Leicht­fer­ti­ge Steu­er­ver­kür­zung

Leicht­fer­tig han­delt, wer die Sorg­falt außer Acht lässt, zu der er nach den beson­de­ren Umstän­den des Ein­zel­falls und sei­nen per­sön­li­chen Fähig­kei­ten und Kennt­nis­sen ver­pflich­tet und imstan­de ist, obwohl sich ihm auf­drän­gen muss­te, dass dadurch eine Steu­er­ver­kür­zung ein­tre­ten wird 1.

Leicht­fer­ti­ge Steu­er­ver­kür­zung

Jeder Steu­er­pflich­ti­ge muss sich über die­je­ni­gen steu­er­li­chen Pflich­ten unter­rich­ten, die ihn im Rah­men sei­nes Lebens­krei­ses tref­fen. Dies gilt in beson­de­rem Maße in Bezug auf sol­che steu­er­recht­li­chen Pflich­ten, die aus der Aus­übung eines Gewer­bes oder einer frei­be­ruf­li­chen Tätig­keit erwach­sen. Bei einem Kauf­mann sind des­halb jeden­falls bei Rechts­ge­schäf­ten, die zu sei­ner kauf­män­ni­schen Tätig­keit gehö­ren, höhe­re Anfor­de­run­gen an die Erkun­di­gungs­pflich­ten zu stel­len als bei ande­ren Steu­er­pflich­ti­gen 2. In Zwei­fels­fäl­len hat er von sach­kun­di­ger Sei­te Rat ein­zu­ho­len 3.

Dabei steht einer Leicht­fer­tig­keit nicht ent­ge­gen, dass der Unter­neh­mer als Beton­bau­er kei­ne aus­rei­chen­de Kennt­nis über sei­ne steu­er­li­chen Pflich­ten gehabt haben könn­te, so dass es sich ihm nicht auf­ge­drängt habe, dass eine Steu­er­ver­kür­zung ein­tre­ten kön­ne. Viel­mehr bele­gen die­se Umstän­de gera­de das leicht­fer­ti­ge Ver­hal­ten des Ange­klag­ten. Obwohl er, wie ihm bewusst war, die kauf­män­ni­schen Fähig­kei­ten für sei­ne gewerb­li­che Tätig­keit nicht besaß, und er die für einen Vor­steu­er­ab­zug erfor­der­li­chen Vor­aus­set­zun­gen an eine Rech­nung nicht kann­te, nahm er kei­ne sach­kun­di­ge Hil­fe in Anspruch. Dass er hier­zu ver­pflich­tet war, muss­te sich dem Ange­klag­ten auf­drän­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Dezem­ber 2014 – 1 StR 324/​14

  1. vgl. BGH, Urteil vom 16.12 2009 – 1 StR 491/​09 Rn. 40, HFR 2010, 866; BGH, Urteil vom 08.09.2011 – 1 StR 38/​11 Rn. 17, wis­tra 2011, 465[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 19.02.2009 – – II R 49/​07 mwN, BFHE 225, 1[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 08.09.2011 – 1 StR 38/​11 Rn. 18, wis­tra 2011, 465; vgl. dazu auch Joecks in Franzen/​Gast/​Joecks, Steu­er­straf­recht, 7. Aufl., § 378 AO Rn. 39; Jäger in Klein, AO, 12. Aufl., § 378 Rn.20 f.; jeweils mwN[]