te – Annah­me der Straf­kam­mer, die Beweis­auf­nah­me habe kei­ne Anhalts­punk­te für ein kol­lu­si­ves Zusam­men­wir­ken der Ange­klag­ten mit dem Geschäfts­part­ner erbracht, lässt einen durch­grei­fen­den Erör­te­rungs­man­gel erken­nen. So hät­te die Straf­kam­mer in ihre Beweis­wür­di­gung ein­flie­ßen las­sen müs­sen, dass der Mit­ar­bei­ter des Geschäfts­part­ners im Pro­to­koll über ein geführ­tes Gespräch "Kein Preis­nach­lass wegen Finanz­be­hör­den und Rück­zah­lung der För­de­rung" ver­merkt hat­te.

Der Bun­des­ge­richts­hof kann nicht sicher aus­schlie­ßen, dass die rechts­feh­ler­haf­te Ver­ken­nung der recht­li­chen Maß­stä­be die Ver­nei­nung des Vor­sat­zes der Ange­klag­ten beein­flusst hat.

Denn die Urteils­aus­füh­run­gen las­sen erken­nen, dass die Ange­klag­ten von der steu­er­recht­li­chen Pro­ble­ma­tik und der frag­wür­di­gen recht­li­chen Zuord­nung des Anspruchs kom­plett als "ech­ter Scha­dens­er­satz" durch­aus Kennt­nis hat­ten.

Der neue Tatrich­ter wird aller­dings sowohl die Fra­ge des Vor­sat­zes als auch die eines etwai­gen Ver­bots­irr­tums kri­tisch zu wür­di­gen haben, da die ent­spre­chen­de Rechts­ma­te­rie zu dem dama­li­gen Zeit­punkt nicht all­ge­mein bekannt war und die Ange­klag­ten sich von ver­schie­de­nen Fach­leu­ten hat­ten bera­ten las­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Okto­ber 2014 – 1 StR 114/​14

  1. vgl. u.a. BFH, Urteil vom 19.04.2007 – V R 44/​05[]
  2. vgl. u.a. BFH, Urteil vom 11.02.2010 – V R 2/​09[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 14.03.2007 – – VIII ZR 68/​06, WM 2007, 990 ff. mwN; BFH, Urteil vom 10.12 1998 – – V R 58/​97, BFH/​NV 1999, 987 ff.; Stad­le in Rau/​Dürrwächter, UStG, 152. Lfg., § 17 Rn.194[]
  4. vgl. BFH, Urteil vom 16.01.2003 – – V R 72/​01, BSt­Bl – II 2003, 620 ff.; vgl. Korn in Bun­jes, UStG, 13. Aufl., § 17 Rn. 45 mwN; Stad­le in Rau/​Dürrwächter, UStG, 152. Lfg., § 17 Rn.197 mwN[]
  5. vgl. u.a. BGH, Urteil vom 14.03.2007 – VIII ZR 68/​06, WM 2007, 990 ff.[]
  6. vgl. BGH, Urtei­le vom 14.03.2007 – – VIII ZR 68/​06, WM 2007, 990 ff.; und vom 03.11.2005 – – IX ZR 140/​04, NJW-RR 2006, 189 ff.; zur Uner­heb­lich­keit von den Par­tei­en gewähl­ter Bezeich­nun­gen vgl. auch BFH, Urteil vom 17.12 2009 – – V R 1/​09[]