Nicht­ab­ga­be von Lohn­steu­er­an­mel­dun­gen – und die Anzahl der Taten

Gemäß § 41a Abs. 2 Satz 1 EStG ist der Lohn­steu­er-Anmel­de­zeit­raum grund­sätz­lich der Kalen­der­mo­nat. Wenn die Lohn­steu­er für das vor­an­ge­gan­ge­ne Kalen­der­jahr mehr als 1.080 € (im Zeit­raum 2009 – 2013: 1.000 €), aber nicht mehr als 4.000 € betra­gen hat, ist das Kalen­der­vier­tel­jahr der Lohn­steu­er-Anmel­dungs­zeit­raum (§ 41a Abs. 2 Satz 2 1. HS EStG). Ledig­lich dann, wenn die Lohn­steu­er für das ver­gan­ge­ne Kalen­der­jahr nicht mehr als 1.080 € (im Zeit­raum 2009 – 2013: 1.000 €) betra­gen hat, ist der Lohn­steu­er­an­mel­dungs­zeit­raum das Kalen­der­jahr (§ 41a Abs. 2 Satz 2 2. HS EStG).

Nicht­ab­ga­be von Lohn­steu­er­an­mel­dun­gen – und die Anzahl der Taten

Wur­den die­se Gren­zen über­schrit­ten, hät­te der Arbeit­ge­ber jeweils monat­li­che Lohn­steu­er­an­mel­dun­gen abge­ben müs­sen. Die Nicht­ab­ga­be jeder ein­zel­nen die­ser Lohn­steu­er­an­mel­dun­gen stellt eine eigen­stän­di­ge Steu­er­hin­ter­zie­hung des Ange­klag­ten durch Unter­las­sen dar (§ 370 Abs. 1 Nr. 2 AO).

Das Gericht hät­te des­halb die Besteue­rungs­grund­la­gen für die jewei­li­gen monat­li­chen Anmel­de­zeit­räu­me – soweit erfor­der­lich durch Schät­zung 1 – ermit­teln und die ver­kürz­te Lohn­steu­er errech­nen müs­sen.

Der Bun­des­ge­richts­hof schloss im vor­lie­gen­den Fall jedoch aus, dass sich die rechts­feh­ler­haf­te Zusam­men­fas­sung meh­re­rer Unter­las­sungs­ta­ten zu jähr­lich einer Tat zum Nach­teil des Ange­klag­ten aus­ge­wirkt hat. Denn die unzu­tref­fen­de Beur­tei­lung des Kon­kur­renz­ver­hält­nis­ses beein­flusst den mate­ri­el­len Unrechts- und Schuld­ge­halt der Taten ins­ge­samt nicht 2. Das Land­ge­richt hat auch für kei­ne der Steu­er­hin­ter­zie­hun­gen wegen Ver­kür­zung von Steu­ern in gro­ßem Aus­maß gemäß § 370 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 AO die Stra­fe dem Straf­rah­men des § 370 Abs. 3 AO für beson­ders schwe­re Fäl­le ent­nom­men.

Der Umstand, dass das Land­ge­richt bei gleich­zei­ti­gem Vor­ent­hal­ten von Arbeit­ge­ber­bei­trä­gen nach § 266a Abs. 1 StGB und Arbeit­neh­mer­bei­trä­gen nach § 266a Abs. 2 Nr. 2 StGB ent­ge­gen der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 3 nicht von einer ein­heit­li­chen Tat, son­dern von Tat­ein­heit aus­ge­gan­gen ist, beschwert den Arbeit­ge­ber eben­falls nicht. Denn die zusätz­li­che Ver­wirk­li­chung von § 266a Abs. 2 Nr. 2 StGB durf­te im Rah­men des Schuld­um­fangs Berück­sich­ti­gung fin­den 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. April 2016 – 1 StR 122/​16

  1. vgl. dazu BGH, Beschluss vom 10.11.2009 – 1 StR 283/​09, NStZ 2010, 635 sowie Jäger in Klein, AO, 12. Aufl., § 370 Rn. 98 mwN[]
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 01.03.2004 – 2 BvR 2251/​03, BVerfGK 3, 20; BGH, Beschlüs­se vom 14.01.2015 – 4 StR 440/​14, Rn. 5, NStZ-RR 2015, 113; und vom 21.01.2014 – 2 StR 507/​13; jeweils mwN[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 24.06.2015 – 1 StR 76/​15 Rn. 15, wis­tra 2015, 393; und vom 18.05.2010 – 1 StR 111/​10, wis­tra 2010, 408[]
  4. vgl. BGH aaO[]